Starke Defizite beim Handschreiben: Ausbildung von Lehrkräften stärken

Mehr Kinder und Jugendliche brauchen Hilfe beim Handschreiben. Trotzdem beklagt eine große Mehrheit der Lehrkräfte an Primar- und Sekundarschulen, dass sie in der Lehramtsausbildung nicht ausreichend darauf vorbereitet wird, den Schülerinnen und Schülern bei Schreibschwierigkeiten gezielt Hilfestellung zu geben. Dies ist das Ergebnis des zweiten Teils der STEP-Studie 022 mit dem Schwerpunkt Aus- und Fortbildung von Lehrkräften, die das Schreibmotorik Institut gemeinsam mit dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) durchgeführt hat. Der erste Teil hatte ergeben, dass sich die Probleme von Kindern und Jugendlichen, denen das Schreiben mit der Hand schon vorher schwerfiel, während der Corona-Pandemie noch einmal deutlich verschärft haben – vor allem bei den Jungen.

Neun von zehn Lehrkräften , unabhängig von der Schulform, halten eine Förderung des Handschreibens als kontinuierliche Bildungsaufgabe über alle Klassenstufen hinweg für notwendig. Auch das hat die dritte STEP-Umfrage ergeben. Im Primarbereich wird dabei besonders auf individuelle Förderung gesetzt. Auch im Sekundarbereich halten die Lehrerinnen und Lehrer regelmäßiges Üben für sehr wichtig, obwohl die Lehrpläne dies nicht mehr vorsehen. Neben einem speziellen Schreibmotorik-Training sollte nach Ansicht der Lehrkräfte auch die Feinmotorik der Kinder und Jugendlichen geschult werden.

Mehr als jeder zweite Junge und fast jedes dritte Mädchen hat Probleme beim Schreiben. Schwierigkeiten bei der Schreibstruktur, im Tempo des Handschreibens sowie bei der Leserlichkeit sind die drei Hauptprobleme, die sich nach Angaben der Lehrkräfte durch den pandemiebedingten Distanz- und Wechselunterricht nochmals verstärkt haben. Dies hatte der erste Teil der STEP-Studie ergeben. Ein weiteres, gravierendes Problem: Fast die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe ist nicht mehr in der Lage, länger als eine halbe Stunde beschwerdefrei zu schreiben.

„Dabei hat Handschreiben einen sehr positiven Effekt auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen – auf deren Kreativität, Merkfähigkeit und inhaltliches Verständnis“, betont Marianela Diaz Meyer, Geschäftsführerin des Schreibmotorik Instituts. „Erst mit 15 oder 16 Jahren ist die Automatisierung des Handschreibens abgeschlossen“, sagt die Ergonomie Expertin. Dann müssten sich Schülerinnen und Schüler nicht mehr mit dem Schreibprozess befassen, sondern könnten sich auf Inhalte konzentrieren.

Doch nur eine Minderheit der Lehrkräfte fühlt sich gut genug ausgebildet, um Schülerinnen und Schülern die dringend notwendige Unterstützung beim Schreiben von Hand zu geben. Lediglich ein Drittel der Grundschullehrkräfte gibt an, dass sie in der Ausbildung genügend Wissen über die Vermittlung des Handschreibens erworben haben und nur ein Sechstel über den Umgang mit Problemen dabei. Auch fühlt sich nur jede dritte Lehrkraft der Primarstufe gut darauf vorbereitet, mit den teils nicht unerheblichen Unterschieden bei den Lernständen der Handschreibfähigkeiten der Schüler:innen umzugehen. Deutlich prekärer ist die Situation in der Sekundarstufe: Hier konnte nur eine von 20 Lehrkräften entsprechende Kenntnisse erwerben.

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Bildungsverbandes VBE, sieht bei diesen Missständen die Politik in der Verantwortung: „Schulen haben schon vor der Corona-Pandemie unter einem massiven, ständig wachsenden Lehrkräftemangel gelitten. Individuelle Förderung, wie sie auch für das Erlernen einer flüssigen und sicheren Handschrift notwendig ist, ist derzeit angesichts der vielen Herausforderungen immer seltener umsetzbar. Und dieser Negativtrend wird sich ungebremst fortsetzen, wenn die politisch Verantwortlichen nicht sofort gegensteuern. Auch in der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften sowie bei der Verankerung des Themas in den Lehrplänen.“

Diaz Meyer hält eine gute, sichere Handschrift für essenziell: „Wer nicht flüssig und in einer gewissen Geschwindigkeit schreiben kann, kann dem Unterricht oft nicht mehr richtig folgen“ Das bestätigt auch der VBE-Vorsitzende Beckmann: „Das Schreiben mit der Hand und die damit verbundenen Vorteile für das Lernen insgesamt sind für die gesamte Bildungsbiografie von großer Bedeutung ist. Jeder weiß, was ich mir per Hand notiere, merke ich mir viel leichter. Es geht um die Sicherung von Kompetenzen, die auch im digitalen Zeitalter unverzichtbar sind.“

In der Schule genüge pro Woche bereits eine Stunde schreibmotorische Förderung für eine Reihe positiver Effekte, erklärt die Geschäftsführerin des Schreibmotorik Instituts. Sie hält dabei eine fächerübergreifende Arbeit für sinnvoll. Die Ergebnisse seien beeindruckend, die Zeit gut investiert: Eine flüssigere Handschrift der Kinder und Jugendlichen lasse einen größeren Fokus auf die Inhalte des Unterrichts zu.

