Bildungspolitische Veranstaltung des BPV mit Ministerin Ernst, dem Bundesvorsitzenden des VBE und einer anregenden Podiumsdiskussion
Thema: Wie kann sich die Qualität von Schule in Brandenburg entwickeln?
Im Vorfeld des 11. Landesverbandstages hat der BPV zu einer öffentlichen Veranstaltung eingeladen, der mehr als 100 Interessenten und Interessentinnen folgten.
In einer Podiumsdiskussion diskutierten u.a. Abgeordnete des Landtages diese Frage und Ministerin Ernst sprach in ihrer Rede an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowohl zur aktuellen Situation als auch zu Perspektiven im Bildungsbereich. Sie stellte dabei die noch coronabedingten Maßnahmen als auch den Lehrkräftemangel in den Mittelpunkt. Da die Qualitätsentwicklung von Schule von vielen Faktoren abhängig ist, spielten in ihren Ausführungen neben finanziellen Fakten auch die Qualität von Kita, multiprofessionelle Teams, Lehreraus- und fortbildung und die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und Verbänden eine Rolle.
Zum Abschluss der Veranstaltung stellte Udo Beckmann als Bundesvorsitzender des VBE, in seinen Worten einige Positionen der Ministerin auf den Prüfstand und analysierte die bundesweite Entwicklung im Bereich Bildung. Er prangerte an, dass es trotz der alarmierenden Situation im Bildungsbereich nicht dazu führt, dass Bildung in den Bundesländern oder im Bund zur Chefsache wird. Die aktuelle Situation basiert auf Versäumnissen der letzten 20 Jahre. Die Haltung der Politik war und ist, dass es die Schulen schon irgendwie richten werden und die Lehrkräfte dabei gnadenlos ausgenutzt werden. Schulen sind nur noch Mangelverwaltungen!
Er forderte Verbesserung der Studienbedingungen für zukünftige Lehrkräfte und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für alle im System Schule Tätigen.
Welche Bedingungen braucht Schule im Land Brandenburg, um sich qualitativ weiter zu entwickeln?
In der Diskussionsrunde auf dem Podium stellten sich den Fragen:
Katja Poschmann, bildungspolitische Sprecherin und stellv. Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag BB
Petra Budke, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Landtag BB
Gordon Hoffmann, bildungspolitischer Sprecher und Generalsekretär der CDU Brandenburg
Kathrin Dannenberg, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Landtag BB
Noosha Aubel, Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport in Potsdam
Prof. Dr. Karin Salzberg-Ludwig, bis 2021 Dozentin für Inklusionspädagogik an der Uni Potsdam
In der Diskussion spielten Themen wie multiprofessionelle Teams, Lehrerbildung und Stärkung der Profession Lehrer eine Rolle. Frau Prof. Dr. Salzberg-Ludwig sprach sehr deutlich die Notwendigkeiten an, die realisiert werden müssen, um Bildung wieder auf einen guten Weg zu bringen. Die Diskussion zeigte aber auch, dass die Ideen der Bildungspolitiker und deren Umsetzung noch vor vielen Hürden stehen. Mut machte vor allem die Sichtweise der Kommunalpolitikerin Frau Aubel aus Potsdam. Wir hoffen, dass es ihr gelingt ihre mutigen Ideen in die Tat umzusetzen.
Nach Ende der Podiumsrunde nutzten viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Gelegenheit mit den Gästen ins Gespräch zu kommen.
- Podium (v.l.n.r.) Gordon Hoffmann, Kathrin Dannenberg, Noosha Aubel, Christina Adler, Katja Poschmann, Petra Budke, Prof. Dr. Karin Salzberg-Ludwig
- Mehr als 100 interessierte Gäste aus dem ganzen Land Brandenburg kamen für diese spannende Veranstaltung nach Potsdam angereist.
