VBE Studie zeigt: 150€ Zuschuss ist keine Lösung
„Digitalisierung gibt es nicht zum Nulltarif – auch nicht für 150 Euro Zuschuss. Die Politik ist für die Ausstattung der Schulen verantwortlich. Niemand sonst! Zuschüsse vom Bund sind ein guter Beginn, aber auch für den Rest muss gesorgt werden. Hier sehen wir die Länder in Abstimmung mit den Kommunen in der Pflicht. Allen Beteiligten muss klar sein, dass Eltern und Jugendliche, die sich bisher die Anschaffung eines digitalen Endgerätes nicht leisten können, dies auch mit 150 Euro mehr nicht
schaffen werden. Das anzunehmen, wäre nur blanker Hohn, wenn man sich die Preise für Tablets und Laptops ansieht“, kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und
Erziehung (VBE), zu dem Sofortausstattungsprogramm des Bundes, welches mit 500 Millionen Euro den weiteren Ausbau der digitalen Infrastruktur fördern soll. Hierüber berichtete heute die dpa.
Grundforderung des VBE bleibe, so Beckmann, dass alle Schülerinnen und Schüler angemessen mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden. Er kritisiert: „Anstatt aber wirklich die Verantwortung für die adäquate Ausstattung der Kinder und Jugendlichen zu übernehmen, wird mit dem Sofortausstattungsprogramm anscheinend auf Bring Your Own Device (BYOD) gesetzt. Dabei konnten wir in einer repräsentativen forsa-Umfrage zur Digitalisierung an Schulen unter Schulleitungen bereits eindeutig zeigen, dass es so nicht klappen wird. Es fehlen einfach zu viele Geräte. So sagen 70 Prozent der Schulleitungen, dass einzelne Kinder kein Gerät haben und die Hälfte sagt, dass die Gefahr des Mobbings bei unterschiedlicher Ausstattung steigt. Denn: Auch mit 150 Euro Zuschuss wird kein Gerät erworben werden können, dass der Geräteschau im Klassenzimmer standhalten kann. Eine einheitliche Geräteausstattung von Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften ist unabdingbar. Nicht zuletzt, um den Lehrkräften nicht auch noch aufzubürden, sich um verschiedene Geräte und Betriebssysteme und die damit verbundenen Probleme der Kompatibilität von Lernprogrammen zu kümmern.“
MBJS regelt Schulbetrieb ab 20.04.2020
Schlussfolgernd aus der Pressekonferenz der Landesregierung vom 17.04.2020 hat sich das MBJS an die Leiter der Staatlichen Schulämter gewandt. Wie die schrittweisen Öffnung der Schulen im Verlauf der kommenden Wochen erfolgen sollen, legt dieses Schreiben des MBJS vom 17.04.2020 fest:
Die Forderungen für die sukzessiven Schulöffnungen unseres Bundesverbandes, VBE finden Sie in nachfolgendem Beitrag:
Forderungen für Schulöffnungen
Entsprechend der bisher bekannt gewordenen Einigungen zwischen Bundesregierung und Ministerpräsidentenkonferenz kommentiert der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann:
„Wir begrüßen, dass Einigkeit darüber erzielt werden konnte, dass die Bedingungen im Moment nicht gegeben sind, um die Schulen zu öffnen.“ Die Kultusministerkonferenz (KMK) wurde damit beauftragt, bis zum 29. April 2020 Szenarien zu erarbeiten, wie ab dem 04. Mai 2020 Schulöffnungen umgesetzt
werden können. Vor diesem Hintergrund fordert der Bundesvorsitzende: „Die Politik muss praktikable Regelungen erarbeiten -mit bestem Wissen und Gewissen, beraten durch Wissenschaft und unter Einbezug der Stimmen aus der Praxis. Der VBE Bundesverband und seine 16 Landesverbände stehen gerne zur Verfügung, um in die Ausgestaltung der Regelungen die Expertise der Praxis einzubringen. Wichtig ist, dass alle getroffenen Öffnungsmaßnahmen von hoher Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit sind. Eine Stop-and-Go-Strategie, die Schulen zu Experimentierstätten macht, muss ist inakzeptabel.“
Der VBE formuliert fünf Kernforderungen für Schulöffnungen:
1. Vorlaufzeit für Öffnungen
Der Bundesvorsitzende betont: „Wir müssen auf die Öffnungen besser vorbereitet sein als auf die Schließungen! Es braucht insbesondere Zeit, damit die Lehrkräfte sich austauschen, den Lernstand abgleichen und sich Gedanken machen können, wie der Wiedereinstieg in den Schulalltag gestaltet werden kann.“
2. Klare Regelungen und Mindeststandards für den Schulalltag definieren
Gerade für Schulleitungen sind Vorgaben essenziell, wie die Klassenräume gestaltet, der notwendige Abstand eingehalten und die Hygieneregeln eingehalten werden können. Hierzu gehören folgende Vorgaben:
- Ausgestaltung der Sanitäranlagen, u.a. mit Seife und Papierhandtüchern.
