forsa-Umfrage „Gewalt gegen Lehrkräfte und Schulleitung im Zusammenhang mit der Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen“

  • Repräsentative forsa-Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) zeigt, dass es an jeder vierten Schule psychische Gewalt gegen Lehrkräfte im Zusammenhang mit der Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen gibt – direkt oder/und über das Internet.
  • VBE-Bundesvorsitzender Beckmann wirft Politik vor, Konflikte durch Regelungschaos und verfehlte Kommunikation zu provozieren. Er verlangt, dass diese ihrer Verantwortung gerecht wird und insbesondere die Angriffe von außen eingedämmt werden.
  • VBE fordert transparente Reglungen, besseres Informationsmaterial und den vollen Schutz des Dienstherrn bei Angriffen gegen Beschäftigte, durch unbürokratische Meldung und schnelle Hilfe.

„Der Frust der Gesellschaft über bestehende ‚Coronaregeln‘ entlädt sich an Schule! Das Regelungschaos und die intransparente Kommunikation der Politik verunsichern viele. Die Folge sind Konflikte an der Schule. Hier werden Lehrkräfte und Schulleitungen dafür angegriffen, ihrer Arbeit nachzukommen und die verordneten Infektionsschutzmaßnahmen umzusetzen. Das darf so nicht hingenommen werden! Insbesondere die Kultusministerien sind in der Verantwortung, die Beschäftigten an Schulen zu schützen – sei es durch besseres Informationsmaterial, Ansprechpersonen in den Kultusministerien oder schlicht transparente Regelungen, die einleuchten und zu weniger Unmut führen. Vor allem aber dadurch, dass sie sich in Konfliktfällen voll hinter die Bedrohten stellen“, fordert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).

Schon seit 2016 beauftragt der Verband Bildung und Erziehung immer wieder forsa damit, repräsentative Untersuchungen zum Thema „Gewalt gegen Lehrkräfte“ durchzuführen. Diesmal lag der Fokus auf Konfliktfällen, die im Zusammenhang mit der Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen auftraten. Die Ergebnisse sind mit 1.501 Befragten bundesweit repräsentativ. Zudem gibt es Stichproben aus Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Ein Viertel der Befragten berichtet, dass Sie von direkten psychischen Angriffen gegen Lehrkräfte oder Schulleitungen an ihrer Schule wissen. Gefragt danach, von wem diese Angriffe ausgingen, nannten 84 Prozent der Befragten „Eltern“. Jede vierte Lehrkraft weiß von direkten psychischen Angriffen durch Schülerinnen und Schüler. Hinzu kommt, dass jede fünfte Lehrkraft davon berichtet, dass direkte psychische Angriffe von anderen Erwachsenen ausgehen, die zum Beispiel in Organisationen engagiert sind, die sich gegen Corona-Schutzmaßnahmen einsetzen.

Der VBE Bundesvorsitzende zeigt sich entsetzt: „Wir haben eine Situation, in der diejenigen, die Regelungen befolgen und umsetzen müssen – und zwar unabhängig davon, für wie richtig und wichtig sie diese selbst halten – dafür abgestraft werden. Lehrkräfte werden ungeschützt von der Politik zur Zielscheibe von Andersdenkenden. Es braucht ein klares Zeichen der politisch Verantwortlichen, dass jeder Angriff gegen eine Lehrkraft auch ein Angriff gegen die Institution Schule und damit gegen den Staat ist. Was gedenken die Kultusministerien zu tun, um Lehrkräfte davor zu schützen?“

Ähnliche Zahlen zeigt die Frage nach psychischer Gewalt über das Internet. Interessant ist, dass verglichen mit vorhergehenden Befragungen zum Thema Gewalt nur wenige Befragte von körperlicher Gewalt berichten – sicherlich auch, weil es nur eingeschränkt Präsenzunterricht gegeben hat und viele Online-Meetings. „Zwei Prozent der Befragten sagten trotzdem, dass es dazu kam. Wenn man das aber hochrechnet, heißt das immer noch, dass es innerhalb der letzten Monate an 650 der 32.500 allgemeinbildenden Schulen in Deutschland zu körperlichen Angriffen gegen Lehrkräfte oder die Schulleitung kam. Weil sie ihren Dienst taten“, betont Beckmann.