- Angeregte Diskussionen und engagierte Forderungen zur Entwicklung der Bildungslandschaft in Brandenburg
- Hartmut Stäker, Präsident des BPV
- Udo Beckmann, Bundesvorsitzender VBE
- Britta Ernst, Ministerin MBJS Brandenburg
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Schülerzahlprognose: Handlungsdruck steigt weiter
Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, kommentiert die Veröffentlichung der Vorausberechnung seitens der Kultusministerkonferenz (KMK):
„Mit der neuen Prognose bestätigt die KMK die Berechnungsgrundlage, auf der Professor Klaus Klemm im Auftrag des VBE, bereits im Frühjahr den zu erwartenden Lehrkräftemangel für das Jahr 2035 berechnet hat. Demnach werden dem Bildungssystem im Jahr 2035 knapp 160.000 Lehrkräfte fehlen, wenn die bereits beschlossenen pädagogischen Reformmaßnahmen Ganztag, Inklusion und Unterstützung von Kindern in herausfordernden sozialen Lagen umgesetzt werden. Die bereits zu Beginn dieses Schuljahres sichtbare personelle Unterversorgung der Schulen in einem bisher nicht gekannten Ausmaß und der durch die KMK bestätigte Schüler:innenzuwachs zeigt den Ernst der Lage und dass die Zeit des Schönrechnens nun endgültig vorbei ist. Die Politik ist jetzt in der Pflicht, schnellstmöglich geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die erwartbare Lücke zu schließen. Hierzu gehören u. a. langfristige Maßnahmen, wie eine bundesweite Fachkräfteoffensive bei gleichzeitiger Erhöhung der Studienkapazitäten und Verbesserung der Studienbedingungen zur Reduzierung der Abbruchquoten. Ebenso muss eine kurzfristige Entlastung der im System befindlichen Lehrkräfte, beispielsweise durch den Einsatz multiprofessioneller Teams erfolgen. Andernfalls wird aus dem angekündigten Jahrzehnt der Bildungschancen ein Jahrzehnt der Notversorgung.“
Schuljahresstart mit erheblichen Defiziten: Der Brandenburgische Pädagogen-Verband fordert die Landesregierung auf endlich zu handeln!
Das Schuljahr 2022/2023 ist ca. 3 Wochen alt und die personelle Mangelwirtschaft bringt Schulleitungen, Lehrkräfte und auch Eltern zur Verzweiflung! Aber im politischen Raum gibt es keine grundlegenden Konzepte und Pläne die offensichtlichen Probleme im Bereich Bildung langfristig anzugehen!
In Vorbereitung des Schuljahres 2022/2023 war sowohl im MBJS als auch in den Schulämtern klar, dass die zur Verfügung stehende Anzahl von ausgebildeten Lehrkräften den Bedarf bei Weitem nicht decken werden. Das zeigt sich nicht nur an der höheren Einstellungsquote der Seiteneinsteiger, die sich inzwischen auf die 50-%-Marke zubewegt, sondern auch an den Maßnahmen, die bereits zum Schuljahresende im Juni 2022 getroffen wurden. Die Schulämter wurden durch das MBJS aufgefordert, in den Schulen zahlreiche Stellen in der Ganztagsbetreuung und im Gemeinsamen Lernen einzusparen.
Trotz dieser Maßnahmen, die bereits den Schulbetrieb erheblich beeinträchtigen und zu zusätzlichen Belastungen sowohl für Lehrkräfte als auch für die Schülerinnen und Schüler führen, sind im Land Brandenburg, entgegen der Aussagen der Ministerin Ernst, am Schuljahresbeginn, nicht genügend Lehrkräfte eingestellt worden. Ca. 200 vollzeitbeschäftigte Lehrkräfte fehlten zum Schulstart. Das führt zur Erhöhung der Schülerzahlen in den einzelnen Klassen, zu Streichungen in der Stundentafel, zu Unterrichtsausfall, Wegfall von Fördermaßnahmen und zur Einschränkung der Ganztagsbetreuung.
Bei diesen Berechnungen ist noch nicht erfasst, dass es keine Vertretungsmöglichkeiten für krankheitsbedingten Ausfall von Lehrkräften gibt.
Ein weiteres Problem ist der relativ hohe Altersdurchschnitt beim Lehrpersonal. Halbjährlich scheiden so zusätzlich Lehrkräfte altersbedingt aus, die ebenfalls kompensiert werden müssen.
Dieser eklatante Lehrkräftemangel ist seit Jahren im MBJS bekannt, führte aber nicht dazu, dass rechtzeitig bedarfsgerecht Lehrkräfte ausgebildet und eingestellt wurden und werden.
Um diese Situation, die uns bis Mitte der 30er-Jahre erhalten bleiben wird und so in Studien von Prof. Klemm und der KMK nachgewiesen wurde, zu beheben, bedarf es umgehend der Koordinierung verschiedener politischer Bereiche wie Bildung, Wissenschaft, Soziales, Gesundheit und Kommunales im Land Brandenburg.
