Die Vorstellung des Koalitionsvertrages von SPD, Grünen und FDP kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), in einer ersten Bewertung wie folgt: „Erfreut stellen wir fest, dass einige unserer Forderungen Einzug in den Vertrag der Ampel-Koalition gefunden haben. Insbesondere die geplante engere, zielgenauere und verbindliche Kooperation aller Ebenen ist ein wichtiger Schritt für mehr Chancengleichheit.“

 

Auch die Verstetigung des Digitalpakts, die Weiterentwicklung der Qualitätsoffensive Lehrerbildung und das Startchancen-Programm böten Möglichkeiten, Bildung nachhaltig zu verbessern und somit mehr Bildungsgerechtigkeit zu schaffen, so Beckmann. Der VBE begrüßt, dass bürokratische Hürden im Digitalpakt und bei der Ausgestaltung des Ganztages abgebaut und ein niedrigschwelliger Zugang zu Fördermitteln ermöglicht werden soll.

 

Die im Koalitionsvertrag beschrieben Ziele werden sich aber nur erreichen lassen, wenn es gelingt, dass dafür notwendige qualifizierte pädagogische Personal zu gewinnen. Wie dies gelingen soll, dazu schweigen die Koalitionäre. Angesichts des bestehenden und weiterhin zu erwartenden Lehrkräftemangels sowie des fehlenden Personals im frühkindlichen Bereich, bleiben deshalb viele Frage offen. Die angekündigte deutliche Steigerung der Ausgaben für Bildung ist unabhängig davon grundsätzlich zu begrüßen.

Die in einer Pressemitteilung des MBJS angekündigte „Unterstützung und Entlastung“ der Schulen im Handeln gegen die Pandemie bleibt weit hinter den Maßnahmen im gleichen Zeitraum des Vorjahres zurück. Und das, obwohl die Schulen verschärfte Hotspots der Inzidenzen sind und als Pandemietreiber gesehen werden.

Der Brandenburgische Pädagogen-Verband (BPV) unterstützt in vollem Umfang die Forderungen des Hauptpersonalrates der Lehrkräfte.

Der BPV erwartet klare und angemessene Aussagen des MBJS zu möglichen Maßnahmen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Dabei muss sich der Einsatz der Lehrkräfte auf die Unterrichtsversorgung konzentrieren.

Den Schulen muss dabei die Möglichkeit eingeräumt werden, den Unterrichtsablauf und eine eventuell erforderliche Notbetreuung, entsprechend der pandemischen Situation eigenverantwortlich organisieren zu können.

Die Pressemitteilung stützt ihre angekündigten Maßnahmen auf eine nicht vorhandene flächendeckende digitale Ausstattung der Lehrkräfte und auf eine Personalausstattung an den Schulen, die ebenfalls in dem Umfang nicht zur Verfügung steht.

Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass allen an den Schulen Beschäftigten ausreichend Tests zur Verfügung stehen.

Die in der Mitteilung angekündigten Maßnahmen sind realitätsfremd und gehen deutlich am Bedarf vorbei. Sie dienen in der hochbrisanten Situation in keiner Weise der Gesundheitsfürsorge für Schülerinnen und Lehrkräfte.

Die erfreulicherweise fallenden Inzidenzen sind der Anlass für die Äußerung der Ministerin Frau Ernst in der Presse, dass die Schulen des Landes Brandenburg vor Schuljahresende wieder in den Präsenzunterricht gehen werden.

Das erfahren die Lehrkräfte, Schüler*innen und Eltern erneut zuerst über die Presse.

„Diese Art von Kommunikation mit den Betroffenen kritisieren wir aufs Schärfste gemeinsam mit anderen Gewerkschaften, Verbänden und Mitwirkungsgremien schon seit über einem Jahr“, sagt Präsident Hartmut Stäker.

Der Brandenburgische Pädagogen-Verband unterstützt grundsätzlich eine Rückkehr zum regulären Präsenzunterricht unter entsprechenden Voraussetzungen.

