Gesundheitsrisiko Lehramt – wenn Überlastung krank macht
Die anhaltende Überlastung von Lehrkräften wird zu einem Risiko. Nicht nur für die Betroffenen, auch für die Zukunft funktionierender Schulen.
„Leider war das zu erwarten, was wir nun Schwarz auf Weiß vorliegen haben, wenn auch nicht in diesem Ausmaß. Die anhaltende Überlastung bereits vor Corona und der enorme Mehraufwand in der Pandemie machen die Lehrkräfte zunehmend krank.“ So fasst Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), die jüngst veröffentlichten Daten aus der von forsa im Namen des VBE durchgeführten Berufszufriedenheitsumfrage zusammen.
Von den 1.300 Schulleitungen, die bundesweit befragt wurden, gab die Hälfte an, dass es in den letzten Jahren vermehrt zu langfristigen Ausfällen im Kollegium gekommen sei. Ob physische oder psychische Erkrankung spielt hierbei keine Rolle. Die Werte gleichen sich. In der letzten Befragung dieser Art, im Jahr 2019, war es „nur“ ein Drittel der Schulleitungen, die diese Tendenz im eigenen Kollegium sah. Beckmann hierzu: „Für uns ist der Gedanke unerträglich, dass Menschen, die ihr Herzblut in die Bildung unserer Kinder stecken, unter Bedingungen arbeiten müssen, die sie krank machen. Jede zweite Schulleitung sieht, dass Lehrkräfte der Überlastung nicht mehr standhalten können. Einige Schulformen, wie zum Beispiel Grund- oder Haupt-, Real und Gesamtschulen, sind besonders stark betroffen. Wenn nicht schleunigst ein Umdenken stattfindet, die Schulen bedarfsgerecht finanziert werden und der Lehrkräftemangel angegangen wird, wird das „Kartenhaus Schule“ über kurz oder lang zusammenbrechen. Wovor wir seit Jahren warnen, wird nach fast zwei Jahren Pandemie erschreckend deutlich.“
Pädagogische Entwicklungen stehen auf dem Spiel
Die Überlastung und Lehrkräftemangel bergen nicht nur ein Gesundheitsrisiko in sich, sie bedrohen auch den Erfolg wichtiger pädagogischer Weiterentwicklungen. Hierzu Beckmann: „Die Politik lädt seit Jahren Projekte zur Weiterentwicklung von Schule auf die Lehrkräfte ab, ohne sie mit angemessenen Ressourcen auszustatten, getreu dem Motto, die die an Schulen Beschäftigten werden das Problem schon lösen. Egal ob Inklusion, Integration oder Demokratisierung: sie finden in der alltäglichen Umsetzung auf dem Rücken der Lehrkräfte statt. Knapp zwei Drittel der Schulleitungen sehen Mehrbelastung für fast alle Lehrkräfte in ihren Schulen. An den Grundschulen sind es sogar 70 Prozent. Wenn die Schulen für die an sie gestellten Herausforderungen nicht entsprechend ausgerüstet werden, lassen sich diese wichtigen und notwendigen Projekte nicht umsetzen“, so Beckmann. Neben der Lösung des Lehrkräftemangels fordert der VBE multiprofessionelle Teams zur Unterstützung der Lehrkräfte im Schulalltag.
Schulleitungen wird ausreichende Hilfe verweigert
Schulleitungen fühlen sich in Fragen der Gesunderhaltung ihres Kollegiums angesichts der sich seit Jahren zuspitzenden Situation zunehmend hilflos. Hatten 2019 immerhin noch 40 Prozent von ihnen den Eindruck, sie hätten ausreichende Möglichkeiten zur Gesundheitsförderung, ist es aktuell nur noch knapp ein Viertel. An Grundschulen kann sogar nur jede fünfte Leitung zufriedenstellend Einfluss auf die Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen nehmen.