Der Brandenburgische Pädagogen-Verband fordert hiermit die Landesregierung und das Parlament auf, endlich grundlegend das Problem des Personalmangels und der Qualitätssicherung im Bereich Bildung anzugehen, klare Konzepte zu entwickeln und langfristig wirksam zu handeln!
Wie sollen die nächsten Schülergenerationen echte Bildungschancen im Land Brandenburg haben?
Bildung muss Landessache sein!
11. Landesverbandstag des BPV: Einladung zur öffentlichen Veranstaltung
Wie kann sich die Qualität von Schule in Brandenburg entwickeln?
Welche Bedingungen braucht Schule im Land Brandenburg?
Datum: 08.10.2022, Zeit: 10.00-12.00 Uhr, Ort: nH Hotel Potsdam
- bis 09.45 Uhr Einnehmen der Plätze
- 10.00 Uhr Eröffnung des 10. Landesverbandstages
- 10.10 Uhr Podiumsdiskussion zum Thema
- „Wie kann sich die Qualität von Schule in Brandenburg entwickeln?
- Welche Bedingungen braucht Schule im Land Brandenburg?“
- Moderation: Christina Adler, Vizepräsidentin des BPV
- Gesprächspartner:innen im Podium:
- Prof. Dr. Karin Salzberg-Ludwig
- Katja Poschmann, stellv. Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag Brandenburg und bildungspolitische Sprecherin der Fraktion
- Gordon Hoffmann, Landesgeschäftsführer der CDU Brandenburg und bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag Brandenburg
- Petra Budke, Fraktionsvorsitzende BÜNDNID 90/DIE GRÜNEN im Landtag Brandenburg und bildungspolitische Sprecherin der Fraktion
- Katrin Dannenberg, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Landtag Brandenburg
- Noosha Aubel, Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport in der Stadt Potsdam
- 11.10 Uhr Grußworte der Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg Frau Britta Ernst
- 11.30 Uhr Grußworte des Bundesvorsitzenden des VBE Udo Beckmann
- 11:50 Uhr Schlusswort
Vertrauen in den Staat auf historischem Tiefstand
dbb Bürgerbefragung 2022 |
Schonungslos haben die letzten Jahre gezeigt, dass der öffentliche Dienst nicht krisenfest aufgestellt ist. Die Folge: Nie war das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat geringer. |
| Laut der dbb Bürgerbefragung 2022 sind nur noch 29 Prozent der Befragten der Meinung, der Staat sei handlungsfähig und könne seine Aufgaben erfüllen. Zwei Drittel (66 Prozent) glauben das nicht. „Der Trend war bereits letztes Jahr zu erkennen, jetzt ist das Kind endgültig in den Brunnen gefallen. Klima, Krieg, Corona, Kostenexplosion: Egal in welchem Lebensbereich eine Krise auftritt, der Staat präsentiert sich schlecht vorbereitet. Jetzt zahlt die Gesellschaft den Preis dafür, dass wir bei der Politik um jeden Euro und jede Stelle für den öffentlichen Dienst feilschen müssen. Wir haben leider nur noch eine Schönwetter-Daseinsvorsorge. Das ist die traurige Wahrheit und die Menschen erleben das jeden Tag“, sagte der dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach am 1. September 2022 bei der Vorstellung der Umfrage-Ergebnisse, die das Meinungsforschungsinstitut forsa erhoben hat. „Einmal mehr zeigen die Zahlen aber auch, dass die Bürgerinnen und Bürger grundsätzlich zwischen ausbleibender beziehungsweise schlechter politischer Führung auf der einen Seite und engagierten Menschen im öffentlichen Dienst auf der anderen Seite unterscheiden“, erklärte Silberbach. So seien unter den beliebtesten Berufsgruppen ganz überwiegend Jobs aus der Daseinsvorsorge vertreten. Die Top 5 belegen beispielsweise Feuerwehrleute, Krankenpflegepersonal, Ärztinnen und Ärzte, Altenpflegepersonal sowie Polizeikräfte. „Wer einen konkreten Dienst für die Gesellschaft erbringt, erfährt von seinen Mitmenschen dafür in der Regel Wertschätzung – oft mehr als vom Arbeitgeber oder Dienstherrn“, so der dbb Chef. Auch das Profil der Beamtinnen und Beamten ganz allgemein werde zwar von der Vertrauenskrise in den Staat negativ beeinflusst, bleibe dabei aber auf einem erfreulich hohen Niveau: Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland verbindet mit dem Berufsbeamtentum weiterhin Eigenschaften wie „pflichtbewusst“, „verantwortungsbewusst“, „zuverlässig“ und „rechtschaffen“. „Gerade die Bundespolitik sollte