Laut der STEP-Umfrage erwarben fast ebenso viele Lehrkräfte ihr Wissen rund ums Handschreiben durch Fortbildungen wie durch die Ausbildung. „Unsere Fortbildungen zeigen, dass es eine große Nachfrage nach dem Know-how des Schreibmotorik Instituts gibt“, so Diaz Meyer. „Die von uns in Forschungsprojekten erarbeiteten Unterrichtsmaterialien werden von Pädagoginnen und Pädagogen sehr gut angenommen.“ Das Schreibmotorik Institut stellt zudem Lehrkräften wie auch Eltern Übungen und Lernvideos zur Verfügung. Diese wurden bereits von der Europäischen Union ausgezeichnet. https://www.hs-tutorials.eu/

VBE Vertreterin als stellvertretende Vorsitzende des dbb gewählt

Der dbb-Vorsitzende Ulrich Silberbach steht der bundesweiten Gewerkschaft für den öffentlichen Dienst weitere fünf Jahre vor, er erhielt 404 von 624 Stimmen. Silberbach steht seit 2017 an der Spitze des dbb, der rund 1,3 Millionen Mitglieder zählt.

Simone Fleischmann, stellvertretende Bundesvorsitzende des BPV-Dachverbands VBE (Verband Bildung und Erziehung), wurde auf dem Gewerkschaftstag in Berlin mit 446 Stimmen zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt. „Ich freue mich, auch bundesweit für die wertvolle Arbeit der Beamtinnen und Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst einzutreten, die größte Wertschätzung und Respekt verdient“, formulierte Fleischmann ihr Anliegen im neuen Amt.

Bundeskanzler Olaf Scholz: „Staat machen Sie, und das sehr gut!“

Der wiedergewählte dbb-Chef Ulrich Silberbach sagte nach seiner Wahl: „Die einzig wahre Spitzenorganisation des öffentlichen Dienstes wird die Verantwortlichen in der Politik daran messen, welche Anstrengungen und Investitionen sie für jene auf den Weg bringen, die dafür sorgen, dass dieses Land funktioniert – Beamtinnen wie Beamte und Tarifbeschäftigte!“ Der öffentliche Dienst sei enorm wichtig für wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Diesen Wert müssen wir erhalten, und dafür werde ich gemeinsam mit den 1,3 Millionen Kolleginnen und Kollegen im dbb weiter leidenschaftlich kämpfen“, sagte Silberbach.

Dem stimmte auch der Bundeskanzler zu: „Deutschland braucht einen starken öffentlichen Dienst – gerade jetzt in diesen Krisenzeiten“, sagte Olaf Scholz auf dem dbb Gewerkschaftstag. Er dankte den Beschäftigen im öffentlichen Dienst: „Sie sind die Gestalter der Zeitenwende. Staat machen Sie, und das sehr gut. Und dafür danke ich Ihnen von ganzem Herzen.“

Menschen für Menschen

Zum Kampf gegen den Personalmangel betonte der Bundeskanzler: „Die geschaffenen Stellen müssen jetzt auch mit guten Köpfen besetzt werden.“ Dazu gehörten wettbewerbsfähige Bezahlung und attraktive Arbeitsbedingungen wie moderne digitale Abläufe, Homeoffice, Qualifizierungs- und Aufstiegsperspektiven.

Der dbb-Vorsitzende Ulrich Silberbach schloss seine Grundsatzrede mit den Worten: „Die Kolleginnen und Kollegen sorgen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche dafür, dass dieses Land funktioniert. Mit Einsatz und Leidenschaft. Mir macht das Hoffnung. Denn das ist es, was den öffentlichen Dienst ausmacht: Menschen im Dienst der Menschen!“

Hintergrund

Der dbb Gewerkschaftstag mit insgesamt rund 900 Delegierten ist das höchste Beschlussgremium des gewerkschaftlichen Dachverbands dbb beamtenbund und tarifunion, in dem mehr als 1,3 Millionen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes und der privatisierten Bereiche – Beamtinnen, Beamte und Arbeitnehmende – in 41 Fachgewerkschaften und 16 Landesbünden organisiert sind. Der Gewerkschaftstag tritt alle fünf Jahre zusammen, wählt die neue dbb Bundesleitung und beschließt die künftigen Leitlinien für die politische Arbeit. In diesem Jahr tagt das Gremium vom 27. – 30. November 2022 in Berlin.

Gewalt gegen Lehrkräfte auf einem besorgniserregendem Niveau

Bereits seit 2016 lässt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Schulleitungen in regelmäßigen Abständen danach befragen, wie zufrieden sie mit ihrem Job sind und veröffentlicht die Ergebnisse anlässlich der Eröffnung des Deutschen Schulleitungskongresses (DSLK) in Düsseldorf. Auch in diesem Jahr führte das Meinungsforschungsinstitut forsa eine repräsentative Umfrage unter mehr als 1.300 Schulleitungen durch. Die nunmehr sechste Berufszufriedenheitsumfrage unter Schulleitungen legte ein besonderes Augenmerk auf das Thema „Gewalt gegen Lehrkräfte“.

„Die Ergebnisse zum Thema ‚Gewalt gegen Lehrkräfte‘ sind bedrückend. Fakt ist: Gewalt gegen Lehrkräfte und Schulleitungen ist an der Tagesordnung und wird seit dem Beginn der Coronapandemie zu einem immer größeren Problem in den Schulen. Darüber hinaus sehen wir einen dramatischen Rückgang der Berufszufriedenheit von Schulleitungen“, fasst Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), die heute veröffentlichten Ergebnisse zusammen.