Lichtblick ist der Zusammenhalt im Kollegium. So berichten die meisten Lehrkräfte, die selbst Gewalterfahrung machten, dass sie sich anderen Lehrkräften oder der Schulleitung anvertrauten und sich hier auch gut unterstützt fühlten. An die Schulaufsicht wendeten sich nur 16 Prozent der Angegriffenen, an das Kultusministerium nur 2 Prozent. VBE Bundesvorsitzender Beckmann fordert daher wiederholt und vehement den Schutz der Beschäftigten durch den Dienstherrn ein. Dazu gehört:

  • schnelle und unbürokratische Meldung von Vorfällen,
  • umfangreiche juristische und psychologische Unterstützung nach Angriffen,
  • konkrete Ansprechpersonen im Kultusministerium, insbesondere für Fälle von Gewalt, die von externen Personen begangen wurden,
  • glaubwürdige, transparente und möglichst einheitliche Infektionsschutzmaßnahmen (inzidenzbasierter Stufenplan).

Der Brandbrief unseres Studienseminarsprechers, Johannes Juschzak, zum Notstand an den Studienseminaren in Brandenburg wird seit März durch das MBJS ignoriert. Immer wieder wird eine Antwort versprochen – es wird versichert, dass der Brief gelesen wurde. Dennoch scheint den zukünftigen Lehrkräften des Landes keine Priorität eingeräumt zu werden.

Schließlich hat der BPV die bildungspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Fraktionen im Bildungsausschuss des Landtages auf dieses wichtige Thema aufmerksam gemacht. In der Anhörung am 07.05.2021 wird Johannes Juschzak als geladener Experte die Problemstellungen und Forderungen des BPV erläutern. Seinen Brandbrief finden Sie hier verlinkt:

Die Corona-Pandemie hinterlässt im Bereich Bildung nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern Spuren. Die aktuelle Situation an den Schulen greift auch erheblich in die Ausbildung der zukünftigen Lehrergeneration ein.

Der Brandenburgische Pädagogen-Verband sieht das mit großer Sorge und stellt fest, dass dieses Thema im MBJS völlig aus dem Fokus geraten ist und Probleme der Betroffenen mit Versprechungen und Ankündigungen abgespeist werden.

So wurde in Brandenburg vor einiger Zeit, als einzigem Bundesland, das Referendariat von 18 auf 12 Monate verkürzt, mit der Begründung, dass während des Studiums der Praxisanteil erhöht wird. In Wahrheit ist die praktische Ausbildung jedoch keineswegs derart überdurchschnittlich ausgeprägt.

An diesem Fakt scheitern gerade die Lehramtskandidaten in den Studienseminaren.

Ihre schulpraktischen Erfahrungen fallen durch die Kürzung und die gegenwärtigen Schulschließungen spärlich aus. Das beeinflusst sehr stark die Vorbereitung auf die Staatsexamensprüfungen und ihren Einstieg in die Praxis. Darüber hinaus gibt es in einer Verordnung des Landes Brandenburg widersprüchliche Aussagen zum Ablegen der genannten Prüfungen. Die gesetzlichen Vorgaben lassen Interpretationsspielraum für eine ungleiche Durchführung der Staatsexamina zu.

Das alles verunsichert die Lehramtskandidaten und lässt viele an ihrer Berufswahl zweifeln. Für uns als Gewerkschaft ist diese Situation nicht hinnehmbar, zumal akuter Lehrermangel herrscht und jede gut ausgebildete Lehrkraft dringend im Land Brandenburg gebraucht wird.