Die Kultusministerien scheinen auch keine große Hilfe zu sein, wie Beckmann weiter ausführt:
„Nicht einmal ein Viertel der Schulleitungen erachten die Gesundheitsangebote der Kultusministerien als ausreichend. Dabei liegen die Lösungen eigentlich auf der Hand und müssen von der Politik endlich beherzt angegangen werden. Neben Maßnahmen wie Supervision und Fortbildungen – und zwar müssen diese aus unserer Sicht auch während der Dienstzeit stattfinden können – braucht es vor allem eine Entlastung der Schulleitungen und Lehrkräfte. Konkret: geringere Unterrichtsverpflichtungen, kleinere Lerngruppen und Unterstützung durch multiprofessionelle Teams. Der Mangel der letzten Jahre wird in dieser Pandemie zu einem existenziellen Problem. Wir brauchen jetzt eine Fachkräfteoffensive. Wenn wir nicht sofort starten, stehen wir in sieben Jahren, so lange dauert die Ausbildung der Lehrkräfte mindestens, vor dem gleichen Problem.“
Schulleitungen resignieren nach zwei Jahren Pandemie
Eine weitere brisante Erkenntnis der Umfrage: Schulleitungen sind zunehmend hoffnungslos. Ein Viertel derjenigen, die nicht ausreichend zur Gesunderhaltung beitragen können, antworten auf die Frage nach gewünschten Möglichkeiten und Verbesserungen mit „weiß nicht“. Dieser Wert hat sich seit 2019 mehr als verdoppelt. Was das bedeutet, weiß Beckmann:
„Schulleitungen sind hochqualifizierte Fachkräfte. Sie tragen die Verantwortung für teils hunderte Schülerinnen und Schüler, sind Vorgesetzte für das Kollegium. Sie machen seit Jahren alles Erdenkliche, um die Mängel des Systems abzufedern. Wenn Sie auf die Frage ‚Was wünschen Sie sich?‘ nicht antworten können, kann das nur eines bedeuten: Sie haben mit der Hoffnung, dass sich etwas verändern könnte abgeschlossen. Sie resignieren. Sie haben das Gefühl, die Politik lässt sie mit ihren Sorgen und Nöten allein. Da passen die im November veröffentlichten Ergebnisse der Umfrage zur Berufszufriedenheit, in der jede fünfte Schulleitung sagt, sie werde in zehn Jahren keine Schule mehr leiten.“
Die repräsentative Berufszufriedenheitsumfrage unter Schulleiterinnen und Schulleitern wird seit 2018, im Auftrag des VBE, durch forsa erhoben und umfasst mehr als die veröffentlichten Zahlen zur Gesundheit der Lehrkräfte. Eine Veröffentlichung der übrigen Ergebnisse fand am 26. November 2021 statt. Weitere Informationen finden Sie hier.
Ergebnisse forsa Umfrage Gesundheit der Lehrkräfte
Realitätssinn und Verantwortung für die Bildung sind gefragt
Der Brandenburgische Pädagogen-Verband sieht mit großer Sorge die aktuelle Entwicklung in den Schulen.
Eine Anfrage der CDU-Fraktion bereits Anfang Dezember 2021 im Landtag zeigte katastrophale Zahlen über Krankenstände bei Lehrkräften und SchülerInnen mit steigender Tendenz auf.
Ungeachtet dieser Situation hat das MBJS seine Mitteilung zur Organisation des Schuljahres 2021/2022, dem sogenannten Stufenplan, aufrechterhalten, in dem unter anderem die Lehrkräfte angewiesen werden, die gesamte Stundentafel in Präsenzunterricht abzudecken und bei Quarantäne SchülerInnen online zu unterrichten bzw. zu betreuen. Diese Anweisungen werden den Schulämtern übertragen, wohlwissend, dass in den Schulen sowohl die personellen als auch die technischen Ressourcen nicht gesichert sind.