- Maximale Personenanzahl pro Raum unter Einbezug der tatsächlich zur Verfügung stehenden Raumgröße.
- Regelungen für Pausengestaltung.
- Lösungen für die Schülerbeförderung.
3. Personalkapazitäten und Arbeitszeitvorgaben beachten
Für alle Szenarien muss stets das tatsächlich zur Verfügung stehende Personalvor Ort eingerechnet werden. Hierbei muss einerseits an den bereits existierenden Personalmangel und andererseits an den weiteren Ausfall von Personal, der durch den Schutz besonders gefährdeter Lehrkräften entsteht, gedacht werden.
Die Arbeitsbelastung des Personals muss stets beachtet werden. Die geltenden Vorgaben dürfen nicht überschritten werden. Dies gilt insbesondere für Überlegungen der Teilung von Klassen und zu im Schichtmodell durchgeführtem Unterricht sowie für die Lehrkräfte, die bei einer schrittweisen Aufnahme des Unterrichts sowohl Präsenzunterricht geben als auch Schülerinnen und Schüler zuhause betreuen müssten.
4. Definition der Risikogruppen und besonders disponierter Personen
Bei Schulöffnungen muss feststehen, ob und wenn ja wie Risikogruppen, sowohl unter dem Personal als auch bei Schülerinnen und Schülern, besonders geschützt werden müssen und können. Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf insbesondere in den Bereichen geistige, körperliche und motorische Entwicklung sowie mit emotionalen sozialen Entwicklungsstörungen benötigen teilweise Assistenz im Schulalltag. Dem muss mit Regelungen für die Unterrichtung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen, die auf Nähe und Körperkontakt angewiesen sind,
Rechnung getragen werden. Für gesundheitlich gefährdete Schülerinnen und Schülern, die noch nicht beschult werden können, müssen konkrete Pläne entwickelt werden. Geregelt werden muss, wie regelmäßiger Kontakt zu Lehrkräften, Sozial- und Gesundheitsfachkräften sichergestellt werden kann.
5. Verhalten von Schülerinnen und Schülern einrechnen
Der Fokus der Öffnung von Schulen sollte anfangs nicht auf dem Erbringen bewertbarer Leistungen liegen, sondern auf der Restrukturierung des Alltags. Die besondere Situation und die langen Schulschließungen hatten und haben psychische Effekte für alle Bildungsbeteiligten. Dem Erlebten muss Raum gegeben werden können.
Schülerinnen und Schüler egal welchen Alters werden sich zudem (ob bewusst oder unbewusst, aus Spaß oder erlernten Rollenmustern) nicht immer an die Hygieneregeln halten (können). Es ist grundlegend, dies bei allen Vorgaben einzubeziehen und keine unrealistischen Anforderungen an sie zu stellen.