Die Ergebnisse der Studie offenbaren, dass sich die Zahl der Schulen, an denen es in den letzten fünf Jahren Gewalt gegen das pädagogische Personal gab, auf einem hohen Niveau eingepegelt hat. So meldeten fast zwei Drittel der befragten Schulleitungen zurück, dass es innerhalb der letzten fünf Jahre Fälle psychischer Gewalt, beispielsweise in Form von Beleidigungen, Bedrohungen oder Belästigungen an ihrer Schule gegeben hätte. Gut ein Drittel der Schulleitungen weiß, dass Lehrkräfte Opfer von Cyber-Mobbing wurden. Besonders erschreckend: In einem weiteren Drittel der Schulen kam es in den letzten fünf Jahren zu gewalttätigen körperlichen Angriffen auf Lehrkräfte oder Schulleitungen. Für Udo Beckmann ist dieser Befund ein Skandal: „Rechnet man die Prozentangaben auf die Grundgesamtheit der allgemeinbildenden Schulen hoch, bedeutet das, dass es in den letzten fünf Jahren an fast 20.000 Schulen zu psychischer und an jeweils gut 10.000 Schulen zu Cyber-Mobbing oder körperlicher Gewalt kam. Dieser Zustand ist unhaltbar. Der Schutz der Lehrkräfte muss dringend auf die politische Agenda.“

Dabei gibt es teils deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Schulformen. So kam es beispielsweise an drei von vier Förder- und Sonderschulen, also mehr als doppelt so häufig wie im Durchschnitt, zu Fällen direkter physischer Gewalt, wohingegen dies lediglich sechs Prozent der Schulleitungen an Gymnasien feststellten. Im Gegensatz dazu kam es an Förder- und Sonderschulen seltener zu Fällen von Cyber-Mobbing (13 Prozent) als dies beispielsweise an Haupt-, Real- und Gesamtschulen (55 Prozent) oder Gymnasien (45 Prozent) der Fall war.

Hierzu Beckmann: „Auch wenn die unterschiedlichen Schulformen mit ebenso unterschiedlichen Ausprägungen von Gewalt zu kämpfen haben, steht fest: Jeder Form von Gewalt gilt es Einhalt zu gebieten, und jeder einzelne Vorfall ist einer zu viel. Die Politik muss Schulen massiv unterstützen, damit sie schnellstmöglich zu einem weitgehend gewaltfreien Raum werden!“

Es kommt erschwerend hinzu, dass fast die Hälfte der Befragten angab, dass die Anzahl der Fälle seit Beginn der Pandemie zugenommen habe. 40 Prozent sahen sogar eine starke Zunahme von Gewalt an ihrer Schule. Bei den Täter:innen handelt es sich unabhängig von der Art der Übergriffe und dem Anlass in einem übergroßen Teil der Fälle um Eltern und Schüler:innen. Aber auch Erwachsene, die ansonsten in keiner Verbindung zur Schule stehen, wurden im Kontext der Pandemie zu Täter:innen.

Auf die Frage, ob es in den allermeisten Fällen gelungen sei, betroffene Kolleg:innen ausreichend zu unterstützen, antwortete mehr als ein Drittel der Schulleitungen, dass Fälle von Gewalt nur zum Teil oder gar nicht aufgefangen werden konnten. In den meisten Fällen lag dies daran, dass Eltern (78 Prozent) und Schüler:innen (75 Prozent) nicht kooperationswillig und/oder nicht einsichtig waren. Aber auch der bürokratische Aufwand der Meldung von Gewaltvorfällen (57 Prozent) und die Überlastung durch die Fülle an anderen Aufgaben (55 Prozent) wurden vielfach als Hinderungsgründe ins Feld geführt. Die Tatsache, dass 34 bzw. 30 Prozent der Schulleitungen angaben, dass das Schulministerium oder die Schulverwaltung sich des Themas nicht ausreichend annehmen würden und 19 Prozent zurückmeldeten, dass die Meldung von Vorfällen von den Schulbehörden nicht gewünscht sei, kommentiert Beckmann wie folgt: „Wenn Gewaltvorfälle vom Dienstherren ignoriert werden oder die Meldung von den Schulbehörden nicht gewünscht ist, ist das schlichtweg ein Skandal. Es gehört zur Fürsorgepflicht des Dienstherren, dass er seine Beschäftigten schützt und derartigen Meldungen nachgeht. Das Mindeste, was Lehrkräfte an dieser Stelle erwarten können, ist, dass sie ihrer Arbeit unbehelligt nachgehen und unversehrt wieder nach Hause gehen können. Wenn Vorgesetzte sich der Gewalt gegen Lehrkräfte nicht ausreichend annehmen, ist das in meinen Augen schlichtweg ein Dienstvergehen.“

Die diesjährigen Antworten auf die in der Befragung jährlich wiederkehrenden Fragen zur Berufszufriedenheit bilden die steigende Belastung, denen Schulleitungen und Lehrkräfte ausgesetzt sind, ab. Bei den größten Problemen an der Schule, beispielsweise dem Lehrkräftemangel (69 Prozent) und der daraus resultierenden Arbeitsbelastung und Zeitmangel (34 Prozent) spitzt sich die Lage seit Jahren zu. Diese Tendenz zeichnet sich ebenfalls bei den größten Belastungsfaktoren von Schulleitungen ab. Ein stetig wachsendes Aufgabenspektrum, steigender Verwaltungsaufwand, zu wenig Zeit, die Überlastung des Kollegiums, der Lehrkräftemangel und der Umstand, dass die Politik die Realität im Schulalltag nicht ausreichend beachtet, werden allesamt von mehr als 90 Prozent der Schulleitungen als starker oder sehr starker Belastungsfaktor benannt.