Dazu gehört u.a. die Einhaltung des gültigen Infektionsschutzgesetzes und eine vernünftige Vorlaufzeit für die Schulen.

Als Probleme sieht der BPV vor allem, dass noch nicht allen Lehrkräften die Möglichkeit einer Impfung zur Verfügung stand und dass aufgrund der Voraussetzungen in den Schulen bei Präsenzunterricht in vollen Klassen die auch weiterhin von den Virologen eingemahnten AHA-Regeln nicht eingehalten werden können.

forsa-Umfrage „Gewalt gegen Lehrkräfte und Schulleitung im Zusammenhang mit der Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen“

  • Repräsentative forsa-Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) zeigt, dass es an jeder vierten Schule psychische Gewalt gegen Lehrkräfte im Zusammenhang mit der Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen gibt – direkt oder/und über das Internet.
  • VBE-Bundesvorsitzender Beckmann wirft Politik vor, Konflikte durch Regelungschaos und verfehlte Kommunikation zu provozieren. Er verlangt, dass diese ihrer Verantwortung gerecht wird und insbesondere die Angriffe von außen eingedämmt werden.
  • VBE fordert transparente Reglungen, besseres Informationsmaterial und den vollen Schutz des Dienstherrn bei Angriffen gegen Beschäftigte, durch unbürokratische Meldung und schnelle Hilfe.

„Der Frust der Gesellschaft über bestehende ‚Coronaregeln‘ entlädt sich an Schule! Das Regelungschaos und die intransparente Kommunikation der Politik verunsichern viele. Die Folge sind Konflikte an der Schule. Hier werden Lehrkräfte und Schulleitungen dafür angegriffen, ihrer Arbeit nachzukommen und die verordneten Infektionsschutzmaßnahmen umzusetzen. Das darf so nicht hingenommen werden! Insbesondere die Kultusministerien sind in der Verantwortung, die Beschäftigten an Schulen zu schützen – sei es durch besseres Informationsmaterial, Ansprechpersonen in den Kultusministerien oder schlicht transparente Regelungen, die einleuchten und zu weniger Unmut führen. Vor allem aber dadurch, dass sie sich in Konfliktfällen voll hinter die Bedrohten stellen“, fordert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).

Schon seit 2016 beauftragt der Verband Bildung und Erziehung immer wieder forsa damit, repräsentative Untersuchungen zum Thema „Gewalt gegen Lehrkräfte“ durchzuführen. Diesmal lag der Fokus auf Konfliktfällen, die im Zusammenhang mit der Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen auftraten. Die Ergebnisse sind mit 1.501 Befragten bundesweit repräsentativ. Zudem gibt es Stichproben aus Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Ein Viertel der Befragten berichtet, dass Sie von direkten psychischen Angriffen gegen Lehrkräfte oder Schulleitungen an ihrer Schule wissen. Gefragt danach, von wem diese Angriffe ausgingen, nannten 84 Prozent der Befragten „Eltern“. Jede vierte Lehrkraft weiß von direkten psychischen Angriffen durch Schülerinnen und Schüler. Hinzu kommt, dass jede fünfte Lehrkraft davon berichtet, dass direkte psychische Angriffe von anderen Erwachsenen ausgehen, die zum Beispiel in Organisationen engagiert sind, die sich gegen Corona-Schutzmaßnahmen einsetzen.

Der VBE Bundesvorsitzende zeigt sich entsetzt: „Wir haben eine Situation, in der diejenigen, die Regelungen befolgen und umsetzen müssen – und zwar unabhängig davon, für wie richtig und wichtig sie diese selbst halten – dafür abgestraft werden. Lehrkräfte werden ungeschützt von der Politik zur Zielscheibe von Andersdenkenden. Es braucht ein klares Zeichen der politisch Verantwortlichen, dass jeder Angriff gegen eine Lehrkraft auch ein Angriff gegen die Institution Schule und damit gegen den Staat ist. Was gedenken die Kultusministerien zu tun, um Lehrkräfte davor zu schützen?“

