Der Brandenburgische Pädagogen-Verband begrüßt grundsätzlich die Entscheidung des Bundesministeriums, den Lehrkräften sowie den Erzieherinnen und Erziehern kurzfristig Impftermine anzubieten.

Dabei werden die Lehrkräfte der Grund- und Förderschulen, laut Mitteilung, als Erste berücksichtigt, da die Schulöffnung in diesem Bereich bereits erfolgte.

Diese Entscheidung geht dem BPV aber nicht weit genug.

Die Lehrkräfte der weiterführenden Schulen, die seit Wochen die Abschlussklassen im Präsenzunterricht beschulen, müssen ebenso ein vorzeitiges Angebot zur Impfung erhalten.

Laut Aussage der Ministerin Frau Ernst, sollen die weiterführenden Schulen eventuell noch vor Ostern den Schulbetrieb wieder aufnehmen. Dann ergibt sich auch für die Lehrkräfte dieser Schulen die Notwendigkeit eines Impfangebotes.

Diese Maßnahmen müssen außerdem von Schnelltests für Schüler und Lehrkräfte begleitet werden, um Kontinuität im Schulbetrieb zu erreichen.

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), findet zur Entscheidung, dass Lehrkräfte in die zweite
Impfgruppe hochpriorisiert werden, pathetische Worte: „Das ist ein kleiner Schritt in der Pandemiebekämpfung aber ein großer für den
Gesundheitsschutz der Lehrkräfte an Grundschulen, Förderschullehrkräften und des Personals in Kindertagesstätten! Das ist auch unser Erfolg, die wir das frühzeitig und beharrlich eingefordert haben. Endlich zeigt sich die Priorisierung des Bildungsbereichs nicht mehr nur daran, dass dieser zuerst gelockert wird.“

Beckmann kommentiert weiter: „Die Begründung ist richtig, dass das Personal an Grundschulen und in Kindertagesstätten besonders exponiert ist, weil die Kleinsten und Kleinen besondere Nähe brauchen und die Hygieneregeln noch nicht angemessen umsetzen können.“
Zudem unterstreicht er: „Es ist ein besonderer Erfolg des VBE, dass auch Förderschullehrkräfte priorisiert werden. Dies hatten wir in einem Schreiben an die Kultusministerkonferenz bereits Mitte Dezember eingefordert und weiterverfolgt.“

Er weist aber auch darauf hin: „Impfen allein reicht nicht aus. Das muss kombiniert werden mit einer ausgeweiteten Teststrategie, angemessenen Schutzmöglichkeiten, zum Beispiel durch die Bereitstellung von medizinischen Masken, und natürlich der weiter einzuhaltenden Hygieneregeln. Wir dürfen nicht nachlässig werden. Denn solange die Kinder nicht geimpft werden können, muss auch alles dafür getan werden, dass sie in einem sicheren Umfeld lernen können.“

In den Schulen des Landes Brandenburg wird jeden Tag durch die Lehrkräfte eine verantwortungsvolle Arbeit geleistet.

Die Einhaltung der Corona-Maßnahmen im Unterricht und den Pausen, eine hohe Anzahl von Unterrichtsvertretungen und die pandemiebedingte persönliche Situation sind für jede Lehrkraft eine zusätzliche Mehrfachbelastung. Deshalb sind klare Vorgaben von Seiten des MBJS notwendig, um die Schulen in ihrem Handeln zu unterstützen.

Die Maßnahmen dürfen aber nicht dazu führen, dass die Schulen weiteren zusätzlichen Belastungen ausgesetzt sind. Deshalb fordern wir:

Keine Schulschließungen und kein Hybridunterricht

Keine zusätzliche Belastung für Lehrer*innen

Halbierung der Klassen und Wechsel zwischen Präsens- und Distanzunterricht ist nur zu leisten, wenn den Schulen zusätzliches Personal durch die Schulämter bzw. Kommunen zur Verfügung gestellt wird.

Die digitale Ausstattung der Schulen, Schüler*innen und Lehrer*innen gibt flächendeckend nicht die Möglichkeit des Hybrid- und Distanzunterrichts bzw. datensicherer Kommunikation bei Schulschließungen.