Es ist immer noch ein großer Teil der Schulen nicht ausreichend mit funktionierenden Internetverbindungen versorgt, so dass Absichtserklärungen und Finanzierungsmodelle zur Ausstattung mit Laptops oder Tablets an diesen Einrichtungen ins Leere laufen. Außerdem sieht das MBJS keine Notwendigkeit Lehrkräfte mit digitalen Dienstgeräten auszustatten, obwohl in der täglichen Arbeit der Lehrkräfte ständig mit sensiblen Daten der SchülerInnen und Informationen der Eltern gearbeitet werden muss und eine digitale Unterrichtsversorgung bei Quarantänemaßnahmen von Lehrkräften erwartet wird.
Wir fordern das MBJS und die Landesregierung auf, endlich den Bildungseinrichtungen tragbare Konzepte anzubieten, die von Verantwortung und Realitätssinn getragen sind.
Pressedienst BPV: Realitätssinn und Verantwortung für die Bildung sind gefragt
Bis 2030 fehlen bundesweit mindestens 81.000 Lehrkräfte
VBE Bundesverband veröffentlicht wissenschaftliche Untersuchung zu Lehrkräftebedarf und -angebot
In Deutschland existiert ein massiver Lehrkräftemangel. Im Land Brandenburg müssen in den nächsten 5 Jahren nach Aussagen des MBJS jährlich ca. 1200 Lehrerinnen und Lehrer neu eingestellt werden. Aufgrund des Mangels an ausgebildeten Lehrkräften geht das Ministerium davon aus, dass dabei ein Drittel Seiteneinsteiger notwendig sind. Das sind innerhalb des genannten Zeitraumes ca. 2000 unausgebildete Lehrkräfte an unseren Schulen. Eine vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) bei Prof. i. R. Dr. Klaus Klemm in Auftrag gegebene wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie sich Lehrkräftebedarf und tatsächliches -angebot in Deutschland bis 2030 entwickeln werden.
Der Präsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbandes, Hartmut Stäker kommentiert anlässlich der heutigen Veröffentlichung: „Der Lehrkräftemangel ist das derzeit größte Problem im Schulbereich, auch in Brandenburg, und stellt eine massive Bedrohung für Bildungsqualität, -gerechtigkeit und die Zukunft unseres Landes dar. Die größten Herausforderungen, mit denen Schule aktuell konfrontiert ist und künftig konfrontiert sein wird, – Corona-Pandemie, Integration, Inklusion, Digitalisierung, Ganztagsbeschulung, – werden ohne Bereitstellung der erforderlichen personellen Ressourcen nicht zu lösen sein. Realität ist auch in unserem Bundesland: Lehrkräfte arbeiten schon seit langem und nochmals verstärkt durch die Pandemie an oder oberhalb ihrer Belastungsgrenze. Die notwendige individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen in der Regel nicht mehr leistbar.“ H. Stäker weiter, „Lehrkräftebedarf und -angebot dürfen von der Politik nicht länger schöngerechnet werden.“
Vor dem Hintergrund der heute vom VBE Bundesverband veröffentlichten Expertise, fordert der Brandenburgische Pädagogen-Verband die Politik auf, „unverzüglich offenzulegen, wie groß die Lücke zwischen Lehrkräftebedarf und Neuangebot an Lehrkräften bis 2030 in unserem Land wirklich ist und welche zusätzlichen personellen Ressourcen für Ganztag, Inklusion und die Unterstützung von Kindern in herausfordernden Lagen benötigt werden“
Stäker abschließend: „Wir erwarten zudem, dass die Landesregierung umgehend eine Strategie darstellt, wie sie die zu erwartende personelle Unterdeckung beseitigen will.“
Zum Pressedienst des VBE Bundesverbandes, der sämtliche Forderungen des Verbandes anlässlich der dramatischen Ergebnisse darlegt, gelangen Sie über diesen Link:
https://www.vbe.de/service/expertise-lehrkraeftebedarf-angebot
Expertise Lehrkräftebedarf und -angebot
Eine wissenschaftliche Untersuchung im Auftrag unseres Bundesverbandes VBE
In Deutschland existiert ein massiver Lehrkräftemangel. Eine vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) bei Prof. i. R. Dr. Klaus Klemm in Auftrag gegebene wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie sich Lehrkräftebedarf und tatsächliches -angebot in Deutschland bis 2030 entwickeln werden. Die Expertise wurde am 25. Januar 2022 veröffentlicht.