Darüber hinaus gelte, so Beckmann: „Bis zu den Öffnungen der Schulen muss der aktuelle Zustand kontinuierlich verbessert und jetzt schon offensichtliche Missstände behoben werden. Die Notbetreuung muss weitergehen und auch für Kinder in Notlagen geöffnet werden. Alle Tätigkeiten des Jugendschutzes sind als systemrelevant zu kennzeichnen und müssen entsprechend weitergeführt werden. Kinder ohne Endgeräte müssen welche erhalten. Wir müssen alles tun, um die Bildungsungerechtigkeiten nicht weiter zu verstärken und um Kinder vor Gefahrensituationen zu beschützen.“
VBE-Chef Udo Beckmann zieht Bilanz aus den Schulschließungen
Seit drei Wochen sind die Schulen in Deutschland geschlossen – heute beginnen in neun Bundesländern die Osterferien. Zeit für eine Zwischenbilanz. Wie hat der Fernunterricht aus Lehrersicht bislang geklappt? Und wie sind die Aussichten für die Zeit nach der Ferienpause? Können wir schon jetzt aus der Krise eine Lehre ziehen? Wir sprachen darüber mit dem Bundesvorsitzenden des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Der VBE vertritt die Interessen von 164.000 Pädagoginnen und Pädagogen in Deutschland.
News4teachers: Auf News4teachers wird intensiv die These des Hamburger Klinikdirektors Prof. Dr. Ansgar Lohse (60) diskutiert, die Schulen und Kitas schnell wieder zu öffnen, um in der Bevölkerung eine „Herdenimmunität“ gegen das Corona-Virus aufzubauen. Ist das für Sie als Bundesvorsitzender eines Lehrerverbands eine diskutable Position?
Beckmann: Wir sind keine Experten für Virologie. Zum jetzigen Zeitpunkt hat sich an der Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums, weiten Teilen der Wissenschaft und dem Robert-Koch-Institut keine Änderung ergeben. Schulschließungen entfalten demnach eine „Bremswirkung“ bei der Ausbreitung des Virus, da Kontakte vermieden werden und sich der Bewegungsradius deutlich eindämmt. Bei all den Unwägbarkeiten und Gedankenspielen, müssen wir darauf vertrauen, dass die Politik unter Einbezug der Wissenschaft Entscheidungen trifft, die am besten für das Wohl der Gemeinschaft sorgen – und gleichermaßen gesamtgesellschaftlich vertretbar sind. Das ist keine leichte Position.

„Unverhofft kommt oft“: VBE-Chef Udo Beckmann. Foto: VBE / Jean-Michel Lannier
„Schulleitungen und Lehrkräfte arbeiten am Limit“
News4teachers: Apropos „Gedankenspiele“: Sie haben in der vergangenen Woche für Wirbel gesorgt, weil Sie eine Verkürzung der Sommerferien ins Gespräch gebracht haben. Ist das eine realistische Möglichkeit?
Beckmann: Lassen Sie mich eines klarstellen: Ich habe zu keiner Zeit eine Verkürzung der Sommerferien gefordert. Bei dem Interview in der Frankfurter Rundschau lag der Fokus klar auf Kinder in verschiedenen Notlagen und es ging darum, wie verhindert werden kann, dass es zu zusätzlichen Bildungsungerechtigkeiten kommt. Als eine mögliche Option habe ich dann auf die Frage, was nach mehrmonatigen Schulschließungen helfen könnte, ins Spiel gebracht, über die Verkürzung der Sommerferien nachzudenken. Das wurde schnell aufgebauscht zu einer Grundsatzforderung, die es so von mir und vom VBE nie gab.
News4teachers: Würden Sie die „Kürzung der Sommerferien“ als Option bestehen lassen?
Beckmann: Ganz klar: Nein. Die ausgelöste Diskussion – sowohl innerverbandlich als auch mit Bildungsbeteiligten außerhalb des Verbandes – haben mir gezeigt, dass dies aus vielerlei Gründen keine Option ist.
Lehrkräfte und Schulleitungen arbeiten in normalen Zeiten schon am Limit und sind gerade besonders gefordert. Außerdem war auch die Rückmeldung der Eltern, dass Kinder die Ferien brauchen, um sich in diesem Freiraum von der Situation des „zu-Hause-Lernens“ freizumachen, sich zu erholen und sich ein Stück weit auch psychisch zu befreien.