Regionale Lösungen statt generellen Anordnungen

Den Schulleitungen sollten mehr Spielräume gegeben werden, um individuell auf die Schulsituation bezogen flexibel reagieren zu können.

In Zeiten hoher Infektionszahlen sollten alle Lösungen zugelassen werden, die den Präsenzunterricht ermöglichen und gleichzeitig eine Durchmischung von Schülergruppen so gering wie möglich halten.

Insbesondere zwischen dem Bekanntwerden eines positiven Testergebnisses bis zur Anordnung des Gesundheitsamtes müssen Schulleitungen für die eigene Schule Lösungen finden.

Es ist Zeit den Verantwortlichen vor Ort das nötige Vertrauen entgegen zu bringen.

In den Schulen wird sehr verantwortungsvoll gearbeitet.

Keine Übertragung von Aufgaben der Gesundheitsämter an Schulleitungen

Wir fordern, dass die Landesregierung darauf achtet, dass keine Aufgaben der Gesundheitsämter auf die Schulleitungen übertragen werden. Quarantäne-Anordnungen werden von Gesundheitsämtern getroffen und nicht von Schulleitungen.

Schulleitungen brauchen Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben, nämlich den Schulbetrieb zu organisieren.

Der Brandenburgische Pädagogen-Verband begrüßt die erneute Forsa-Umfrage unseres Bundesverbandes VBE zum Thema Gewalt gegen Lehrer, denn auch Brandenburg ist von dieser Thematik betroffen.

Die Lehrerinnen und Lehrer an Brandenburger Schulen sind ebenso verbalen, digitalen und physischen Angriffen von Schülern und Eltern ausgesetzt wie in den anderen Bundesländern. Das MBJS hat über die staatlichen Schulämter den Schulen Konzepte für Notfälle zur Verfügung gestellt. Diese Konzepte sind aber nicht das Allheilmittel, um Probleme dieser Art zu verhindern. Hier muss geschultes Fachpersonal in multiprofessionellen Teams zur Verfügung stehen (z.B. Psychologen, Schulsozialarbeiter) und es müssen prophylaktische Coachings und praktische Fortbildungen für Schulkollegien angeboten werden.

Betroffene Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich oft nicht in der Position gegen Angriffe auf sie vorzugehen. Sie erhalten auch nicht immer die notwendige Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte. Oft werden gewalttätige Vorkommnisse bagatellisiert oder verschwiegen. Die Gründe dafür sind vielfältig. So gibt es nach wie vor Bedenken um den Ruf der Schule oder des einzelnen Kollegen. Durch die Zahl der nicht pädagogisch ausgebildeten Seiteneinsteiger wird diese Situation eventuell noch verschärft.

Es kann nicht sein, dass, wie in der aktuellen Forsa-Umfrage festgestellt, Uneinsichtigkeit bei den betreffenden Schülern und Eltern ohne Konsequenzen bleibt. Für betroffene Schulen und Lehrkräfte ist das eine unzumutbar hohe psychische Belastung. Sie beeinträchtigt das Schulklima und die Gesundheit der betroffenen Lehrerinnen und Lehrer.

Wir fordert, dass das MBJS sich dieser Problematik annimmt und sich über die Situation der Lehrkräfte des Landes Brandenburg informiert, um entsprechende Maßnahmen zum Schutz einzuleiten.

Weitere Informationen zur Umfrage finden Sie unter https://www.vbe.de/service/meinungsumfragen/gewalt-gegen-lehrkraefte-2020/

VBE fordert Einhaltung von Arbeits- und Gesundheitsschutz und umfassende Information