Ähnliche Zahlen zeigt die Frage nach psychischer Gewalt über das Internet. Interessant ist, dass verglichen mit vorhergehenden Befragungen zum Thema Gewalt nur wenige Befragte von körperlicher Gewalt berichten – sicherlich auch, weil es nur eingeschränkt Präsenzunterricht gegeben hat und viele Online-Meetings. „Zwei Prozent der Befragten sagten trotzdem, dass es dazu kam. Wenn man das aber hochrechnet, heißt das immer noch, dass es innerhalb der letzten Monate an 650 der 32.500 allgemeinbildenden Schulen in Deutschland zu körperlichen Angriffen gegen Lehrkräfte oder die Schulleitung kam. Weil sie ihren Dienst taten“, betont Beckmann.

Lichtblick ist der Zusammenhalt im Kollegium. So berichten die meisten Lehrkräfte, die selbst Gewalterfahrung machten, dass sie sich anderen Lehrkräften oder der Schulleitung anvertrauten und sich hier auch gut unterstützt fühlten. An die Schulaufsicht wendeten sich nur 16 Prozent der Angegriffenen, an das Kultusministerium nur 2 Prozent. VBE Bundesvorsitzender Beckmann fordert daher wiederholt und vehement den Schutz der Beschäftigten durch den Dienstherrn ein. Dazu gehört:

  • schnelle und unbürokratische Meldung von Vorfällen,
  • umfangreiche juristische und psychologische Unterstützung nach Angriffen,
  • konkrete Ansprechpersonen im Kultusministerium, insbesondere für Fälle von Gewalt, die von externen Personen begangen wurden,
  • glaubwürdige, transparente und möglichst einheitliche Infektionsschutzmaßnahmen (inzidenzbasierter Stufenplan).

„Das Motto des diesjährigen Weltgesundheitstages, gesundheitliche Chancengleichheit, legt den Finger in die Wunde: Bildung und Gesundheit sind in Deutschland zwar Grundrechte, insbesondere sozio-ökonomisch benachteiligte Kinder und Jugendliche sind aber hierzulande in beidem immer noch stark benachteiligt – und das in einem so reichen Land wie der Bundesrepublik“, kritisiert der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, anlässlich des Weltgesundheitstages 2021.

„Ein zentraler und elementar wichtiger Faktor für die Prävention und den Gesundheitsschutz aller Kinder und Jugendliche sind Schulgesundheitsfachkräfte. Bereits im März 2017 forderte der VBE gemeinsam mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) die Ausbildung und den zeitnahen, bedarfsgerechten und flächendeckenden Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften und hatte dazu alle Gesundheits- und Kultusministerien angeschrieben. Die Chance auf eine Umsetzung wurde aber von der Politik bislang vertan und fällt uns in der aktuellen Corona Pandemie doppelt auf die Füße“, so Beckmann. „Als Teil von multiprofessionellen Teams können Schulgesundheitsfachkräfte einen wertvollen Beitrag für mehr Gesundheits- aber auch Bildungsgerechtigkeit leisten, indem sie Lehrkräfte, die für solche Aufgaben nicht ausgebildet sind, entlasten. Erkenntnisse aus anderen Ländern sowie aus Modellprojekten in Deutschland belegen verschiedene positive Effekte eindrücklich“, so Beckmann weiter.

Mit Blick auf die aktuelle Situation in der Corona-Pandemie stellt der Bundesvorsitzende fest: „Es wäre ein Segen, hätte die Politik ihre Verantwortung wahrgenommen. Dann könnten multiprofessionelle Teams unter Einbindung von Schulgesundheitsfachkräften jetzt zum Beispiel die so dringend benötigte fachkundige Unterstützung bei der Umsetzung des Infektionsschutzes an Schule leisten, Testungen durchführen und   Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte in dieser auch für die Psyche herausfordernden Zeit gezielt unterstützten. Es ist glasklar: Die Politik muss aus der aktuellen Situation lernen und hier schnellstmöglich tätig werden.“

Die Corona-Pandemie hinterlässt im Bereich Bildung nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern Spuren. Die aktuelle Situation an den Schulen greift auch erheblich in die Ausbildung der zukünftigen Lehrergeneration ein.