Die Konsequenzen: Die Anzahl der Schulleitungen, die ihre beruflichen Aufgaben nur gelegentlich oder nie zur eigenen Zufriedenheit erfüllen können, hat sich innerhalb der letzten vier Jahre auf fast 40 Prozent der Befragten mehr als verdoppelt. Ebenso üben Schulleitungen ihren Job immer weniger gerne aus. Hat 2019 noch ein überwältigender Anteil von 96 Prozent eher oder sehr gern eine Schule geleitet, sind es heute nur noch 79 Prozent. Die Anzahl derjenigen, die ihren Job eher oder sehr ungern ausüben hingegen hat sich im selben Zeitraum verfünffacht.

Auch zu der Frage, was Schulleitungen benötigen, um ihrem Job besser nachkommen zu können, haben sie Auskunft gegeben. Die Forderungen sind:

Mehr Anrechnungsstunden für das Kollegium zur Erfüllung besonderer Aufgaben (97 Prozent),
Erhöhung der Leitungszeit an allen Schulen (94 Prozent),
mehr Unterstützung durch andere pädagogische Fachkräfte, Stichwort: Multiprofessionelle Teams (94 Prozent),
bessere Ausstattung mit nicht-pädagogischem Personal, wie beispielsweise Hausmeister:innen oder Sekretär:innen (89 Prozent ) und
Einrichtung oder Beibehaltung einer erweiterten Schulleitung für alle Schulen (88 Prozent).
Udo Beckmann fasst zusammen: „Ohne Schulleitungen, die ihrem Job gerne nachgehen und denen im Schulalltag genug zeitliche Ressourcen zur Verfügung stehen, kann Schule nicht funktionieren und sie kann sich schon gar nicht weiterentwickeln. Angesichts der Bedingungen, unter denen Schulleitungen heute arbeiten müssen, ist es wenig verwunderlich, wenn die Hälfte der Befragten zurückmeldet, dass sie den Beruf der Schulleitung wahrscheinlich nicht oder auf gar keinen Fall weiterempfehlen würden. Schließlich besteht ihre Hauptaufgabe zunehmend darin, den Mangel zu verwalten, anstatt ihrer eigentlichen Aufgabe, die Schul- und Unterrichtsentwicklung voranzutreiben, nachgehen zu können. Politik muss Schulleitungen und Lehrkräften endlich die Rahmenbedingungen liefern, die sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben brauchen. Völlig zurecht bewerten die Schulleitungen die Schulpolitik in ihrem Land mit 4,3 – Versetzung gefährdet.“

Florence Fischer, Mitglied der Geschäftsführung bei Fleet Education Events, betonte: „Wir sehen, welche Lücke es in Punkto Fortbildungen immer noch gibt. Wenn über die Hälfte (57 Prozent) der Schulleitungen insgesamt und sogar fast zwei Drittel (63 Prozent) der unter 40-Jährigen angeben, dass sie den Ausbau der Fort- und Weiterbildungen als hilfreich oder sehr hilfreich ansehen, um ihre Aufgaben besser erfüllen zu können, zeigt uns das: Wir liegen mit dem Angebot des DSLK richtig. Das bestätigt auch das Feedback, das wir von den Teilnehmenden vergangener DSLKs erhalten haben. 88 Prozent der Teilnehmenden aus 2021 empfehlen den DSLK weiter. Das ist für uns Ansporn, unser Angebot fortlaufend zu evaluieren, weiterzuentwickeln und die Balance zu wahren zwischen Angeboten für Schulleitungen, die frisch im Amt sind oder dieses Amt anstreben und denen, die schon eine längere Berufserfahrung haben.“

Bildungspolitische Veranstaltung des BPV mit Ministerin Ernst, dem Bundesvorsitzenden des VBE und einer anregenden Podiumsdiskussion

Thema: Wie kann sich die Qualität von Schule in Brandenburg entwickeln?

Im Vorfeld des 11. Landesverbandstages hat der BPV zu einer öffentlichen Veranstaltung eingeladen, der mehr als 100 Interessenten und Interessentinnen folgten.

In einer Podiumsdiskussion diskutierten u.a. Abgeordnete des Landtages diese Frage und Ministerin Ernst sprach in ihrer Rede an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowohl zur aktuellen Situation als auch zu Perspektiven im Bildungsbereich. Sie stellte dabei die noch coronabedingten Maßnahmen als auch den Lehrkräftemangel in den Mittelpunkt. Da die Qualitätsentwicklung von Schule von vielen Faktoren abhängig ist, spielten in ihren Ausführungen neben finanziellen Fakten auch die Qualität von Kita, multiprofessionelle Teams, Lehreraus- und fortbildung und die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und Verbänden eine Rolle.

Zum Abschluss der Veranstaltung stellte Udo Beckmann als Bundesvorsitzender des VBE, in seinen Worten einige Positionen der Ministerin auf den Prüfstand und analysierte die bundesweite Entwicklung im Bereich Bildung. Er prangerte an, dass es trotz der alarmierenden Situation im Bildungsbereich nicht dazu führt, dass Bildung in den Bundesländern oder im Bund zur Chefsache wird. Die aktuelle Situation basiert auf Versäumnissen der letzten 20 Jahre. Die Haltung der Politik war und ist, dass es die Schulen schon irgendwie richten werden und die Lehrkräfte dabei gnadenlos ausgenutzt werden. Schulen sind nur noch Mangelverwaltungen!

Er forderte Verbesserung der Studienbedingungen für zukünftige Lehrkräfte und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für alle im System Schule Tätigen.

Welche Bedingungen braucht Schule im Land Brandenburg, um sich qualitativ weiter zu entwickeln?