„Die Kultusministerien ordnen die Aufhebung des Abstandes an, während sich jede dritte Lehrkraft durch die bestehenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen jetzt schon nicht ausreichend geschützt fühlt. Es wird zu wenig getan, um den veränderten Bedingungen gerecht zu werden. So berichten 29 Prozent der Lehrkräfte, dass kaum oder keine Reinigungsmittel und dafür notwendige Handschuhe und Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt werden. Eine einfache und effektive Möglichkeit, wie sie auch in Supermärkten und Arztpraxen eingesetzt wird, ist das Aufstellen von Plexiglasscheiben. 78 Prozent
der Lehrkräfte berichten aber, dass es das nicht gibt. Zudem sagt jede dritte Lehrkraft, dass die Lehrerinnen und Lehrer selbst Räume putzen, um den höheren Rhythmus bei der Reinigung zu gewährleisten. Damit verprellen die Kultusministerien die Lehrkräfte noch zusätzlich: Anstatt ein angemessenes Arbeitsumfeld mit ausreichend Zeit für Bildung und Erziehung zu schaffen, bekommen Lehrkräfte
den Putzeimer in die Hand gedrückt“, kritisiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).
Er bezieht sich auf die aktuellen Zahlen einer vom VBE bei forsa beauftragten repräsentativen Umfrage unter 1.006 Lehrkräften allgemeinbildender Schulen. Diese beschäftigte sich mit der Situation an Schulen während der ersten Wochen der Schulöffnungen und wurde Ende Mai 2020 im Rahmen des Befragungspanels forsa.omninet durchgeführt.

Über 60 Prozent der Lehrkräfte geben an, dass sie momentan im Vergleich zum regulären Schulbetrieb eine höhere Belastung haben, weitere 20 Prozent eine ähnliche. Beckmann verweist auf das hohe Engagement der Lehrkräfte, die in der Phase der Schulöffnungen zwischen Präsenzunterricht, der Aufgabenerstellung für das selbstständige Lernen zuhause und der Begleitung dieser Schülerinnen und Schüler sowie dem Einsatz in der Notbetreuung pendeln. Nach den Ursachen für den Mehraufwand gefragt, gibt die Hälfte an, dass es einen höheren Organisationsaufwand gibt, zum Beispiel um Aufgaben zu versenden. Für je etwas über 40 Prozent der Lehrkräfte kommt der Mehraufwand
von der parallelen Betreuung der Lerngruppen zuhause und dem Unterricht vor Ort sowie von dem Bedarf an Kommunikation zu unterschiedlichen Zeiten. „Wir sehen eine deutliche Ausweitung der Zeiten, zu denen Lehrkräfte arbeiten. Eltern und Schülerinnen und Schüler lernen zuhause, wie es am besten in die dortigen Strukturen passt. Das ist auch vollkommen in Ordnung – nur entsteht so zu unterschiedlichsten Zeiten der Bedarf an Unterstützung durch die Lehrkraft. Das führt zu einer Streckung der Arbeitszeit. Die Kultusministerien sind aufgefordert, hier sehr genau hinzusehen, dass der Arbeitsschutz der Beschäftigten gesichert wird“, erklärt der VBE Bundesvorsitzende.