- Expertise „Entwicklung von Lehrkräftebedarf und -angebot in Deutschland bis 2030“ von Prof. i. R. Dr. Klaus Klemm
- Pressemitteilung des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) anlässlich der Veröffentlichung am 25. Januar 2022
- Ergebnischarts der Untersuchung von Prof. i. R. Dr. Klaus Klemm anlässlich der Veröffentlichung am 25. Januar 2022
- Tabellenverzeichnis (Berechnungen) von Prof. i. R. Dr. Klaus Klemm zur Expertise
dbb fordert Investitionen und Innovation: Mehr öffentlichen Dienst wagen!
Berlin, 10.01.2022 | dbb Pressedienst| Nr. 04/2022 |
Ohne Investitionen und Innovation in den öffentlichen Dienst wird Deutschland existenzielle Zukunftsaufgaben nicht bewältigen, warnt der dbb. |
| „Digitalisierung, Klimaschutz auch durch ökologische Transformation der Wirtschaft, Bildung, sozialer Wandel, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Zuwanderung – ohne einen personell und technisch aufgabengerecht ausgestatteten, leistungsfähigen und motivierten öffentlichen Dienst werden diese Zukunftsaufgaben nicht zu bewältigen sein“, stellte der dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach zum Auftakt der dbb Jahrestagung am 10. Januar 2022 in Berlin klar. Der öffentliche Dienst, personell auf Kante genäht und technisch oft im Vorgestern stecken geblieben, befinde sich seit Jahren „quasi im Dauer-Stresstest“. Die Beschäftigten warteten vergeblich auf spürbare Wertschätzung und die Erkenntnis von Arbeitgebern und Dienstherrn, „dass es allerhöchste Zeit ist, nachhaltig in Personal zu investieren und es mit attraktiven Arbeitsbedingungen auch zum Bleiben zu motivieren“, kritisierte der dbb Chef. Zudem betonte er, dass es nicht an den Beschäftigten liege, wenn der Staat in vielen Belangen nicht mehr so funktioniere, wie die Bürgerinnen und Bürger es zu Recht erwarteten. „Wenn man es aus politischer Saumseligkeit und Begeisterung für schwarze Nullen über Jahre versäumt, die Behörden und Verwaltungen krisenfest aufzustellen, darf man sich im Katastrophenfall nicht verwundert den Schlaf aus den Augen reiben“, sagte Silberbach. Er warnte: „So darf es nicht weitergehen. Ein Staat, dem die Menschen immer weniger vertrauen und der ihnen nicht so dient, wie sie es von ihm erwarten – solch ein Staat hat umgekehrt auch immer weniger von den Menschen zu erwarten. Wenn mit dem öffentlichen Dienst der Kitt unseres Staatsgefüges bröckelt, wenn sich das System langsam aber sicher in seine Einzelteile zerlegt, dann kommen uns der gesellschaftliche Zusammenhalt, die Achtung von Recht und Gesetz, Solidarität und Respekt abhanden.“ Auch bei den Beschäftigten sei die Frustration groß über „Personalmangel, ständig mehr Aufgaben, uralte Technik und ein Wust an Bürokratie, der jede Innovation und Agilität im Keim erstickt.“ Der dbb Chef skizzierte einen klaren Fahrplan für eine nachhaltige Modernisierung des öffentlichen Dienstes und mahnte zur Eile: „Wir müssen jetzt einfach ins Machen kommen“, forderte Silberbach. Neben einer aufgabengerechten Personalausstattung und attraktiven Arbeitsbedingungen gelte es, die Digitalisierung der Verwaltung endlich tatsächlich umzusetzen. „Aktuell fehlen uns im öffentlichen Dienst insgesamt mehr als 330.000 Beschäftigte für die Erledigung der Aufgaben. Damit nicht genug: Fast 1,3 Millionen Kolleginnen und Kollegen sind über 55 Jahre und werden in den kommenden Jahren ausscheiden. 