Der Brandenburgische Pädagogen-Verband sieht das mit großer Sorge und stellt fest, dass dieses Thema im MBJS völlig aus dem Fokus geraten ist und Probleme der Betroffenen mit Versprechungen und Ankündigungen abgespeist werden.

So wurde in Brandenburg vor einiger Zeit, als einzigem Bundesland, das Referendariat von 18 auf 12 Monate verkürzt, mit der Begründung, dass während des Studiums der Praxisanteil erhöht wird. In Wahrheit ist die praktische Ausbildung jedoch keineswegs derart überdurchschnittlich ausgeprägt.

An diesem Fakt scheitern gerade die Lehramtskandidaten in den Studienseminaren.

Ihre schulpraktischen Erfahrungen fallen durch die Kürzung und die gegenwärtigen Schulschließungen spärlich aus. Das beeinflusst sehr stark die Vorbereitung auf die Staatsexamensprüfungen und ihren Einstieg in die Praxis. Darüber hinaus gibt es in einer Verordnung des Landes Brandenburg widersprüchliche Aussagen zum Ablegen der genannten Prüfungen. Die gesetzlichen Vorgaben lassen Interpretationsspielraum für eine ungleiche Durchführung der Staatsexamina zu.

Das alles verunsichert die Lehramtskandidaten und lässt viele an ihrer Berufswahl zweifeln. Für uns als Gewerkschaft ist diese Situation nicht hinnehmbar, zumal akuter Lehrermangel herrscht und jede gut ausgebildete Lehrkraft dringend im Land Brandenburg gebraucht wird.

Diese Situation stellte Johannes Juschzak, Sprecher der Referendare im Brandenburgischen Pädagogen-Verband, in einem Brandbrief an die Ministerin Frau Ernst ausführlich dar. Seine Sorge ist vor allem darin begründet, dass der Ausbildung der zukünftigen Lehrergeneration zu wenig Bedeutung beigemessen wird. Dies zeigt sich deutlich in der fehlenden Kommunikation von Seiten des MBJS.

Wie soll die Qualität von Bildung in den nächsten Jahren aussehen, wenn wiederholt ganze Jahrgänge zur Schnellbesohlung frei gegeben sind und ihre Sorgen kleingeredet und missachtet werden?

Wann reagieren die Verantwortlichen im MBJS auf die Sorgen der zukünftigen Lehrkräfte, die im Land Brandenburg die Bildung gestalten wollen?

Herr Woidke, ist diese Ministerin noch tragbar?

Diese Frage möchte der Brandenburgische Pädagogen-Verband dem Ministerpräsidenten stellen.

Seit über einem Jahr sind die Schulen von den Auswirkungen der Pandemie betroffen und das Krisenmanagement des MBJS ist katastrophal. Es ist geprägt von äußerst kurzfristigen Anweisungen, Fehlentscheidungen und mangelnder Praxisnähe.

Nun ist das Fass am Überlaufen!

Vor einer Woche wurde mit dem Wissen, dass die Infektionszahlen steigen und entgegen aller Bedenken aus der Praxis, die Öffnung aller Schulen angeordnet.

Am gestrigen Sonntagnachmittag wurden die Schulleiter, Lehrer, Schüler und Eltern über die Presse informiert, dass ab heute keine Präsenzpflicht mehr in den Schulen besteht.

Von Verlässlichkeit, Besonnenheit und Verantwortungsbewusstsein durch die Ministerin kann hier wohl keine Rede mehr sein.

Überlegungen zu Schutzmaßnahmen in den Schulen blieben bis auf die Masken nur leere Gedankenspiele. Viele Menschen auf engstem Raum in den Klassen, Studien der Krankenkassen über hohe Infektionszahlen der Lehrkräfte, steigende Corona-Fälle unter den Schülern und anwachsende Quarantänezahlen in den Schulen, sind für das MBJS keine Gründe Maßnahmen einzuleiten, die der nun schon einjährigen Situation angepasst sind.