Nachdem die Lehrkräfte für die „Bildung in der digitalen Welt“ weder fortgebildet wurden, noch ausgestattet sind, mussten sie sich in den letzten Wochen in die Nutzung digitaler Anwendungen einarbeiten. Dies führte bei jeder dritten Lehrkraft zu Mehraufwänden. Die Durchführung von Telefon- und Videokonferenzen wurde von jeder vierten Lehrkraft als Ursache für Mehrarbeit angegeben.
Beckmann kommentiert dieses Engagement: „In kürzester Zeit und mit hoher Anstrengung wurde mit digitalen Anwendungen die Kommunikation zu den Schülerinnen und Schülern aufrechterhalten, um Aufgaben zu erklären, Fragen zu beantworten und einen Raum für den Austausch mit anderen zu schaffen. Das viel gepriesene ‚digitale Lernen‘ ist das aber noch nicht. Dafür brauchen die Lehrkräfte
quantitativ ausreichende und qualitativ hochwertige Fort- und Weiterbildungen innerhalb der Dienstzeit und Unterstützung bei der Erstellung und Umsetzung entsprechender pädagogischer Konzepte. Entlasten würde es die Hälfte der Lehrkräfte, wenn Schülerinnen und Schüler mit Endgeräten ausgestattet werden. Jede dritte Lehrkraft gibt auch die eigene Ausstattung mit einem Gerät als Entlastungsmöglichkeit an.“
Je die Hälfte der Befragten sagt, dass es sie entlasten würde, nicht gleichzeitig für Lerngruppen in der Schule und zuhause zuständig zu sein und wenn organisatorische Aufgaben reduziert würden. Ungefähr ein Drittel der Lehrkräfte setzt für eine Entlastung auf curriculare Veränderungen, wie Lerninhalte zu reduzieren oder sich auf die Kernfächer zu konzentrieren. Das passt auch gut zusammen mit
der Erkenntnis, dass 82 Prozent der befragten Lehrkräfte sagen, dass es in der Schulöffnungsphase die größte Herausforderung sei, Lernunterschiede auszugleichen. Beckmann warnt aber davor, in der aktuellen Lage zum Beispiel ganz auf musisch-künstlerische Fächer zu verzichten: „Wir wissen, dass es sehr positive Effekte haben kann, die erlebte Zeit auch kreativ verarbeiten zu können. Hier muss
eine angemessene Balance zwischen dem Aufholen von Lerninhalten und dem Raumgeben für die Persönlichkeitsentwicklung gegeben werden.“ Wichtig sei zudem das Zurückgeben der Struktur (56 Prozent).
Mehrheitlich antworteten die Lehrkräfte, dass sich eine Person mit Erkältungssymptomen nicht an der Schule aufhalten dürfe. Wenn diese Fieber und/oder Husten habe, gibt jeder dritte Befragte an, dass die Person auf das Corona-Virus getestet werde, 40 Prozent sagen, dass dies unterschiedlich ist und vom behandelnden Arzt abhängt. „Erschreckend ist aber auch, dass je ein Viertel der Lehrkräfte diese Fragen nicht beantworten konnte, weil es nicht eindeutig geregelt ist oder sie es nicht wissen. Zudem konnte über die Hälfte keine Angaben zu den Quarantäneregelungen machen. Hier ist ein Informationsdefizit entstanden, welches die Kultusministerien zu verantworten haben“, kritisiert Beckmann und fordert: „Es braucht einfache und klare Regelungen, die nachvollziehbar und eingängig sind. Zudem müssen die Gesundheitsministerien auch weitere Maßnahmen ergreifen, um den Gesundheitsschutz wieder glaubwürdig zu priorisieren. Dazu könnte auch das Angebot freiwilliger Testungen auf das Corona-Virus zählen. Zwar bieten diese keine Sicherheit, nicht zu einem späteren Zeitpunkt zu erkranken, erhöhen aber das subjektive Sicherheitsgefühl und könnten auch im Rahmen der Strategie zur Ausweitung der Testaktivitäten ihren Platz haben. 74 Prozent der Lehrkräfte befürworten freiwillige Tests.“
Den Bericht mit den Umfrageergebnissen finden Sie unter: https://www.vbe.de/fileadmin/user_upload/VBE/Service/Meinungsumfragen/2020-06-09_-_forsa-VBE_Corona_Schuloeffnungsphase.pdf .

Der Brandenburgische Pädagogen-Verband sieht den Anlauf des Schulbetriebes sehr kritisch. Wir als Lehrerinnen und Lehrer in allen Schulformen des Landes Brandenburg sehen an vielen Stellen Handlungsbedarf durch das MBJS, die Schulämter und die Schulträger. Wir erwarten, im Interesse der Fürsorgepflicht den Schülerinnen und Schülern, sowie den Lehrerinnen und Lehrern gegenüber, verantwortungsvolles Handeln in dieser besonderen Situation.