Der Punkt bleibt, dass es nachhaltige Lösungen braucht, um die unterschiedlichen Entwicklungen, welche die Schülerinnen und Schüler gerade machen, wieder zusammenzuführen. Der Schlüssel ist die individuelle Förderung. Wir kritisieren seit langem, dass die Möglichkeiten hierfür noch nicht ausreichend sind. In der „Nach-Corona-Zeit“ muss die Politik deutlich Anstrengungen unternehmen, damit das gelingt.
Wir brauchen aber auch konkrete Verbesserung im Ist-Zustand. Hier sehen wir, dass die Bildungspolitik sich in einer großen Dynamik befindet und vor allem versucht, Strukturen aufzubrechen, die digitalen Angebote zu erweitern und Prüfungstermine zu verschieben. Das begrüßen wir natürlich, erinnern aber auch daran, dass zumindest bei Prüfungen ein möglichst bundeseinheitliches Vorgehen erreicht werden sollte.
„Hygienestandards für Lehrkräfte und Schüler stets einhalten“
News4teachers: Laut des Beschlusses der Kultusministerkonferenz sollten für Abiturprüfungen auch sonst geschlossene Schulen öffnen. Was sagen Sie dazu?
Beckmann: Auch hier gilt, es muss von den Gesundheitsexperten als verantwortbar eingestuft werden. Sollten für die Prüfungen die Schulen vorzeitig geöffnet werden, muss bei der Durchführung unbedingt sichergestellt sein, dass die Hygienestandards und der Sicherheitsabstand für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler stets eingehalten werden können. Um insbesondere den Abstand zu gewährleisten, bedarf es mehr Aufsichtspersonal als in den Vorjahren, da dann in unterschiedlichen Räumen geschrieben werden muss. Das führt dann aber gleich wieder zu unserer Kernforderung, älteren und chronisch vorerkrankten Lehrkräften die Möglichkeit zu geben, sich zu schützen und zu Hause zu bleiben. Zudem stehen wegen der Betreuung eigener Kinder auch ein Teil der Lehrkräfte nicht zur Verfügung. Jede Entscheidung löst gerade eine Kettenreaktion aus und muss daher sorgsam durchdacht werden.
News4teachers: Seit fast drei Wochen sind die Schulen und Kitas in Deutschland geschlossen. Unterricht läuft trotzdem – aus der Ferne. Wie ist Ihr Eindruck – klappt das Lernen zu Hause?
Beckmann: Insbesondere die Gespräche mit Lehrkräften haben mir nochmal Einblick in ihre tolle Arbeit gegeben – trotz oft schwierigster Rahmenbedingungen: Da draußen werden gerade sehr kreative Lösungen gefunden. Gleichzeitig sehen wir eine große Heterogenität, von Land zu Land, Ort zu Ort, aber auch von Schule zu Schule. Die Regelungen lassen große Interpretationsspielräume zu, was dazu führt, dass mancherorts sehr viele Aufgaben ausgegeben werden und anderswo eher wenige. Fakt ist: Die Lehrkräfte versuchen auch in dieser Situation für Schülerinnen und Schüler bestmögliche Unterstützung zu erreichen. Hilfreich ist, wenn das, was an Regelungen durch die Schulbehörden herausgegeben wird, möglichst konkret gefasst ist. Im Moment fahren wir auf Sicht. Das geht oft gar nicht anders. Trotzdem tut die Politik gut daran, nicht nur über ein „nach Corona“ nachzudenken, sondern den momentanen Zustand zu verbessern.
Wie schon gesagt, bricht sich eine große Kreativität Bahn: Das beginnt bei der Lehrerin, die auf einer Parkbank sitzend ihre Aufgaben an Eltern ausgibt bis hin zu den Lehrkräften, die sich jetzt auf den Weg machen, einzelne Unterrichtsstunden auch digital zu halten. Hier ist die Forderung ganz klar, dieses Engagement zu unterstützen, Serverkapazitäten der länderspezifischen Lernplattformen zu erweitern und dafür zu sorgen, dass auch wirklich alle Kinder, die solche Angebote wahrnehmen möchten, dafür ausgestattet sind.
News4teachers: …aber selbst viele Lehrkräfte sind noch nicht ausgestattet dafür.