In dieser Zeit haben im Land Brandenburg die Schulleitungen mit den Lehrerinnen und Lehrern versucht, unter den gegebenen Bedingungen, den Schülerinnen und Schülern bestmöglich Bildung zu vermitteln. Dabei gehen die Lehrkräfte und Schulleitungen, den Bedingungen geschuldet, oft nicht nur über ihre Grenzen hinaus, sondern setzen auch ihre Gesundheit aufs Spiel.

Das weiß das MBJS und setzt an diesem Wochenende der ganzen Situation noch die Krone auf!

Bisher waren die Lehrkräfte und Schulleitungen noch engagiert bei der Umsetzung der oft diskussionswürdigen und äußerst kurzfristigen Entscheidungen des MBJS, doch nun ist der Punkt überschritten.

Wut und Entsetzen machen sich in den Lehrerzimmern und Chats breit über die sinnlosen und unüberlegten Entscheidungen durch das MBJS. Und die berechtigte Frage steht dabei im Raum:

Ist diese Ministerin noch tragbar?

Wie lautet die Antwort Herr Ministerpräsident?

Der Brandenburgische Pädagogen-Verband fordert für alle Lehrerinnen und Lehrer des Landes Brandenburg die Möglichkeit eine Corona-Schutzimpfung zu erhalten und vor den Schulöffnungen flächendeckende Selbsttests für alle Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler.

Das bedeutet aber nicht, dass die Lehrerinnen und Lehrer über ihre eigentlichen Aufgaben hinaus medizinische Maßnahmen übernehmen müssen. Wir lehnen es ab, dass die Selbsttests in Verantwortung der Lehrkräfte durchgeführt werden sollen.

Es ist unverantwortlich, dass alle Beteiligten über die Durchführung dieser Tests erst zwei Tage vor Schulöffnung informiert wurden, da diese Forderungen für flächendeckende Selbsttests in den Schulen für alle Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler vor den Schulöffnungen nicht neu sind.

Die Lehrkräfte werden unvorbereitet beauftragt diese Tests während der Unterrichtszeit zu überwachen und anzuleiten. Schutzmaßnahmen für Lehrkräfte spielen dabei keine Rolle.

Die Elternbriefe zur Einwilligung der Tests, führen außerdem dazu, dass die Wirksamkeit frühestens in der zweiten Schulwoche greift. Unklarheit herrscht außerdem darüber wie mit den Schülern verfahren werden soll, die keine Einwilligung vorlegen.

Diese getroffenen Maßnahmen erzeugen bei Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern Unsicherheit und Fragen. Die Schulen werden wiederholt mit kurzfristigen Maßnahmen überrollt und stellt die Kollegien vor kaum lösbare zusätzliche Herausforderungen.

Warum werden diese Maßnahmen nicht längerfristig vorbereitet und von den Schulträgern personell unterstützt? Speziell in den Grund- und Förderschulen werden die Lehrkräfte vor Aufgaben gestellt, die so nicht lösbar sind.

Wir unterstützen den Brief des Landeslehrerrates vom 11.3.2021 an die Ministerin, in dem diese Situation umfassend dargestellt wird.

In den vergangenen Wochen erhielten mit der Öffnung der Schulen die Erzieher und Lehrkräfte der Kitas und Grundschulen die Möglichkeit einer Impfung, während Lehrkräften, die durchgängig die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen unterrichten, bisher diese Möglichkeit nicht gewährt wurde. Da sich die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte nicht gravierend unterscheiden, fordern wir eine Gleichbehandlung aller Lehrerinnen und Lehrer bezüglich der Corona-Schutzimpfung und damit im Interesse des Gesundheitsschutzes unserer Kollegen zeitnah ebenfalls ein Angebot für sie.