Der Plan zur Wiederaufnahme des Schul- und Unterrichtsbetriebs ab 20. April 2020 und die Ergänzung zum Hygieneplan Infektions- und Arbeitsschutz in den Schulen in Brandenburg im Zusammenhang mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2/COVID-19 regeln viele Maßnahmen bezüglich der Schulöffnung. Dennoch können schlechte hygienischen Bedingungen in Schulen, die seit Jahren bemängelt, aber geduldet werden (zu wenige Waschbecken, schlechte sanitäre Bedingungen, fehlende Seife u.a.) zum Problem bei der Einhaltung hygienischer Mindeststandards werden. Die Schulträger haben zwar die Absicht die geforderten Maßnahmen an den Schulen umzusetzen und ihrer Verantwortung gerecht zu werden, sind aber u.a. aus den genannten Gründen, aber auch materiell und personell nicht überall in der Lage dazu.

Da die Wiederaufnahme des Schul- und Unterrichtsbetriebes von Fachleuten ohnehin als nicht unproblematisch gewertet wird, sehen wir hier Faktoren, die die Lehrkräfte und Schüler zusätzlich gefährden. Aus Gründen der Fürsorgepflicht dürfen Schulen, die nicht über die Ausstattung zur Einhaltung hygienischer Mindeststandards verfügen, nicht geöffnet werden.

Die Lehrkräfte stellen sich in dieser schwierigen Zeit verantwortungsvoll der Aufgabe, den Unterricht entsprechend der Vorgaben abzusichern, obwohl sie die gesundheitliche Situation der Schülerinnen und Schüler und ihres häuslichen Umfeldes nicht immer im Einzelnen kennen. Sie erwarten deshalb Unterstützung und Verlässlichkeit bezüglich der durch das MBJS veranlassten Maßnahmen. Ein Zeichen dafür wäre, den Lehrerkollegien wenigstens Mundschutz zur Verfügung zu stellen oder die Mundschutzpflicht auf die Schulen auszudehnen.

In den Anweisungen zur Wiederaufnahme des Schul- und Unterrichtsbetriebs wird nicht berücksichtigt, dass es an den Förderschulen im Schulalltag, sowohl im Unterricht als auch bei der Betreuung der Schülerinnen und Schüler notwendigerweise viele Situationen gibt, die erheblich von denen der anderen Schulen abweichen. Die Lehrerinnen und Lehrer, das pädagogische und betreuende Personal werden mit Aufgaben konfrontiert, deren Bewältigung nicht immer mit den aktuellen Hygienevorgaben vereinbar sind. Es ist deshalb dringend erforderlich, diese Schulen und Kollegien in ihrer Vorbereitung auf die Schulöffnung bzw. im laufenden Schulalltag unter den gegenwärtigen Bedingungen, besonders zu unterstützen.

Bei den Grund- und allgemeinbildenden Schulen wird das Augenmerk auf benachteiligte Schülerinnen und Schüler gerichtet. In den Förderschulen ist der Anteil dieser Kinder und Jugendlichen, die nicht nur Lerndefizite, sondern auch soziale, psychische und gesundheitliche Probleme haben, wesentlich höher. Das hohe Engagement der Kolleginnen und Kollegen, die an diesen Schulen arbeiten, reicht in der gegenwärtigen Situation nicht aus, um die anstehenden Aufgaben und Probleme zu lösen. Sie brauchen dringend materielle und personelle Unterstützung.

Wir erwarten in dieser besonderen Situation die Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer des Landes Brandenburg durch zeitnahe Lösungen für die angesprochenen Probleme.

Seit dem 20.04.2020 soll die schrittweise Öffnung der Schulen erfolgen, das teilte Ministerin Ernst am 17.04.2020 auf der Pressekonferenz mit. Dabei wurde nur ein grober Fahrplan für die nächsten Wochen vorgegeben. Völlig offen blieb dabei, wie man die notwendigen Hygienemaßnahmen für Schülerinnen und Schüler und das Lehrpersonal realisieren will. Dabei muss klar sein, dass nicht die Schulen die Voraussetzungen herstellen können. Hier müssen die Verantwortlichen der Kommunen dafür sorgen, dass vom Schulbus bis zum Klassenraum und natürlich den sanitären Einrichtungen in der Schule die Hygieneanforderungen erfüllt sind und täglich umgesetzt werden.

Dies ist nicht Auftrag der Schulen!