In der Diskussionsrunde auf dem Podium stellten sich den Fragen:

Katja Poschmann, bildungspolitische Sprecherin und stellv. Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag BB

Petra Budke, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Landtag BB

Gordon Hoffmann, bildungspolitischer Sprecher und Generalsekretär der CDU Brandenburg

Kathrin Dannenberg, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Landtag BB

Noosha Aubel, Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport in Potsdam

Prof. Dr. Karin Salzberg-Ludwig, bis 2021 Dozentin für Inklusionspädagogik an der Uni Potsdam

In der Diskussion spielten Themen wie multiprofessionelle Teams, Lehrerbildung und Stärkung der Profession Lehrer eine Rolle. Frau Prof. Dr. Salzberg-Ludwig sprach sehr deutlich die Notwendigkeiten an, die realisiert werden müssen, um Bildung wieder auf einen guten Weg zu bringen. Die Diskussion zeigte aber auch, dass die Ideen der Bildungspolitiker und deren Umsetzung noch vor vielen Hürden stehen. Mut machte vor allem die Sichtweise der Kommunalpolitikerin Frau Aubel aus Potsdam. Wir hoffen, dass es ihr gelingt ihre mutigen Ideen in die Tat umzusetzen.

Nach Ende der Podiumsrunde nutzten viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Gelegenheit mit den Gästen ins Gespräch zu kommen.

Schülerzahlprognose: Handlungsdruck steigt weiter

Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, kommentiert die Veröffentlichung der Vorausberechnung seitens der Kultusministerkonferenz (KMK):

„Mit der neuen Prognose bestätigt die KMK die Berechnungsgrundlage, auf der Professor Klaus Klemm im Auftrag des VBE, bereits im Frühjahr den zu erwartenden Lehrkräftemangel für das Jahr 2035 berechnet hat. Demnach werden dem Bildungssystem im Jahr 2035 knapp 160.000 Lehrkräfte fehlen, wenn die bereits beschlossenen pädagogischen Reformmaßnahmen Ganztag, Inklusion und Unterstützung von Kindern in herausfordernden sozialen Lagen umgesetzt werden. Die bereits zu Beginn dieses Schuljahres sichtbare personelle Unterversorgung der Schulen in einem bisher nicht gekannten Ausmaß und der durch die KMK bestätigte Schüler:innenzuwachs zeigt den Ernst der Lage und dass die Zeit des Schönrechnens nun endgültig vorbei ist. Die Politik ist jetzt in der Pflicht, schnellstmöglich geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die erwartbare Lücke zu schließen. Hierzu gehören u. a. langfristige Maßnahmen, wie eine bundesweite Fachkräfteoffensive bei gleichzeitiger Erhöhung der Studienkapazitäten und Verbesserung der Studienbedingungen zur Reduzierung der Abbruchquoten. Ebenso muss eine kurzfristige Entlastung der im System befindlichen Lehrkräfte, beispielsweise durch den Einsatz multiprofessioneller Teams erfolgen. Andernfalls wird aus dem angekündigten Jahrzehnt der Bildungschancen ein Jahrzehnt der Notversorgung.“

Schuljahresstart mit erheblichen Defiziten: Der Brandenburgische Pädagogen-Verband fordert die Landesregierung auf endlich zu handeln!

Das Schuljahr 2022/2023 ist ca. 3 Wochen alt und die personelle Mangelwirtschaft bringt Schulleitungen, Lehrkräfte und auch Eltern zur Verzweiflung! Aber im politischen Raum gibt es keine grundlegenden Konzepte und Pläne die offensichtlichen Probleme im Bereich Bildung langfristig anzugehen!

In Vorbereitung des Schuljahres 2022/2023 war sowohl im MBJS als auch in den Schulämtern klar, dass die zur Verfügung stehende Anzahl von ausgebildeten Lehrkräften den Bedarf bei Weitem nicht decken werden. Das zeigt sich nicht nur an der höheren Einstellungsquote der Seiteneinsteiger, die sich inzwischen auf die 50-%-Marke zubewegt, sondern auch an den Maßnahmen, die bereits zum Schuljahresende im Juni 2022 getroffen wurden. Die Schulämter wurden durch das MBJS aufgefordert, in den Schulen zahlreiche Stellen in der Ganztagsbetreuung und im Gemeinsamen Lernen einzusparen.

Trotz dieser Maßnahmen, die bereits den Schulbetrieb erheblich beeinträchtigen und zu zusätzlichen Belastungen sowohl für Lehrkräfte als auch für die Schülerinnen und Schüler führen, sind im Land Brandenburg, entgegen der Aussagen der Ministerin Ernst, am Schuljahresbeginn, nicht genügend Lehrkräfte eingestellt worden. Ca. 200 vollzeitbeschäftigte Lehrkräfte fehlten zum Schulstart. Das führt zur Erhöhung der Schülerzahlen in den einzelnen Klassen, zu Streichungen in der Stundentafel, zu Unterrichtsausfall, Wegfall von Fördermaßnahmen und zur Einschränkung der Ganztagsbetreuung.

Bei diesen Berechnungen ist noch nicht erfasst, dass es keine Vertretungsmöglichkeiten für krankheitsbedingten Ausfall von Lehrkräften gibt.

Ein weiteres Problem ist der relativ hohe Altersdurchschnitt beim Lehrpersonal. Halbjährlich scheiden so zusätzlich Lehrkräfte altersbedingt aus, die ebenfalls kompensiert werden müssen.

Dieser eklatante Lehrkräftemangel ist seit Jahren im MBJS bekannt, führte aber nicht dazu, dass rechtzeitig bedarfsgerecht Lehrkräfte ausgebildet und eingestellt wurden und werden.

Um diese Situation, die uns bis Mitte der 30er-Jahre erhalten bleiben wird und so in Studien von Prof. Klemm und der KMK nachgewiesen wurde, zu beheben, bedarf es umgehend der Koordinierung verschiedener politischer Bereiche wie Bildung, Wissenschaft, Soziales, Gesundheit und Kommunales im Land Brandenburg.