1,3 Millionen. Wie Bund, Länder und Kommunen diesen Verlust an Know-how und Arbeitskraft kompensieren wollen, ist bis heute schleierhaft“, unterstrich Silberbach. Die ohnehin nur schleppend anlaufende Digitalisierung alleine werde das Problem nicht lösen. Ohne Menschen sei auch in Zukunft kein Staat zu machen, und die Politik solle endlich aufhören, „das Personal immer nur als Kostenfaktor mit zwei Ohren zu betrachten. Investitionen in den öffentlichen Dienst sind Investitionen in Stabilität, Konjunktur, Bildung, Sicherheit und Wohlstand.“ Der dbb Chef forderte zudem allgemein mehr Respekt und Wertschätzung für den öffentlichen Dienst. „Die Kolleginnen und Kollegen im Staatsdienst sind nicht Blitzableiter von Amts wegen für eine Politik, die in der Kritik steht. Das müssen die, die politische Verantwortung tragen, immer wieder unmissverständlich klarmachen. Wer Menschen angreift, die unseren Staat und die Werte, für die er steht, repräsentieren und verteidigen, greift uns alle an. Deswegen erwarten wir von Politik und Gesellschaft mehr Schutz, mehr Respekt und mehr Rückhalt“, sagte Silberbach auch an die Adresse der neuen Bundesinnenministerin Nancy Faeser, die persönlich an der dbb Jahrestagung teilnimmt. Livestream zur dbb Jahrestagung 2022: https://www.dbb.de/veranstaltungen/dbb-jahrestagung/dbb-jahrestagung-2022/livestream.html |
Neues Jahr, altes Spiel: KMK verweigert Klartext und Verantwortungsübernahme
Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), kommentiert die Ergebnisse der Sitzung der Kultusministerkonferenz (KMK): „Dass die KMK erneut keine klaren Standards definiert, welche Maßnahmen bei einem bestimmten Infektionsgeschehen zu ergreifen sind, sondern die Verantwortung an die Schulen abschiebt, ist ein Armutszeugnis. Schulleiterinnen und Schulleiter sind keine Virologinnen und Virologen und sollten keine entsprechenden Entscheidungen treffen müssen. Es ist unbestritten, wie wichtig Präsenzunterricht für die kognitive und sozial-emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist und welche Entlastung hierdurch für Eltern gegeben ist. Aber zu einem Unterricht vor Ort gehört auch, dass alle, die mit Schule in Berührung kommen, ausreichend geschützt werden. Dies sicherzustellen, ist in den letzten fast zwei Jahren weitgehend versäumt worden. Jetzt sind wir aufgrund des dynamischen Infektionsgeschehens wieder an einem Punkt, wo uns die bereits vor der Pandemie von der Politik verweigerten angemessenen Investitionen in Personalausstattung, Infrastruktur und digitale Ausstattung auf die Füße fallen können. Anstatt Verantwortung zu übernehmen, flüchtet sich die KMK in Plattitüden und Anregungen, ohne konkrete Vorschläge zu machen. Die Frage, wie belastbare Testoffensiven bei der herrschenden Überlastung in den Schulen, Gesundheitsämtern und Laboren durchgeführt werden können, bleibt offen. Auch wie man dem verstärkten Lehrkräftemangel, der durchzunehmende Quarantäneanordnungen entsteht, Rechnung tragen will, fand leider keine Beantwortung.“