Für die Organisation des Unterrichts erwarten wir vom MBJS zeitnah klare Vorgaben an die Schulämter und Schulen, um ein einheitliches Vorgehen zu gewährleisten. Hierbei muss die Gesundheit aller Beteiligten im Vordergrund stehen. Dazu fordern wir klare Aussagen:

  1. Wer sind gefährdeten Personengruppen, sowohl bei den Lehrerinnen und Lehrern als auch bei den Schülerinnen und Schülern und wie werden sie bei der Schulöffnung berücksichtigt?
  1. Wie erfolgt die Bereitstellung von Mundschutzmasken zum Schutz für Schülerinnen und Schüler sowie für die Lehrerinnen und Lehrer?
  2. Beim schrittweisen Ausbau des Unterrichts wird eine Beschulung in Gruppen geplant. Wie soll die Unterrichtsorganisation ablaufen? Wie kann dabei ein ausgewogener Einsatz der Lehrerinnen und Lehrer umgesetzt werden?
  3. Welche Unterstützung erhalten die Schulen bei psychologischen Notlagen, die aus der besonderen gegenwärtigen Situation entstanden sind?
  4. Zum Schuljahresabschluss werden Zeugnisse erteilt. Wie wird der wochenlange Unterrichtsausfall bei der Erteilung der Halbjahresnoten berücksichtigt?

Wir erwarten vor der weiteren Öffnung der Schulen Maßnahmen und klare Konzepte, die den Schulen Sicherheit bei ihrer Arbeit geben.

Seit dem August 2018 protestiert Greta Thunberg, eine damals 16-jährige Schülerin, vor dem Schwedischen Landtag in Stockholm für die Rettung des Klimas. Dazu „schwänzt“ sie jeden
Freitag die Schule. Sie sagt, sie sei im Schulstreik, um auf das Problem der Passivität der Politik zur Verhinderung des Klimawandels aufmerksam zu machen.
Ihr Protest hat sich zu einer weltweiten Jugendbewegung entwickelt, die auch Deutschland und damit auch Brandenburg erreicht hat. Unter dem Motto „Fridays for future – Schulstreik für das Klima“ haben sich viele örtliche Organisationsteams gebildet, die entsprechende Demos an einem Freitag organisieren. Der nächste große und weltweite Protesttag wird der 20.September 2019, also der kommende Freitag, sein. Die New Yorker Schulbehörde hat nun erklärt: Wer deshalb nicht zum Unterricht kommt, ist entschuldigt. Hierzulande wird jedoch mit Konsequenzen wie Bußgeldern und Einträgen ins Klassenbuch gedroht.
Dem entgegen loben mehr oder weniger bekannte Politiker das Engagement der Schülerinnen und Schüler. Sie ermöglichen den protestierenden Schülerinnen und Schülern mediale
Aufmerksamkeit. Sie lassen sich gemeinsam von Pressefotografen ablichten und interviewen.
Diese Schülerinnen und Schüler bleiben jedoch nicht selten dem Unterricht fern und verstoßen dadurch gegen die gesetzlich verbriefte Schulpflicht. Wie sollen darauf nun die Pädagoginnen und Pädagogen reagieren?
Hartmut Stäker, der Präsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbandes, meint dazu:
„Diese Doppelzüngigkeit der Politik, auf der einen Seite das Engagement der Schülerinnen
und Schüler zu unterstützen und sie offen oder indirekt zur Teilnahme an den Demonstrationen aufzufordern, andererseits jedoch den Schulen die Verantwortung aufzubürden, wie mit
der Schulpflichtverletzung umzugehen ist, muss aufhören. Sollen die Schulpflichtverletzungen nun erfasst werden? Sollen die üblichen Konsequenzen folgen? Oder soll darüber der
Mantel des Schweigens gedeckt werden? Die Politik lässt uns Lehrerinnen und Lehrer wiedermal im Regen stehen. Es gibt keine eindeutige Anweisung vom MBJS, ob wir nun eher
pädagogisch oder juristisch reagieren sollen. Wir erwarten dies aber von unserem Dienstherrn.“

Brandenburgs Abschneiden beim diesjährigen Bildungsmonitor ist alles andere als rosig. Die Verschlechterung um 2,9 Punkte auf nur 43,7 Punkte im Vergleich zum Bildungsmonitor von 2013 bedeutet ein Abrutschen vom 11. Rang auf Rang 15. Nur noch Berlin steht schlechter da.