Der Brandenburgische Pädagogen-Verband fordert hiermit die Landesregierung und das Parlament auf, endlich grundlegend das Problem des Personalmangels und der Qualitätssicherung im Bereich Bildung anzugehen, klare Konzepte zu entwickeln und langfristig wirksam zu handeln!

Wie sollen die nächsten Schülergenerationen echte Bildungschancen im Land Brandenburg haben?

Bildung muss Landessache sein!

Eine gefährliche Entwicklung: Schulen und Kitas sind keine Verschiebebahnhöfe für politische Verantwortung

Die ersten Bundesländer kehren aus den Sommerferien zurück. Die Krisen, die unser Leben kennzeichnen, treffen auf Kitas und Schulen am Limit. Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sieht im Zusammenwirken dessen, was aktuell politisch passiert oder eben gerade nicht passiert, um Kitas und Schulen bei der Bewältigung der riesigen Herausforderungen zu unterstützen, vielfach ein Agieren fernab der Lebensrealität an den Bildungseinrichtungen. Er warnt vor einer gefährlichen Zuspitzung der Lage.

Die Politik spielt mit dem Feuer, löschen soll es das Personal an Kitas und Schulen

„Das, was in verschiedenen Bundesländern gerade in Summe an kurzsichtigen, die jahrelangen fundamentalen politischen Versäumnisse kaschierenden Maßnahmen zur ‚Bewältigung‘ der Krisen und deren Auswirkungen auf Schule und Kita verhandelt wird, ist zum einen gefährlich, zum anderen wenig zielführend. Die Politik verschiebt teilweise unter dem Deckmantel erweiterter Entscheidungsbefugnisse Verantwortung auf die Schultern des pädagogischen Fachpersonals und der Leitungen an Bildungseinrichtungen, die das weder zu verantworten haben noch lösen können. Das trägt (weiteres) enormes Konfliktpotenzial in Kitas und Schulen hinein und das geht auf Dauer nicht (gut)!“, kommentiert Beckmann. „Was gerade politisch angedacht und teils beschlossen ist, hat in der Summe gravierende Folgen. Es darf nicht die Aufgabe des pädagogischen Fachpersonals und der Leitungen vor Ort sein, frustrierten Eltern und Schüler:innen immer weitere Einschränkungen erklären zu müssen. Bereits im Mai 2021 hat eine repräsentative Umfrage von forsa im Auftrag des VBE gezeigt, dass es an jeder vierten Schule psychische Gewalt gegen Lehrkräfte gab, die im Zusammenhang mit der Umsetzung von Corona-Schutzmaßnahmen standen. Und ohne diese Herausforderungen relativieren zu wollen, ganz im Gegenteil: Aber da ging es noch ‚nur‘ um Corona“, so Beckmann weiter.

Die Liste an Beispielen für fatale politische Entscheidungen und Fehlentwicklungen ist lang, der Bundesvorsitzende nennt einige: „Fakt ist: (Nicht nur) pandemiebedingt haben kognitive und psychosoziale Defizite bei Kindern und Jugendlichen zugenommen. Es ist Konsens, dass nur eine entsprechende Förderung dabei unterstützen kann, um das aufzuholen, damit die Bildungsungerechtigkeit in unserem Land nicht noch weiter zunimmt. Wohlgeformte Worte von Politiker:innen in diese Richtung hört man viele. Realität aber ist: Aufgrund des eklatanten Fachkräftemangels an Kita und Schule, vor allem hervorgerufen durch politische Versäumnisse weit vor Corona, werden Förderangebote zusammengestrichen, Lerngruppen vergrößert, Stundentafeln gekürzt und der Unterrichtsausfall nimmt zu. Selbst die Streichung von ganzen Schultagen, Stichwort ‚Vier-Tage-Woche‘, wird offen in Erwägung gezogen.

Das Ganze wird gerne garniert mit weiteren Zusatzaufträgen für das pädagogische Fachpersonal, welches ohnehin schon überlastet ist: Es soll auf COVID-19 testen oder, wenn Stufenpläne fehlen, die sich an klaren Kriterien orientieren, entscheiden, wer wann getestet werden muss und welche Konsequenzen sich daraus ergeben: Konflikte vorprogrammiert! Es soll die mittlerweile über 150.000 Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine an Schule und weitere Tausende an Kitas integrieren, in dem Wissen, dass nicht einmal eine von zehn Schulen auf Übersetzer:innen oder Lehrkräfte aus der Ukraine zurückgreifen kann. Es soll vor dem Hintergrund der Klimakrise Energie sparen in vielfach maroden und energieineffizienten Gebäuden, die vor allem im Schulbereich über Jahre kaputtgespart wurden, wie uns ein Investitionsstau von annähernd 50 Milliarden Euro – berechnet durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau – vor Augen führt. Es soll bereit sein für digitalen Unterricht, vielfach allerdings ohne Rechtssicherheit dazu, was rechtens ist, ohne flächendeckendes WLAN usw.

Dahinter steckt das immer gleiche Muster der politisch Verantwortlichen, nur eben in unterschiedlichem Gewand: Kürzen, schönrechnen, verschieben, verstecken und daraufsetzen, dass die Beschäftigten an Kita und Schule es schon lösen werden. Das Ganze wird zudem gerne damit legitimiert, dass wir alle ja den Gürtel enger schnallen müssen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Wenn man keine Luft zum Atmen mehr hat, wie es an Kitas und Schulen viel zu häufig bereits der Fall ist, kann man nichts mehr enger schnallen!“, so Beckmann.