außerdem zur Kenntnis nehmen, dass die Bürgerinnen und Bürger sehr genau um die Bedeutung eines funktionierenden gesellschaftlichen Miteinanders und von leistungsfähigen öffentlichen Einrichtungen wissen. Die sind ihnen – anders, als es oft unterstellt wird – oft sogar wichtiger als der eigenen Geldbeutel“, stellte der dbb Bundesvorsitzende heraus. So stünden bei den wichtigsten Staatsaufgaben neben der allgemeinen „Aufrechterhaltung der sozialen Gerechtigkeit“ auch der Klimaschutz, die Infrastruktur und die Modernisierung des öffentlichen Dienstes ganz oben. Erst dann folge die „Entlastung der Bürger aufgrund der gestiegenen Preise“. Silberbach: „Das zeigt deutlich: Ohne einen starken öffentlichen Dienst und eine krisenfeste Daseinsvorsorge wird der der Staat das Vertrauen der Bevölkerung nicht zurückgewinnen können.“ >>> Mehr Informationen unter www.dbb.de |
Belastung von Lehrkräften erreicht dramatisches Niveau
Schulbarometer bestätigt Erkenntnisse des VBE
Anlässlich der Veröffentlichung des Deutschen Schulbarometers kommentiert der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann: „Traurig und gleichermaßen leider wenig überraschend ist das, was die vorgelegten Ergebnisse offenbaren. Die dramatische Überlastung von Lehrkräften, psychisch und physisch, ist zu einem enormen Risiko geworden – für die Lehrkräfte selbst und für die Zukunft funktionierender Schulen insgesamt. Die Politik steht ohne Wenn und Aber in der Pflicht, endlich lange Versäumtes aufzuarbeiten und jetzt alles Notwendige dafür zu tun, um die Pädagoginnen und Pädagogen in den Schulen zu schützen, die im Kontext von Coronapandemie, massivem Lehrkräftemangel, Integrationsaufgaben, und (verschleppter) Digitalisierung teils Unermessliches leisten. Nur so kann Schule, nur so können wir als Gesellschaft das schaffen, wozu wir verpflichtet sind, nämlich allen Kindern und Jugendlichen einen gerechten Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung und bestmöglicher Förderung ermöglichen.“
Erst Anfang des Jahres hatten in einer im Auftrag des VBE durchgeführten repräsentativen forsa-Umfrage die Hälfte von 1.300 Schulleitungen angegeben, dass es aufgrund der Überlastung in den letzten Jahren vermehrt zu langfristigen Ausfällen in ihrem Kollegium gekommen sei. Dazu Beckmann: „Das, was wir an Schule nicht erst seit gestern erleben, ist ein sich selbst verstärkender Teufelskreis. Personalmangel und immer neue Aufgaben führen zu zusätzlichen Belastungen bei den Lehrkräften, die im System sind. Höhere Krankenstände sind zwangsläufig die Folge. Das erhöht wiederum die Arbeitsbelastung der verbleibenden Fachkräfte und gefährdet deren Gesundheit zusätzlich. Auf der anderen Seite brauchen Schülerinnen und Schüler gerade in diesen Zeiten, das machen auch die Ergebnisse des Schulbarometers mehr als deutlich, gesunde, belastbare und durch die Bereitstellung der notwendigen Gelingensbedingungen gestärkte Lehrerinnen und Lehrer. Nur so kann den etwa verstärkt zu beobachtenden Verhaltensauffälligkeiten, den zunehmenden Lernrückständen und vor allem den besorgniserregenden Hinweisen auf das mangelnde psychische Wohlbefinden vieler junger Menschen entgegengewirkt werden. Die Politik muss das Bildungssystem dauerhaft mit ausreichenden und adäquaten Ressourcen ausstatten, sodass Lehrkräfte wie auch Schülerinnen und Schüler gesund bleiben und eine bestmögliche individuelle Förderung realisierbar ist. Zudem braucht es dringend wirkungsvolle Maßnahmen, um die deutlich zutage tretenden kognitiven und sozial-emotionalen (Zusatz-)Bedarfe bei Kindern und Jugendlichen nachhaltig auszugleichen. Eine bessere Ausstattung mit Lehrkräften und multiprofessionellen Teams, insbesondere mit psychologischer Qualifizierung, wie sie der VBE seit langem fordert, ist dafür unabdingbar. Es kann insgesamt nur um massive Investitionen gehen und dafür brauchen wir ein Sondervermögen Bildung.“
Pressedienst des VBE; 9. Juni 2022
Personalratswahlen 2022 – BPV erfolgreich
Bei den Personalratswahlen am 30. Und 31. Mai 2022 waren die Kandidatinnen und Kandidaten des Brandenburgischen Pädagogen-Verbandes erfolgreich.