Die Partnerverbände GÖD-aps aus Österreich (Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer) und VBE aus Deutschland (Verband Bildung und Erziehung) fordern den flächendeckenden, bedarfsgerechten Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften.

Paul Kimberger, Bundesvorsitzender der Österreichischen Gewerkschaft, nennt Gründe: „Wir sehen immer mehr Kinder mit chronischen Krankheiten in der Regelschule. Dies zum einen, weil mehr Kinder insgesamt chronisch krank sind oder werden, und zum anderen, weil durch die zunehmende Inklusion immer mehr Kinder mit zum Beispiel körperlichen Beeinträchtigungen an der Regelschule unterrichtet werden. Dies geschieht, ohne dass eine entsprechende medizinische Versorgung vor Ort gesichert ist. Lehrkräfte, die Assistenz bei der Medikamentengabe ausüben, begeben sich teilweise in gefährliche Grauzonen. Zudem übernehmen sie damit weitere Aufgaben, die nicht zum pädagogischen Kerngeschäft gehören. Das alles in einer Situation, die sowieso schon durch stetig steigende Anforderungen gekennzeichnet ist. Deshalb brauchen wir dringend Entlastung durch medizinisch geschultes Personal an Schulen!“

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender der Deutschen Interessenvertretung, sieht weitere Unterstützungsmöglichkeiten: „Schulgesundheitsfachkräfte können zudem in akuten Fällen zur Hilfe gezogen werden und schnell alles Notwendige regeln. Außerdem wären sie gerade in Pandemiezeiten ideale Partner vor Ort: Schnelltests machen, Fieber messen, Präventionsarbeit leisten – all das könnten Aufgaben von Schulgesundheitsfachkräften sein. Leider hat die Politik es in den letzten Jahren versäumt, rechtzeitig zu reagieren. Bereits seit vier Jahren setzt sich der VBE in Deutschland für die Einsetzung ein. Doch die Politik reagiert nicht! Dabei wäre es ein wichtiger Baustein für eine zukunftsfähige Schulinfrastruktur, jetzt die gelungenen Pilotprojekte aus Brandenburg und Hessen flächendeckend in Deutschland und Österreich umzusetzen!“

Die beiden Verbände haben eine gemeinsame Erklärung verfasst, die Sie hier nachlesen können. Hierin betonen sie die positiven Effekte auf die ganze Schulgemeinschaft. So zeigten die Pilotprojekte eine bessere psychische und physische Konstitution aller Beteiligten, ein höheres Gesundheitswissen, auch bei Familienangehörigen, und eine bessere Vernetzung mit weiteren medizinischen Einrichtungen. Zudem können Zuständigkeiten entflechtet und Lehrkräfte spürbar entlastet und somit bei ihrer persönlichen Gesundhaltung unterstützt werden. So kommen Schulgesundheitsfachkräfte auch ihnen zugute.

„Die neuen Zahlen des Robert-Koch-Instituts, die Aussagen über die Entwicklung des Infektionsgeschehens bei jüngeren Schüler:innen machen, sind alarmierend“, kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), die Altersgruppenverteilung bei den Neuinfektionen, die das RKI veröffentlicht hat. „Wir haben laut RKI innerhalb von drei Wochen eine Verdoppelung der Zahlen in der Gruppe der 5- bis 9-Jährigen. Die Vermutung, dass dies mit den vor 3 Wochen begonnenen Schulöffnungen in unmittelbarem Zusammenhang steht, liegt nahe. Wir warnen davor, Schulöffnungen weiter voranzutreiben, solange die Ursachen hierfür nicht eindeutig geklärt sind und der aus den drei Säulen Impfen, Testen und von Hygienekonzepten besehende Gesundheitsschutz ohne jegliche Einschränkung nicht umgesetzt werden kann. Vor diesem Hintergrund des bestehenden Infektionsgeschehens ist der von der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten:innen vereinbarte Mindestanspruch von einer Testung pro Woche eine Lachnummer. Zudem ist das Impfangebot für Lehrkräfte mit Hochdruck auszuweiten.“