Es passiert das Gegenteil von dem, was es für mehr Bildungsgerechtigkeit und -qualität braucht

„Anstatt vor dem Hintergrund all dessen zu sagen, ‚Wir haben es verbockt! Wir haben nicht rechtzeitig und konsequent gegensteuert, deshalb ist es jetzt unsere Verpflichtung, alles Notwendige zu tun, was es an wirklich nachhaltigen und wirksamen Maßnahmen braucht, damit das Ganze nicht endgültig gegen die Wand fährt‘, findet die Politik auf der Suche nach Antworten allein die bereits vielfach ausgeschöpften (Alibi-)Antworten. Wohl wissend, dass Maßnahmen wie die Reaktivierung von Pensionär:innen oder die Gewinnung von Seiteneinsteigenden weitestgehend erschöpft sind. Die Folgen von alledem: Noch mehr Mangel auf Kosten der Qualität, auf Kosten der Kinder, Jugendlichen und der pädagogischen Fachkräfte. Wenn dann noch Programme, die sich als äußert erfolgreich und immens wichtig etabliert haben, wie das Förderprogramm zur alltagsintegrierten Sprachbildung und Partizipation an Kitas kurzerhand gestrichen werden, wie von der Bundesregierung kürzlich verkündet, bleibt nur noch Fassungslosigkeit“, resümiert Beckmann.

Abschließend formuliert der VBE Bundesvorsitzende: „Die Krone setzt dem Ganzen die Bundesbildungsministerin auf, wenn sie sagt, sie sei zuversichtlich, dass es im Schuljahr 2022/2023 wieder einen ‚normalen Schulalltag‘ geben kann. Das ist nicht nur Augenwischerei, das ist auch brandgefährlich, denn hier wird als ‚normal‘ verkauft, was schon lange nicht mehr normal, sondern Mangelverwaltung ist. Die Ampel steht bereits auf Dunkelrot. Wenn es die Politik ernst meint mit dem Jahrzehnt der Bildungschancen, wie es im Koalitionsvertrag der Bundesregierung proklamiert steht, braucht es mehr, viel mehr! Statt Schönfärberei braucht es deutlich mehr Geld, deutlich mehr Anstrengungen und eine bundesweite Fachkräfteoffensive im gesamten Bildungsbereich! Andernfalls verstärken wir den Teufelskreis, weil junge Menschen, die sich für das Berufsfeld interessieren, ob der Rahmenbedingungen abgeschreckt werden und sich der Personalmangel weiter manifestiert. Dass wir uns das nicht einmal ansatzweise leisten könnten, hat eine im Frühjahr 2022 vom VBE beim Bildungsforscher Prof. Klemm in Auftrag gegebene Untersuchung nochmals mehr als deutlich gemacht: Im Jahr 2035 fehlen bis zu 158.000 Lehrkräfte! Ein Vielfaches von dem, was die Kultusministerkonferenz auf Basis unseriöser Berechnungen der Länder zuvor hat verlautbaren lassen. Wenn es eine wirkliche Trendwende geben soll, dann muss der Fachkräftemangel an Kita und Schule von den Ländern ohne Wenn und Aber endlich zur Chefsache gemacht werden!“

Vertrauen in den Staat auf historischem Tiefstand

dbb Bürgerbefragung 2022

Schonungslos haben die letzten Jahre gezeigt, dass der öffentliche Dienst nicht krisenfest aufgestellt ist. Die Folge: Nie war das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat geringer.

Laut der dbb Bürgerbefragung 2022 sind nur noch 29 Prozent der Befragten der Meinung, der Staat sei handlungsfähig und könne seine Aufgaben erfüllen. Zwei Drittel (66 Prozent) glauben das nicht. „Der Trend war bereits letztes Jahr zu erkennen, jetzt ist das Kind endgültig in den Brunnen gefallen. Klima, Krieg, Corona, Kostenexplosion: Egal in welchem Lebensbereich eine Krise auftritt, der Staat präsentiert sich schlecht vorbereitet. Jetzt zahlt die Gesellschaft den Preis dafür, dass wir bei der Politik um jeden Euro und jede Stelle für den öffentlichen Dienst feilschen müssen. Wir haben leider nur noch eine Schönwetter-Daseinsvorsorge. Das ist die traurige Wahrheit und die Menschen erleben das jeden Tag“, sagte der dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach am 1. September 2022 bei der Vorstellung der Umfrage-Ergebnisse, die das Meinungsforschungsinstitut forsa erhoben hat.

„Einmal mehr zeigen die Zahlen aber auch, dass die Bürgerinnen und Bürger grundsätzlich zwischen ausbleibender beziehungsweise schlechter politischer Führung auf der einen Seite und engagierten Menschen im öffentlichen Dienst auf der anderen Seite unterscheiden“, erklärte Silberbach. So seien unter den beliebtesten Berufsgruppen ganz überwiegend Jobs aus der Daseinsvorsorge vertreten. Die Top 5 belegen beispielsweise Feuerwehrleute, Krankenpflegepersonal, Ärztinnen und Ärzte, Altenpflegepersonal sowie Polizeikräfte. „Wer einen konkreten Dienst für die Gesellschaft erbringt, erfährt von seinen Mitmenschen dafür in der Regel Wertschätzung – oft mehr als vom Arbeitgeber oder Dienstherrn“, so der dbb Chef. Auch das Profil der Beamtinnen und Beamten ganz allgemein werde zwar von der Vertrauenskrise in den Staat negativ beeinflusst, bleibe dabei aber auf einem erfreulich hohen Niveau: Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland verbindet mit dem Berufsbeamtentum weiterhin Eigenschaften wie „pflichtbewusst“, „verantwortungsbewusst“, „zuverlässig“ und „rechtschaffen“.