Diese Situation stellte Johannes Juschzak, Sprecher der Referendare im Brandenburgischen Pädagogen-Verband, in einem Brandbrief an die Ministerin Frau Ernst ausführlich dar. Seine Sorge ist vor allem darin begründet, dass der Ausbildung der zukünftigen Lehrergeneration zu wenig Bedeutung beigemessen wird. Dies zeigt sich deutlich in der fehlenden Kommunikation von Seiten des MBJS.

Wie soll die Qualität von Bildung in den nächsten Jahren aussehen, wenn wiederholt ganze Jahrgänge zur Schnellbesohlung frei gegeben sind und ihre Sorgen kleingeredet und missachtet werden?

Wann reagieren die Verantwortlichen im MBJS auf die Sorgen der zukünftigen Lehrkräfte, die im Land Brandenburg die Bildung gestalten wollen?

Die Partnerverbände GÖD-aps aus Österreich (Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer) und VBE aus Deutschland (Verband Bildung und Erziehung) fordern den flächendeckenden, bedarfsgerechten Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften.

Paul Kimberger, Bundesvorsitzender der Österreichischen Gewerkschaft, nennt Gründe: „Wir sehen immer mehr Kinder mit chronischen Krankheiten in der Regelschule. Dies zum einen, weil mehr Kinder insgesamt chronisch krank sind oder werden, und zum anderen, weil durch die zunehmende Inklusion immer mehr Kinder mit zum Beispiel körperlichen Beeinträchtigungen an der Regelschule unterrichtet werden. Dies geschieht, ohne dass eine entsprechende medizinische Versorgung vor Ort gesichert ist. Lehrkräfte, die Assistenz bei der Medikamentengabe ausüben, begeben sich teilweise in gefährliche Grauzonen. Zudem übernehmen sie damit weitere Aufgaben, die nicht zum pädagogischen Kerngeschäft gehören. Das alles in einer Situation, die sowieso schon durch stetig steigende Anforderungen gekennzeichnet ist. Deshalb brauchen wir dringend Entlastung durch medizinisch geschultes Personal an Schulen!“

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender der Deutschen Interessenvertretung, sieht weitere Unterstützungsmöglichkeiten: „Schulgesundheitsfachkräfte können zudem in akuten Fällen zur Hilfe gezogen werden und schnell alles Notwendige regeln. Außerdem wären sie gerade in Pandemiezeiten ideale Partner vor Ort: Schnelltests machen, Fieber messen, Präventionsarbeit leisten – all das könnten Aufgaben von Schulgesundheitsfachkräften sein. Leider hat die Politik es in den letzten Jahren versäumt, rechtzeitig zu reagieren. Bereits seit vier Jahren setzt sich der VBE in Deutschland für die Einsetzung ein. Doch die Politik reagiert nicht! Dabei wäre es ein wichtiger Baustein für eine zukunftsfähige Schulinfrastruktur, jetzt die gelungenen Pilotprojekte aus Brandenburg und Hessen flächendeckend in Deutschland und Österreich umzusetzen!“

Die beiden Verbände haben eine gemeinsame Erklärung verfasst, die Sie hier nachlesen können. Hierin betonen sie die positiven Effekte auf die ganze Schulgemeinschaft. So zeigten die Pilotprojekte eine bessere psychische und physische Konstitution aller Beteiligten, ein höheres Gesundheitswissen, auch bei Familienangehörigen, und eine bessere Vernetzung mit weiteren medizinischen Einrichtungen. Zudem können Zuständigkeiten entflechtet und Lehrkräfte spürbar entlastet und somit bei ihrer persönlichen Gesundhaltung unterstützt werden. So kommen Schulgesundheitsfachkräfte auch ihnen zugute.

Der Brandenburgische Pädagogen-Verband begrüßt grundsätzlich die Entscheidung des Bundesministeriums, den Lehrkräften sowie den Erzieherinnen und Erziehern kurzfristig Impftermine anzubieten.

Dabei werden die Lehrkräfte der Grund- und Förderschulen, laut Mitteilung, als Erste berücksichtigt, da die Schulöffnung in diesem Bereich bereits erfolgte.