Der VBE fordert vor dem Hintergrund der steigenden Infektionszahlen, schnell und beherzt den wissenschaftlichen Empfehlungen der Expertinnen und Experten zu folgen. „Die Schulen brauchen klare Richtlinien für dem Umgang mit Infektionen. Anhand der Inzidenzen, der Hospitalisierungsrate und der Impfquote aber auch der räumlichen Situation, müssen endlich transparente bundeseinheitliche Regeln her, an denen sich alle Gesundheitsämter orientieren müssen. Ein bestimmtes Infektionsgeschehen muss konkrete, ausgewogene und realisierbare Maßnahmen nach sich ziehen. Der Dienstherr muss Schulleitungen hier vollumfänglich zur Seite stehen. Die Wahrung von Mindestabständen ist in der überwiegenden Zahl der Schulen angesichts von zu kleinen Räumen für zu große Klassen nicht einhaltbar. Dauerlüften bei winterlichen Temperaturen birgt ein zusätzliches Gesundheitsrisiko für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte . Dass die zurückliegenden Monate nicht konsequent genutzt wurden, um Luftfilteranlagen und Luftreiniger zu installieren, kommt erschwerend hinzu. Schulen „von oben“ zu sicheren Orten zu deklarieren, obwohl man im Sommer nicht die notwendigen Maßnahmen ergriffen hat, macht mich fast sprachlos“, so Beckmann abschließen.
Koalitionsvertrag im Bund: Nun müssen den Worten Taten folgen
Die Vorstellung des Koalitionsvertrages von SPD, Grünen und FDP kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), in einer ersten Bewertung wie folgt: „Erfreut stellen wir fest, dass einige unserer Forderungen Einzug in den Vertrag der Ampel-Koalition gefunden haben. Insbesondere die geplante engere, zielgenauere und verbindliche Kooperation aller Ebenen ist ein wichtiger Schritt für mehr Chancengleichheit.“
Auch die Verstetigung des Digitalpakts, die Weiterentwicklung der Qualitätsoffensive Lehrerbildung und das Startchancen-Programm böten Möglichkeiten, Bildung nachhaltig zu verbessern und somit mehr Bildungsgerechtigkeit zu schaffen, so Beckmann. Der VBE begrüßt, dass bürokratische Hürden im Digitalpakt und bei der Ausgestaltung des Ganztages abgebaut und ein niedrigschwelliger Zugang zu Fördermitteln ermöglicht werden soll.
„Die im Koalitionsvertrag beschrieben Ziele werden sich aber nur erreichen lassen, wenn es gelingt, dass dafür notwendige qualifizierte pädagogische Personal zu gewinnen. Wie dies gelingen soll, dazu schweigen die Koalitionäre. Angesichts des bestehenden und weiterhin zu erwartenden Lehrkräftemangels sowie des fehlenden Personals im frühkindlichen Bereich, bleiben deshalb viele Frage offen. Die angekündigte deutliche Steigerung der Ausgaben für Bildung ist unabhängig davon grundsätzlich zu begrüßen.“
Ankündigung des MBJS ist Mogelpackung
Die in einer Pressemitteilung des MBJS angekündigte „Unterstützung und Entlastung“ der Schulen im Handeln gegen die Pandemie bleibt weit hinter den Maßnahmen im gleichen Zeitraum des Vorjahres zurück. Und das, obwohl die Schulen verschärfte Hotspots der Inzidenzen sind und als Pandemietreiber gesehen werden.
Der Brandenburgische Pädagogen-Verband (BPV) unterstützt in vollem Umfang die Forderungen des Hauptpersonalrates der Lehrkräfte.
Der BPV erwartet klare und angemessene Aussagen des MBJS zu möglichen Maßnahmen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Dabei muss sich der Einsatz der Lehrkräfte auf die Unterrichtsversorgung konzentrieren.