Beckmann: Genau! Deshalb darf auch keineswegs von den Schulministerien erwartet werden, dass jetzt alle Lehrkräfte digital unterrichten. Das verkennt, dass es das Versäumnis der Politik war, die Digitalisierung im Bildungsbereich nicht rechtzeitig anzupacken. Der Digitalpakt wurde über 2,5 Jahre verschleppt. Ergebnis ist, dass unsere aktuelle forsa-Schulleiterbefragung ergab, dass es noch immer nur an jeder dritten Schule Klassensätze von digitalen Endgeräten gibt. Zudem haben bisher entsprechende Fortbildungsangebote gefehlt. Von daher haben Lehrkräfte zum Teil gar keine andere Möglichkeit als zum Telefon zu greifen und analoge Arbeitsmaterialien auszugeben.
„Gemeinsame Verantwortung von Lehrkräften und Eltern wird gestärkt“
News4teachers: Nur wird damit das Problem der Bildungsungerechtigkeit ja auch nicht gelöst, oder?
Beckmann: Nein, denn wir sehen, dass es Kinder gibt, die bei Problemen mit den Aufgaben allein sind und welche, die durch ihre Eltern unterstützt werden können oder bezahlten Nachhilfeunterricht bekommen. Hinzu kommen die Unterschiede bei der digitalen Infrastruktur mit Geräten und Internet. Sollten die Schulschließungen andauern, muss es im Fokus der Politik stehen, dies auszugleichen. Ein entscheidender Schritt wäre die Umsetzung der Überlegung des Hamburger Schulsenators Ties Rabe, Tablets aus dem Schulbestand auszugeben. Dort, wo es keine gibt, muss auch über die zeitnahe Anschaffung nachgedacht werden. Die Überlegung muss dann aber auch beinhalten, wo das Internet für eine Benutzung der Endgeräte herkommen soll und wer die Kosten dafür übernimmt. Positiv ist auch, wie sehr durch diese Krise die gemeinsame Verantwortung von Lehrkräften und Eltern für die Bildungsbiografie der Kinder gestärkt wird.
News4teachers: Wenn es mit dem Präsenzunterricht nach den Osterferien noch nicht wieder losgehen kann – was könnten Möglichkeiten sein, um das Schuljahr nicht vollends zu verlieren?
Beckmann: Dazu muss man feststellen, dass dreiviertel des Schuljahres in den meisten Bundesländern vollzogen sind. Deshalb denken ja erste Bundesländer, wie Niedersachsen, auch darüber nach, nur die bisher erbrachten Leistungen zu bewerten.
Klar ist auch: Mehr als momentan bei allen unterschiedlichen Bedingungen seitens der Lehrkräfte geleistet wird, ist kaum vorstellbar. Ich würde vor allem den Blick darauf richten, wie den Lehrkräften weitere Möglichkeiten der digitalen Unterstützung eröffnet werden können und dann darauf fokussieren, was von dem, was in diesem Schuljahr noch an Lerninhalten aussteht, verzichtbar ist. Vielleicht können einzelne Inhalte zu einem späteren Zeitpunkt in einen neuen Kontext eingebunden werden. Zudem begrüßen wir die Entscheidung der Kultusministerkonferenz (KMK) sehr, die externen Vergleichstests nicht verpflichtend durchzuführen. Der IQB-Bildungstrend wurde verschoben und für VERA 3 und 8 gilt keine Teilnahmeverpflichtung. Das entlastet.
News4teachers: Was denken Sie: Wie kann ein Wiedereinstiegsszenario für die Schulen und Kitas aussehen?
Beckmann: Die Ausarbeitung der verschiedenen Szenarien überlasse ich lieber den Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft. Der Vorschlag des Vorstandsvorsitzenden des Weltärzteverbands, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Schulen schrittweise zu öffnen, ist sicherlich ein möglicher Weg. Er bezieht das vor allem auf stark und eher schwach betroffene Gebiete. Die Kultusministerin aus Baden-Württemberg, Susanne Eisenmann, denkt gerade ebenfalls über eine schrittweise Öffnung nach, wobei ‚an den Grundschulen an einigen Tagen die Klassen eins und zwei kommen, an den anderen die Klassen drei und vier‘.