Diese Entscheidung geht dem BPV aber nicht weit genug.

Die Lehrkräfte der weiterführenden Schulen, die seit Wochen die Abschlussklassen im Präsenzunterricht beschulen, müssen ebenso ein vorzeitiges Angebot zur Impfung erhalten.

Laut Aussage der Ministerin Frau Ernst, sollen die weiterführenden Schulen eventuell noch vor Ostern den Schulbetrieb wieder aufnehmen. Dann ergibt sich auch für die Lehrkräfte dieser Schulen die Notwendigkeit eines Impfangebotes.

Diese Maßnahmen müssen außerdem von Schnelltests für Schüler und Lehrkräfte begleitet werden, um Kontinuität im Schulbetrieb zu erreichen.

HiS ist ein Projekt im Rahmen des Schul-Barometers der Pädagogischen Hochschule Zug (PH Zug) mit folgenden Kooperationspartnern für Deutschland: Allgemeiner Schulleitungsverband Deutschlands e.V. (ASD) und Verband Bildung und Erziehung (VBE) für Österreich: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF),

Zu finden ist HiS unter www.Schul-Barometer.net/HiS

HiS – Herausforderungen in Schule – das ist:

1. Schulleitungsbefragung in Deutschland, Österreich und der Schweiz

– zur Arbeitssituation als Schulleitung und

– zur aktuellen Schulsituation

2. Befragung von Schulkollegien, Eltern und Schülern zur aktuellen Schulsituation und (auf Wunsch) Serviceangebot für die Schule: vertrauliches Feedback zur eigenen Schulsituation im Sinne eines Stimmungsbilds der jeweiligen Schulgemeinschaft durch Mitarbeitende, Schüler*innen, Eltern

Aktuell stehen Schulen wegen COVID-19 vor großen Herausforderungen. COVID-19 führte zu temporären Schulschließungen und dann zu unterschiedlichen Formen und Angeboten der Beschulung. Nach wie vor sind die Schulen mit großen Herausforderungen konfrontiert. HiS erfasst mit einem Kurzfragebogen die Wahrnehmung der aktuellen Schulsituation und die Auswirkungen der Corona-bedingten Krise auf den Schulalltag.

Warum muten wir ihnen mit unserer Einladung, an der Befragung teilzunehmen, eine weitere Belastung zu, bitten sie um Zeit für unsere Befragung? Wir hoffen – und wissen von vielen Gesprächen an Schulen -, dass es Schulgemeinschaften vor Ort, aber auch der Schulaufsicht, -verwaltung und Politik hilft, wenn wir die Ergebnisse

von HiS für das System sichtbar machen und zeigen, mit welchen Herausforderungen Schule aktuell konfrontiert ist.

Eine Teilnahme an der Befragung ist bis 31.03.2021 möglich.

Aufgrund der aktuellen Infektionslage hat die gesamte Gesellschaft konsequent und so schnell wie möglich die Kontakte zu minimieren.
Deshalb ist es geboten, zum Schutz der Kinder, ihrer Familienangehörigen und auch der Lehrerinnen und Lehrer kurzfristig und wirksame Entscheidungen für den Bereich Bildung zu treffen.
Die von Ihnen festgelegten Regelungen für die Woche vom 14. bis 18.12.2020 sind unvertretbar, da die Entscheidungen der Eltern über die Präsenzbeschulung ihres Kindes, den Lockdown nicht konsequent unterstützt.

Der Brandenburgische Pädagogen-Verband fordert in der aktuellen Situation:
– Ab Mittwoch, den 16.12.2020, wird der Präsenzunterricht ausgesetzt. Es findet nur noch häusliches Lernen statt.
– Für die Klassen 1-4 wird eine Notbetreuung organisiert. Die Landesregierung legt fest, welche Personengruppen diese Betreuung für ihre Kinder in Anspruch nehmen können.
– Die Förderschulen entscheiden selbstständig, inwieweit sie ihre Schüler in Präsenz betreuen.
– Klausuren oder Prüfungen werden verschoben. Auch für diese Schüler findet Distanzlernen statt.