Was ist passiert seit 2013, dass die Brandenburger Bildung diesen Einbruch erlitten hat? Brandenburg hat jahrelang die Lehrerausbildung vernachlässigt. Das betrifft insbesondere die Berufsschullehrer. Die Altersstruktur ist dadurch schlecht und freiwerdende Stellen durch altersbedingt ausscheidende Lehrkräfte müssen immer häufiger mit Seiteneinsteigern besetzt werden. Trotz großer Bemühungen der Landesregierung die Attraktivität des Lehrerberufs in Brandenburg zu erhöhen, ist der Anteil der Seiteneinsteiger, der jährlich unter den Neueinstellungen ist, stetig gestiegen und nähert sich 2019 der 50-Prozent-Marke.

Ebenso hat die Umstellung der Rahmenlehrpläne auf konsequente Kompetenzorientierung dazu geführt, dass die Quote der Schulabgänger ohne Ausbildungs- oder Studienplatz mit 9,6 Prozent überdurchschnittlich hoch ist. Die Unternehmen, die die Azubis einstellen sollen, verlangen offenbar neben fachlichem Wissen und Können andere Fähigkeiten von den Jugendlichen.

Das schlechte Abschneiden Brandenburgs in der Forschungsorientierung und bei der Ausbildung von Hochschulabsolventen im MINT-Bereich kann man dem Bildungsministerium nur insoweit anlasten, dass in der Schule die Förderung von Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik zu gering ist. Das rächt sich in der zu geringen Bewerberzahl für die Ausbildung in den MINT-Berufen.

Seit den letzten zwei bis drei Jahren versucht die brandenburgische Bildungspolitik hier jedoch gegenzusteuern. So werden z.B. Schulen, die einen Schwerpunkt auf den MINT-Unterricht gelegt haben, mit dem Titel „MINT-freundliche Schule“ ausgezeichnet. Mit der Initiative „medienfit“ des MBJS wurden 50 Schulen ausgewählt, die im Unterricht und im Schulleben verstärkt neue Medien einsetzen sollen. Hier stimmt die Richtung also. Nur die Ergebnisse lassen noch auf sich warten.

Am 15.06.2019 hatte der BPV zu einer offenen Mitgliederversammlung eingeladen. Gegenstand dieser Veranstaltung war ein Austausch mit den für Bildung verantwortlichen Politikern der Parteien, die voraussichtlich nach der Landtagswahl 2019 im Brandenburger Landtag vertreten sein werden. Wir hatten dazu an die SPD, DIE LINKE, die CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, die AfD und die FDP entsprechende Einladungen und die Bildung betreffende Fragen geschickt.

Die Vertreter von CDU, SPD und LINKE ließen sich entschuldigen. Sie konnten aufgrund zeitgleicher wichtiger parteiinterner Termine nicht erscheinen, schickten uns aber als Diskussionsgrundlage Antworten zu unseren Fragen. Petra Budke, Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Jeff Staudacher, bildungspolitischer Sprecher der FDP, standen uns Rede und Antwort und diskutierten mit uns. Die AfD meldete sich nicht.

Aus den in der Veranstaltung gewonnenen Informationen, aus den von den nicht anwesenden Parteien zugeschickten Antworten und aus den bis zum 15.07.2019 veröffentlichten Wahlprogrammen der Parteien habe wir für den Bereich Bildung die Ziele gegenübergestellt.

Diese Gegenüberstellung (die nicht den Anspruch auf Vollständigkeit hat) und die Grundsätze des BPV zur Landtagswahl 2019 (Wahlprüfsteine) können Sie hier einsehen und herunterladen. Wir stellen  damit eine Entscheidungshilfe für Ihre Stimmabgabe am 01.09.2019 zur Verfügung.