Zum dritten Mal in Folge konnten wir die Anzahl der Sitze im Hauptpersonalrat der Lehrkräfte und den Personalräten bei den Schulämtern erhöhen.
Im Einzeln stehen nach dem Wahlergebnis der Liste des BPV im Hauptpersonalrat 5 Sitze und in den Personalräten der Lehrkräfte bei den Schulämter 18 Sitze zu.
Wir bedanken und bei allen Wähler*innen und Unterstützer*innen für Ihre Stimme.
Die Vorstellung der gewählten Personalratsmitglieder erfolgt hier nach den konstituierenden Sitzungen der Personalräte Mitte Juni.
Bis 2035 fehlen bundesweit bis zu 158.000 Lehrkräfte!
VBE Bundesverband veröffentlicht Studie zu Lehrkräftebedarf und -angebot bis 2035
In Deutschland existiert ein massiver Lehrkräftemangel. Im Bundesland Brandenburg fehlen nach Angaben vom MBJS jährlich ca. 350 Lehrerinnen und Lehrer. Eine von der Kultusministerkonferenz (KMK) am 14. März 2022 veröffentlichte Modellrechnung weist für Deutschland bis 2035 einen Lehrkräftemangel von 23.800 aus. Eine vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) bei Prof. i. R. Dr. Klaus Klemm in Auftrag gegebene und am 31.03.2022 veröffentlichte Untersuchung zeigt hingegen, dass, anders als von der KMK angenommen, mit einem eklatant geringeren Angebot an neu ausgebildeten Lehrkräften in den nächsten Jahren gerechnet werden muss, wodurch bis 2035 mindestens 127.000 Lehrerinnen und Lehrer an deutschen Schulen fehlen werden.
Hartmut Stäker, Präsident des BPV (Landesverbandes des VBE) kommentiert anlässlich der aktuellen Veröffentlichung: „Der Lehrkräftemangel ist das größte Problem im Schulbereich, auch in Brandenburg, und stellt eine massive Bedrohung für Bildungsqualität, -gerechtigkeit und die Zukunft unseres Landes dar. Unvorhersehbare Herausforderungen, wie sie aktuell infolge der Auswirkungen der Flüchtlingsbewegung und der Pandemie bestehen, treffen auf zu wenige Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen und eine Situation, die sich noch zuspitzen wird. Ohne die Bereitstellung der erforderlichen personellen Ressourcen werden die genannten und weitere Herausforderungen wie Inklusion, Ganztagsbeschulung oder die individuelle Förderung von Kindern in herausfordernden sozialen Lagen nicht zu lösen sein. Umso fataler und nicht hinnehmbar ist es vor diesem Hintergrund, wenn der immense Handlungsdruck, der hinsichtlich der Gewinnung und Bindung von Lehrerinnen und Lehrern besteht, durch unrealistische und intransparente Berechnungen der Politik verschleiert wird.“
Vor dem Hintergrund der vom VBE Bundesverband aktuell veröffentlichten Expertise (https://www.vbe.de/service/expertise-lehrkraeftebedarf-angebot-bis-2035) fordert der Präsident des BPV die Ministerin Frau Ernst dazu auf, „sich innerhalb der KMK dafür einzusetzen, dass von allen Bundesländern, auch von Brandenburg, künftig seriöse, verbindliche und methodisch zwischen den Ländern abgestimmte Standards bei der Erstellung zukünftiger Bedarfs- und Angebotsprognosen zugrunde gelegt werden, um zu realistischen Berechnungen zu gelangen. Noch wichtiger ist es, daraus zügig die notwendigen Maßnahmen zur Beseitigung des Lehrkräftemangels abzuleiten und auch umzusetzen. Die Lehrerinnen und Lehrer arbeiten schon seit langem und aktuell nochmals verstärkt an oder oberhalb ihrer Belastungsgrenze. Um ihre Gesundheit zu erhalten und für die Schülerinnen und Schüler an unseren Schulen eine qualitativ hochwertige Bildung und Erziehung sicherzustellen, muss die Schönrechnerei und das weitere Verschleppen dringend gebotener Taten aufhören!“
Zum Pressedienst des VBE Bundesverbandes, der sämtliche Forderungen des Verbandes anlässlich der dramatischen Ergebnisse darlegt, gelangen Sie unter https://www.vbe.de/presse/pressedienste/pressedienste-2022/politik-verschleiert-abermals-realitaet-bis-2035-fehlen-bis-zu-158000-lehrkraefte.