Aber wir lernen ja jeden Tag dazu. Nicht ohne Grund wird die Entscheidung, wie es mit den Schulen weitergeht, durch die Politik erst nach Ostern getroffen. Priorität hat die Gesundhaltung der Bevölkerung. Dem nachgeordnet kann mit Blick auf die positive Wirkung für das Gemeinwesen und der notwendigen wirtschaftlichen Aktivitäten unter Berücksichtigung des Schutzes der Beschäftigten der Kreis der anspruchsberechtigten Eltern bei der Betreuung ihrer Kinder in der Kita langsam ausgeweitet werden.
Für die Schulen gelten die gleichen Prämissen. Hier sollte man vor allem die Schülerinnen und Schüler im Blick haben, die noch Prüfungsleistungen zu erbringen haben (10. und 12./13. Klasse) und die vor dem Übergang in die weiterführenden Schulen stehen (4. bzw. 6 Klasse).
Gerade weil der Virus uns noch einige Zeit beschäftigen wird, auch wenn wieder Lockerungen im Bereich der Schulen vorgenommen werden könnten, bleibt der Aspekt der Sicherstellung der Hygienemaßnahmen ein ganz wesentlicher.
News4teachers: Gibt es für Sie eine Lehre, die wir aus der Situation ziehen können?
Beckmann: Ganz lapidar ist es die Bewahrheitung des Sprichwortes „Unverhofft kommt oft.“ So unvorhersehbar diese Situation kam, die in der neueren Geschichte Deutschlands einzigartig ist, sehen wir doch, dass es anderen Ländern in der Bildungspolitik besser gelingt, damit umzugehen, weil sie u.a. bei der Digitalisierung weiter sind und das Bildungssystem schon vor Corona besser auf die Vermeidung von Bildungsungerechtigkeiten eingestellt war. Nur nützt uns der Vergleich jetzt auch nichts.
Nun heißt es: Nach vorne schauen, mit und in der Situation leben. Die Pädagoginnen und Pädagogen nehmen diese Herausforderung gerade allerorten mit großem Engagement an.
Quelle: https://www.news4teachers.de/2020/04/wir-lernen-jeden-tag-dazu-vbe-chef-udo-beckmann-zieht-nach-drei-wochen-eine-erste-bilanz-aus-den-schulschliessungen/
KMK entscheidet gegen VERA 3 und VERA 8
„Wir wissen, welche zusätzliche Belastung die Durchführung der externen Lernstandserhebungen, sei es der IQB-Bildungstrend, Vera 3 und 8 oder auch PISA, für Lehrkräfte bedeuten. Wir begrüßen daher die Entscheidung der Kultusministerkonferenz (KMK), den IQB-Bildungstrend zu verschieben und die Teilnahmeverpflichtung für Vera 3 und 8 aufzuheben. Das ist ein wichtiges Signal an die Lehrkräfte, sich auf ihre Kernarbeit zu fokussieren. Denn wenn der Lehrbetrieb wieder regulär an den Schulen aufgenommen werden kann, haben diese ganz andere Herausforderungen. So muss es zunächst darum gehen, die Schülerinnen und Schüler wieder an Strukturen zu gewöhnen, ihnen Raum zu geben, über Erlebtes zu berichten und fachlich zu versuchen, den Lernstand entsprechend der Fähigkeiten der
Kinder wieder sukzessive anzugleichen. Vergleichstest haben hier keinen Platz. In den letzten Jahren hat die KMK immer wieder deutlich gemacht, wie wichtig ihnen diese Instrumente sind. Deshalb zeigt die Entscheidung den Ernst der Lage, aber auch das umsichtige und einheitliche Handeln der Länder. Einmal mehr wird mit der Verständigung auf einen allgemeinen Rahmen der Bildungsföderalismus gestärkt“, kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), die aktuelle KMK-Entscheidung.