„Gerade die Bundespolitik sollte außerdem zur Kenntnis nehmen, dass die Bürgerinnen und Bürger sehr genau um die Bedeutung eines funktionierenden gesellschaftlichen Miteinanders und von leistungsfähigen öffentlichen Einrichtungen wissen. Die sind ihnen – anders, als es oft unterstellt wird –  oft sogar wichtiger als der eigenen Geldbeutel“, stellte der dbb Bundesvorsitzende heraus. So stünden bei den wichtigsten Staatsaufgaben neben der allgemeinen „Aufrechterhaltung der sozialen Gerechtigkeit“ auch der Klimaschutz, die Infrastruktur und die Modernisierung des öffentlichen Dienstes ganz oben. Erst dann folge die „Entlastung der Bürger aufgrund der gestiegenen Preise“. Silberbach: „Das zeigt deutlich: Ohne einen starken öffentlichen Dienst und eine krisenfeste Daseinsvorsorge wird der der Staat das Vertrauen der Bevölkerung nicht zurückgewinnen können.“

>>> Mehr Informationen unter www.dbb.de

Deutscher Schulträgerkongress – Neues Forum für Schulträger und Schulleitungen

Fleet Education Events, der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) schaffen mit dem Deutschen Schulträgerkongress (DSTK) die erste Plattform für den Austausch von Schulträgern und Schulleitungen.

Der neue und einzigartige Kongress bietet Workshops und hochkarätig besetzte Diskussionsformate zu innovativen Konzepten und Best-Practice Modellen.

Die Top-Themen

  • Ganztagsangebot
  • Digitalisierung
  • Schulbau
  • Innere und äußere Schulangelegenheiten

Termin und Ort

Die Premiere des DSTK findet am 10. November 2022 in Düsseldorf, im Vorfeld des Deutschen Schulleitungskongresses (DSLK), statt.

Programm und Anmeldung

Einen ersten Programmeinblick sehen Sie hier.
Die Möglichkeit, sich für den DSTK 2022 anzumelden, haben Sie hier.

Weitere Informationen:
www.deutscher-schultraegerkongress.de

Belastung von Lehrkräften erreicht dramatisches Niveau 

Schulbarometer bestätigt Erkenntnisse des VBE 

Anlässlich der Veröffentlichung des Deutschen Schulbarometers kommentiert der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann: „Traurig und gleichermaßen leider wenig überraschend ist das, was die vorgelegten Ergebnisse offenbaren. Die dramatische Überlastung von Lehrkräften, psychisch und physisch, ist zu einem enormen Risiko geworden – für die Lehrkräfte selbst und für die Zukunft funktionierender Schulen insgesamt. Die Politik steht ohne Wenn und Aber in der Pflicht, endlich lange Versäumtes aufzuarbeiten und jetzt alles Notwendige dafür zu tun, um die Pädagoginnen und Pädagogen in den Schulen zu schützen, die im Kontext von Coronapandemie, massivem Lehrkräftemangel, Integrationsaufgaben, und (verschleppter) Digitalisierung teils Unermessliches leisten. Nur so kann Schule, nur so können wir als Gesellschaft das schaffen, wozu wir verpflichtet sind, nämlich allen Kindern und Jugendlichen einen gerechten Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung und bestmöglicher Förderung ermöglichen.“ 

Erst Anfang des Jahres hatten in einer im Auftrag des VBE durchgeführten repräsentativen forsa-Umfrage die Hälfte von 1.300 Schulleitungen angegeben, dass es aufgrund der Überlastung in den letzten Jahren vermehrt zu langfristigen Ausfällen in ihrem Kollegium gekommen sei. Dazu Beckmann: „Das, was wir an Schule nicht erst seit gestern erleben, ist ein sich selbst verstärkender Teufelskreis. Personalmangel und immer neue Aufgaben führen zu zusätzlichen Belastungen bei den Lehrkräften, die im System sind. Höhere Krankenstände sind zwangsläufig die Folge. Das erhöht wiederum die Arbeitsbelastung der verbleibenden Fachkräfte und gefährdet deren Gesundheit zusätzlich. Auf der anderen Seite brauchen Schülerinnen und Schüler gerade in diesen Zeiten, das machen auch die Ergebnisse des Schulbarometers mehr als deutlich, gesunde, belastbare und durch die Bereitstellung der notwendigen Gelingensbedingungen gestärkte Lehrerinnen und Lehrer. Nur so kann den etwa verstärkt zu beobachtenden Verhaltensauffälligkeiten, den zunehmenden Lernrückständen und vor allem den besorgniserregenden Hinweisen auf das mangelnde psychische Wohlbefinden vieler junger Menschen entgegengewirkt werden. Die Politik muss das Bildungssystem dauerhaft mit ausreichenden und adäquaten  Ressourcen ausstatten, sodass Lehrkräfte wie auch Schülerinnen und Schüler gesund bleiben und eine bestmögliche individuelle Förderung realisierbar ist. Zudem braucht es dringend wirkungsvolle Maßnahmen, um die deutlich zutage tretenden kognitiven und sozial-emotionalen (Zusatz-)Bedarfe bei Kindern und Jugendlichen nachhaltig auszugleichen. Eine bessere Ausstattung mit Lehrkräften und multiprofessionellen Teams, insbesondere mit psychologischer Qualifizierung, wie sie der VBE seit langem fordert, ist dafür unabdingbar. Es kann insgesamt nur um massive Investitionen gehen und dafür brauchen wir ein Sondervermögen Bildung.“ 

Pressedienst des VBE; 9. Juni 2022