Eindeutige Regelungen des MBJS zum aktuellen Schulbetrieb führen zur Entlastung aller Beteiligten.

Ankündigung von Selbst-Schnelltests bei Lehrkräften

„Eines vorweg: Die Schnelltests werden nicht ab morgen flächendeckend zur Verfügung stehen. Die Kommunikation hierzu ist schon wieder ein Paradebeispiel dafür, wie Politik Erwartungen weckt, die von den Schulen nicht eingelöst werden können, weil die notwendigen Ressourcen schlicht nicht vorhanden sind“, kritisiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), den Vorstoß des Gesundheitsministers Jens Spahn. Die Beschaffung bei den Schulen selbst anzusiedeln sei nicht hinnehmbar, so Beckmann: „So wird nur eine weitere Aufgabe für Schulleitungen geschaffen, die so schon alle Hände voll zu tun haben. Ich erinnere an die Ergebnisse unserer repräsentativen forsa-Umfrage aus der letzten Woche, wonach nur noch 3 Prozent der Schulleitungen angeben, alle ihre Aufgaben in der Leitungszeit erledigen zu können.“

Bislang dürfen die Antigen-Schnelltests nur von geschultem Personal durchgeführt werden. Selbst in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, die über medizinisch geschultes Personal verfügen, sind keine Selbsttests vorgesehen. Lehrkräfte sollen nach einer entsprechenden Schulung die Tests selbst durchführen können. Auch entsprechend geschultes Personal könne von den Schulträgern eingesetzt werden. „Das bestätigt uns in unserer Forderung, die wir seit 2017 an die Politik herantragen, nämlich die flächendeckende und bedarfsgerechte Ausstattung der Schulen mit Schulgesundheitsfachkräften. Das sind Personen, die in der Regel in der Krankenpflege ausgebildet sind und eine spezielle Weiterbildung für die Arbeit in der Schule erhalten. Modellprojekte zeigen einen hohen Mehrwert für die ganze Schulfamilie“, erläutert Udo Beckmann.

Es gibt bisher keine Aussagen dazu, ob geplant ist, dass Lehrkräfte Kinder testen sollten. Der VBE Bundesvorsitzende lehnt dies ab: „Die
Schnelltests freiwillig bei sich selbst durchzuführen, ist das eine. Etwas ganz anderes ist es, diese Tests von den Schülerinnen und Schülern zu nehmen. Das darf keine Aufgabe von Lehrkräften werden! Das wird auf unseren massiven Widerstand stoßen.“

„Gerade an diesem Tag sollten sich die Kultusministerinnen und -minister an die eigene Nase fassen und sich fragen, ob sie wirklich alles tun, was notwendig ist, um Menschen mit Behinderungen im Rahmen ihrer Möglichkeiten und ihres gesetzlich verankerten Anspruchs in die
Gesellschaft zu inkludieren. Mit Blick auf die Ergebnisse unserer aktuellen forsa-Umfrage zu Inklusion an Schulen, die wir im November 2020 veröffentlicht haben, kann ich sagen: Nein!“, bemerkt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) anlässlich des „Tags der Menschen mit Behinderungen“ am 3. Dezember 2020.

In der Umfrage wurden aufgezeigt, dass die Schulen ihren Inklusionsauftrag unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht
erfüllen können. Zu allen weiteren Ergebnissen gelangen Sie hier. Um die schulische Inklusion weiter voranzutreiben, braucht es laut VBE:
1) Doppelbesetzung aus Lehrkraft und Sonderpädagoge (momentan sagen dies nur 46 Prozent der Befragten an Schulen mit inklusiven
Lerngruppen),

2) Unterstützung durch multiprofessionelle Teams (momentan: 36 Prozent),

3) schulbauliche Voraussetzungen (16 Prozent aller Befragten geben an, dass ihre Schule vollständig barrierefrei ist),

4) kleinere Klassen (nur 29 Prozent der Schulen verringerten Klassengröße),

5) bessere Vorbereitung durch angemessene Aus-, Fort- und Weiterbildung (das Angebot wird mit der Note 4,3 bewertet).