BPV Fachtagung Herausforderung Schulalltag 7 abgesagt
Unser Fortbildungstag „Herausforderung Schulalltag 7“ am 09.05.2020 in der Heidegrundschule Spremberg wird aufgrund der aktuellen besonderen Lage abgesagt.
Die nächste von uns organisierte Fachtagung für den südlichen Bereich Brandenburgs findet dann voraussichtlich im Mai 2021 statt.
Das Organisationsteam
Digitales Lehren und Lernen: Kostenlose Materialien und Webinare der Bildungsmedienverlage
Schulschließungen wegen des neuartigen Corona-Virus stellen Lehrkräfte, Schüler*innen und Eltern vor Herausforderungen. Viele Bildungsmedienverlage bieten kostenlose Materialien und Webinare für das digitale Lehren und Lernen zu Hause an.
Der Verband Bildungsmedien e. V., der die rund 80 Bildungsmedienverlage in Deutschland vertritt, hat die Angebote in einer kommentierten Link-Liste zusammengefasst:
www.bildungsmedien.de/service/digitales-lehren-und-lernen
Die Liste wird fortlaufend aktualisiert.
Die Bildungsmedienverlage in Deutschland sind Partner der Schulen und Lehrkräfte, auch wenn es um die Digitalisierung an Schulen geht. Sie setzen sich dafür ein, dass digitale Bildungsmedien leichter verfügbar sind und alle Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte die politischen, rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen haben, diese Medien gezielt und pädagogisch sinnvoll einzusetzen.
Der Verband Bildungsmedien e.V. hofft, dass die Lehrerinnen und Lehrern bei der Bewältigung der außergewöhnlichen Unterrichtsbedingungen mit dieser Zusammenstellung ein wenig unterstützt werden.
Mitgliederbrief zu Corona
Sehr geehrte BPV-Mitglieder, liebe Kolleginnen und Kollegen,
aufgrund der aktuellen Lage fand gestern ein Krisengespräch zwischen Bildungsministerin Ernst und Vertretern der GEW, des BPV und des BLV statt.
Dabei wurde das MBJS aufgefordert die Regelungen des RS 10/20 zu korrigieren bzw. einzelne Anweisungen zurückzunehmen. Insbesondere die Nr. 2b, wonach die Dienstpflichten grundsätzlich in der Schule zu erledigen sind, wurde durch uns beanstandetet. Im Gespräch bestand Konsens, das dies den Bemühungen, soziale Kontakte zu minimieren, entgegensteht. Die Ministerin versprach, diese Anweisung zu konkretisieren bzw. abzuändern. Unter den Hinweisen des Rundschreibens zu 2b wurde auch die Empfehlung gegeben, die unterrichtsfreie Zeit für schulinterne Fortbildungen über das BUSS zu nutzen. Diese Passage soll ebenfalls zurückgenommen werden.
Aufgrund vieler Beschwerden, die diesbezüglich bei uns eingegangen sind, hat der BPV sich gestern Abend noch mit einem Brief an die Ministerin gewandt.
Bisher jedoch hat das Ministerium nicht reagiert, was wir als sehr fahrlässig ansehen. Die Kolleginnen und Kollegen, die ab morgen in der Schule ihre Präsenzzeit „absitzen“ sollen, können vor Ort aufgrund fehlender Materialien und Technik nicht effektiv an den Aufgabenstellungen für den Fernunterricht arbeiten. Im Gegenteil: Durch ihre gemeinsame Anwesenheit kommt es zu vermeidbaren Kontakten und eventuell vorhandene Coronaviren haben eine gute Möglichkeit sich gleichmäßig unter den Anwesenden zu verteilen.
Es gibt einige SchulleiterInnen, die entgegen der Anweisung der Präsenzzeit aus dem Rundschreiben 10/20 ihre KollegInnen von zuhause aus arbeiten lassen. Denen danken wir.
Ungeklärt ist noch, wie der Schulbetrieb für Förderschulen mit dem Schwerpunkt „geistige Entwicklung“ organisiert wird. Hier ist laut Rundschreiben der Unterrichtsbetrieb zu sichern. Eine Umstellung auf Ferienbetrieb ist nach Aussagen des MBJS nicht möglich, da dann die Betreuung durch andere Träger zu erfolgen hat. An einer Lösung wird gearbeitet.