Den Schulen muss dabei die Möglichkeit eingeräumt werden, den Unterrichtsablauf und eine eventuell erforderliche Notbetreuung, entsprechend der pandemischen Situation eigenverantwortlich organisieren zu können.
Die Pressemitteilung stützt ihre angekündigten Maßnahmen auf eine nicht vorhandene flächendeckende digitale Ausstattung der Lehrkräfte und auf eine Personalausstattung an den Schulen, die ebenfalls in dem Umfang nicht zur Verfügung steht.
Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass allen an den Schulen Beschäftigten ausreichend Tests zur Verfügung stehen.
Die in der Mitteilung angekündigten Maßnahmen sind realitätsfremd und gehen deutlich am Bedarf vorbei. Sie dienen in der hochbrisanten Situation in keiner Weise der Gesundheitsfürsorge für Schülerinnen und Lehrkräfte.
Umfrage: Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf das Handschreiben?
Wie gut können Schülerinnen und Schüler von Hand schreiben? Gibt es womöglich Auswirkungen der Coronakrise auf die schreibmotorischen Fertigkeiten der Kinder und Jugendlichen? Und welche Konsequenzen hat die Digitalisierung? Das Schreibmotorik Institut (SMI) hat gemeinsam mit dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) eine Umfrage unter Lehrkräften gestartet, die aktuelle Antworten auf diese Fragen liefern soll. Wir würden uns freuen, wenn unsere Mitglieder zahlreich teilnehmen!
Handschrift ist mehr als nur eine überholte Fähigkeit einer vergangenen Zeit. Auch wenn heute vieles digital stattfindet, bleibt das Handschreiben essenziell. Denn das Erlernen der Handschrift
fordert Lernprozesse. Was händisch aufgeschrieben wird, bleibt länger im Kopf. Es aktiviert das Gehirn ganzheitlich. Die vielen Vorteile gilt es daher weiter zu nutzen. Doch wie steht es eigentlich um die handschriftlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler?
Wie viele von Ihnen haben derzeit Schwierigkeiten, eine „gut lesbare, flüssige Handschrift“ zu entwickeln, wie sie in den Bildungsstandards vorgegeben ist? Es ist an Ihnen, diese Fragen zu beantworten und Ihre Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Schulalltag einzubringen. Bereits zum dritten Mal nach 2015 und 2019 untersucht dies das Schreibmotorik Institut, zum zweiten Mal in Kooperation mit dem VBE. Und Sie können teilnehmen! Berichten Sie uns, wie gut Ihre Schülerinnen und Schüler mit der Hand schreiben können, welche Herausforderungen es
gibt und ob sich seit der Coronapandemie etwas verändert hat.
Auch der Einfluss des Einsatzes digitaler Endgeräte auf den Handschreiberwerb steht im Fokus der STEP 2022 („Studie über die Entwicklung, Probleme und Interventionen zum Thema Handschreiben“). Die Befragung läuft bis Februar 2022. Die Ergebnisse sollen dann im Frühsommer veröffentlicht werden.
Rechte der Lehrkräfte – Wer kann sich testen lassen?
Geimpfte und genesene Lehrkräfte haben auch weiterhin die Möglichkeit, sich vorsorglich zu testen. Kostenlose Testskits soll es auch weiterhin für Lehrkräfte in den Schulen geben.
Gibt es medizinische Masken für Lehrkräfte?
Das MBJS hat in einem Schreiben vom 17.09.2021 die Schulleitungen nochmals darauf hingewiesen (erfolgte bereits am 03.08.2021), dass allen Lehrkräften, dem sonstigen pädagogischen Personal und den LehramtskandidatInnen aufgrund des Präsenzunterrichtes, täglich 2 medizinische Masken zur Verfügung zu stellen sind. Diese Anordnung gilt erstmal bis zum 23.12.2021.
Die Beschaffung erfolgt dezentral.
Quelle: genanntes Schreiben, MBJS