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 am gestrigen Abend fand um 19:00 Uhr das Fachgespräch der KMK zum Thema Lüften statt, zu dem auch die Vorsitzenden von GEW, BER und VBE unter Bezugnahme auf unser gemeinsames Schreiben an die KMK und die Bundeskanzlerin (Anhang) kurzfristig als Vertreter der Interessengruppen eingeladen wurden.

Teilnehmende waren zudem die 16 Schulminister/innen oder ihre Vertretung, je ein Vertreter des Städte- und Gemeindebunds, des Städtetags, des Landkreistages sowie verschiedene Experten aus dem Bereich der Virologie, des Umweltbundesamtes, des Bereichs Hygiene und des Bereichs Strömungsmechanik.

Kern des Gesprächs mit den Experten aus der Wissenschaft war, die Effektivität des Lüftens zu analysieren und herauszuarbeiten, wie man richtig lüftet. Schnell zeigte sich die Erkenntnis, dass Lüften nur dann etwas bringt, wenn es gelingt, in regelmäßigen Abständen (20 Minuten) durch 3 bis 5-minütiges Querlüften einen möglichst vollständigen Luftaustausch in den Räumlichkeiten zu bewerkstelligen. Hierzu wird kurzfristig unter Beratung der anwesenden Wissenschaftler eine Broschüre vom Umweltbundesamt als Handreichung für die Lehrkräfte erarbeitet.

Über die tatsächliche Effektivität von Lüftung gingen die Meinungen auseinander. Fakt ist: Fenster auf Kippe bringt nichts. Der größte Effekt wird erzielt, wenn die Temperaturunterschiede zwischen Raum- und Außenluft besonders hoch sind. Das bedeutet jedoch, dass Schülerinnen und Schüler im Winter bei offenen Fenstern frieren müssen, um einen großen Luftaustausch zu erreichen.

Auch über die Wirksamkeit von Luftfiltern/Luftreinigern ging die Meinung auseinander. Fakt ist: Eine Wirkung wird nur erzielt, wenn man hochwertige Filter, deren Kosten bei mindestens 3000 € pro Stück liegen, einsetzt.

Zudem wurde mehrmals von zwei Experten betont, dass das Lüften (ob nun manuell oder technisch) nur eine Art der Infektion mildert oder verhindert, nämlich die indirekte über Aerosole. Tatsächlich braucht es weitere Maßnahmen, um die direkte Infektion über Tröpfchen beim Husten o.ä. zu verhindern, bzw. das Risiko der Erkrankung zu minimieren.

 Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass, wenn man die Hinweise der teilnehmenden Experten ehrlich bewertet, man einen hohen Effekt für den Infektionsschutz nur durch Abstand halten erreicht, d.h. kleine Lerngruppen beziehungsweise und/oder die Umsetzung einer Maskenpflicht auch im Unterricht. An dieses Thema will man aber anscheinend zurzeit nicht heran aufgrund der großen Probleme und Widerstände, die damit verbunden sind.

 

Wir haben versucht, die Sichtweise der Praxis einzubringen. Zum Beispiel, was es bedeutet, wenn alle 20 Minuten der Unterricht unterbrochen werden muss und gelüftet werden muss; wie man Schülerinnen und Schülern erklären soll, dass sie im Winter frieren müssen und gleichzeitig gegen den Klimawandel angeheizt wird; wie gutes Lüften bei Fenstern umgesetzt werden soll, die sich nur teilweise oder gar nicht öffnen lassen.

 Meine persönliche Überzeugung nach dem Gespräch ist: Lüften allein wird das Problem bei steigendem Infektionsgeschehen nicht lösen.

 

Viele Grüße

Udo Beckmann

Bundesvorsitzender VBE