Des Weiteren gibt es in einigen Kommunen Überlegungen, den Hortbetrieb teilweise durch Lehrkräfte absichern zu lassen. Dazu sind Sie nicht verpflichtet, können sich aber freiwillig breiterklären.
Für die Durchführung der Abiturprüfungen und der Prüfungen zum mittleren Schulabschluss hofft man, dass diese zu den regulären Terminen stattfinden können. Man denkt aber auch über die Verlegung auf die Nachschreibetermine nach. Es sollen voraussichtlich die Schüler entscheiden, zu welchen Terminen sie sich optimal vorbereitet fühlen. Sollten die Prüfungen verschoben werden müssen, dann werden zunächst die Nachschreibetermine zu regulären Terminen. Neue Nachschreibetermine werden dann bekanntgegeben.
Bitte gehen Sie davon aus, dass auch nach Ostern noch nicht mit einem regulären Schulbetrieb zu rechnen ist. Versuchen Sie lösungsorientiert den Spagat zwischen Dienstpflichten und Eigenschutz hinzubekommen. Ebenso gilt für Lehrkräfte kein besonderer Status, so dass bspw. auch kein Anspruch auf Notfallbetreuung für Ihre Kinder besteht.
Bleiben Sie gesund!
Für Fragen stehen wir Ihnen auf den gewohnten Kontakten zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Hartmut Stäker
Aktualisierung: Unmittelbar nach Versenden der Mitgliederinfo hat das MBJS Ergänzungen zum Rundschreiben 10/20 erlassen, die die in der Info angesprochenen Punkte lösen bzw. entschärfen. Wir bitten, diese zur Kenntnis zu nehmen. Diese Ergänzungen stehen hier zum Download bereit:
Pressefreiheit, was ist das? Material für Lehrkräfte an Schulen
Reporter ohne Grenzen hat eine Weltkarte für Lehrkräfte entwickelt, die Interessierten einen Handlungsfaden für Themen wie Medienkompetenz, Pressefreiheit und Umgang mit sozialen Medien im Unterricht bereitstellt. Auf der Vorderseite ist eine Weltkarte abgebildet, die einen guten Überblick darüber gibt, wie es weltweit um die Pressefreiheit bestellt ist. Die Rückseite bietet neben Informationen zu den angesprochenen Themenfeldern auch Vorschläge für eine weitergehende Beschäftigung mit dem Komplex Presse- und Informationsfreiheit: Spiele, Grundlagentexte und die vollständige Rangliste der Pressefreiheit.
Die Karte kann ab sofort kostenlos im Klassensatz bei der Organisation bestellt werden, es fallen lediglich Portokosten an. Zusatzmaterial, digitale Weltkarte sowie Bestellmöglichkeit unter www.reporter-ohne-grenzen.de/jugend
VBE Forum: Werte und Kompetenzen in der Zukunft
Hiermit laden wir alle BPV-Mitglieder zum 1. VBE Forum 2019 in Berlin ein. Die Veranstaltung steht unter dem Titel: „Zukunft lebenswert gestalten – Was geht, was bleibt, was kommt? Welche Werte und Kompetenzen braucht es in einer sich verändernden Gesellschaft?“.
Das VBE-Forum 2019 findet
am 23.11.2019 von 9:30 Uhr bis 13:00 Uhr
im dbb-Forum Berlin (Friedrichstraße 169, 10117 Berlin) statt.
Erreichbar ist das dbb-Forum am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln (S-Bahnhof Friedrichstraße oder U-Bahnhof Französische Straße). Die Fahrtkosten trägt jeder Teilnehmende selbst bzw. stellt einen Antrag beim jeweiligen Kreis- bzw. Regionalverband. Die Teilnahme ist kostenfrei. Aus organisatorischen Gründen ist es notwendig, die Absicht zur Veranstaltungsteilnahme vorab anzumelden. Senden Sie hierzu eine E-Mail an Präsident Hartmut Stäker an staeker@bpv-vbe.de