Die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen müssen im Vordergrund stehen!
Angesichts der Herausforderungen, die mit der Aufnahme geflüchteter ukrainischer Kinder und Jugendlicher auf Schulen und Kitas zukommen werden, entwickelten der VBE Bundesverband und die 16 Landesverbände eine gemeinsame Position. Auf deren Grundlage fordert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), von Politik und Gesellschaft einen differenzierten Blick auf die Situation:
„Wir müssen Integration neu denken und dürfen nicht glauben, dass die in der Flüchtlingswelle 2015 entwickelten Verfahren und Strukturen ohne Weiteres für die jetzige Situation passen. An erster Stelle müssen die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen stehen, die zu uns kommen. Dabei geht es zuallererst um Schutz, Frieden und Aufarbeitung der Schrecken, die ihnen zuteilwurden. Viele von ihnen sehnen sich nach einer baldigen Rückkehr in ihre Heimat und damit nach einem Anknüpfen des hiesigen Bildungsangebots an das in der Ukraine. Andere, die bisher kleinere Gruppe der Geflüchteten, erklären, dass sie hierbleiben wollen und deshalb ihre Kinder schnellstmöglich in das deutsche Schulsystem integrieren wollen. Wir vom VBE wünschen uns, dass diese Wünsche respektiert werden und dass die Politik diesen Menschen ein für ihre jeweiligen Bedürfnisse passendes Angebot unterbreitet.“
Mit Blick auf mögliche mittel- und langfristigen Zusatzbelastungen für das Bildungssystem, wie vergrößerte Lerngruppen oder räumliche Engpässe, ergänzt Beckmann:
„Es sind große gesamtgesellschaftliche Herausforderungen, vor denen wir stehen. Wir freuen uns über die riesige Solidarität und Offenheit, die den geflüchteten Menschen derzeit entgegengebracht wird. Damit diese Solidarität hält, wenn es zu Einschränkungen an Schulen und Kitas kommt, muss die Politik die Gesellschaft ehrlich darüber aufklären, welche Konsequenzen die große Zahl von Kindern und Jugendlichen, die wir selbstverständlich aufnehmen und denen wir ebenso selbstverständlich ein angemessenes Bildungsangebot machen wollen, für Schulen und Kitas haben kann. Fakt ist: Die zusätzlich zu betreuenden und zu beschulenden Kinder und Jugendlichen stoßen auf ein seit Jahren unterfinanziertes Bildungssystem, mit einer gleichfalls seit Jahren zu dünnen Personaldecke. Sie finden Schulgebäude vor, die an vielen Standorten sanierungsbedürftig sind und fehlende Raumkapazitäten haben. Wir werden in Schulen und Kitas enger zusammenrücken müssen. Dafür die gesellschaftliche Akzeptanz zu schaffen, ist Aufgabe der Politik. Es darf nicht Schulleitungen und Lehrkräften überlassen werden, zu rechtfertigen, warum das bisherige Raumangebot weiter eingeschränkt werden muss, um Platz für Willkommensklassen zu schaffen oder warum Lerngruppen noch größer werden. Die Politik kennt die Unzulänglichkeiten, unter denen die Schulen schon vor Corona und durch Corona verschärft arbeiten mussten und müssen. Es darf nicht noch einmal dazu kommen, dass politische Verantwortung auf Schul- und Kitaleitungen abgewälzt wird, und es dem dortigen Personal überlassen bleibt, politische Entscheidungen vermitteln zu müssen, wie dies in den letzten zwei Jahren mit den pandemiebedingten Hygienemaßnahmen oft der Fall war.“
Die vollständige Position, die der Bundesverband des VBE zusammen mit seinen 16 Landesverbänden erarbeitet hat, finden Sie hier.






