KMK Fachgespräch: Lüften in Schulräumen
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
am gestrigen Abend fand um 19:00 Uhr das Fachgespräch der KMK zum Thema Lüften statt, zu dem auch die Vorsitzenden von GEW, BER und VBE unter Bezugnahme auf unser gemeinsames Schreiben an die KMK und die Bundeskanzlerin (Anhang) kurzfristig als Vertreter der Interessengruppen eingeladen wurden.
Teilnehmende waren zudem die 16 Schulminister/innen oder ihre Vertretung, je ein Vertreter des Städte- und Gemeindebunds, des Städtetags, des Landkreistages sowie verschiedene Experten aus dem Bereich der Virologie, des Umweltbundesamtes, des Bereichs Hygiene und des Bereichs Strömungsmechanik.
Kern des Gesprächs mit den Experten aus der Wissenschaft war, die Effektivität des Lüftens zu analysieren und herauszuarbeiten, wie man richtig lüftet. Schnell zeigte sich die Erkenntnis, dass Lüften nur dann etwas bringt, wenn es gelingt, in regelmäßigen Abständen (20 Minuten) durch 3 bis 5-minütiges Querlüften einen möglichst vollständigen Luftaustausch in den Räumlichkeiten zu bewerkstelligen. Hierzu wird kurzfristig unter Beratung der anwesenden Wissenschaftler eine Broschüre vom Umweltbundesamt als Handreichung für die Lehrkräfte erarbeitet.
Über die tatsächliche Effektivität von Lüftung gingen die Meinungen auseinander. Fakt ist: Fenster auf Kippe bringt nichts. Der größte Effekt wird erzielt, wenn die Temperaturunterschiede zwischen Raum- und Außenluft besonders hoch sind. Das bedeutet jedoch, dass Schülerinnen und Schüler im Winter bei offenen Fenstern frieren müssen, um einen großen Luftaustausch zu erreichen.
Auch über die Wirksamkeit von Luftfiltern/Luftreinigern ging die Meinung auseinander. Fakt ist: Eine Wirkung wird nur erzielt, wenn man hochwertige Filter, deren Kosten bei mindestens 3000 € pro Stück liegen, einsetzt.
Zudem wurde mehrmals von zwei Experten betont, dass das Lüften (ob nun manuell oder technisch) nur eine Art der Infektion mildert oder verhindert, nämlich die indirekte über Aerosole. Tatsächlich braucht es weitere Maßnahmen, um die direkte Infektion über Tröpfchen beim Husten o.ä. zu verhindern, bzw. das Risiko der Erkrankung zu minimieren.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass, wenn man die Hinweise der teilnehmenden Experten ehrlich bewertet, man einen hohen Effekt für den Infektionsschutz nur durch Abstand halten erreicht, d.h. kleine Lerngruppen beziehungsweise und/oder die Umsetzung einer Maskenpflicht auch im Unterricht. An dieses Thema will man aber anscheinend zurzeit nicht heran aufgrund der großen Probleme und Widerstände, die damit verbunden sind.
Wir haben versucht, die Sichtweise der Praxis einzubringen. Zum Beispiel, was es bedeutet, wenn alle 20 Minuten der Unterricht unterbrochen werden muss und gelüftet werden muss; wie man Schülerinnen und Schülern erklären soll, dass sie im Winter frieren müssen und gleichzeitig gegen den Klimawandel angeheizt wird; wie gutes Lüften bei Fenstern umgesetzt werden soll, die sich nur teilweise oder gar nicht öffnen lassen.
Meine persönliche Überzeugung nach dem Gespräch ist: Lüften allein wird das Problem bei steigendem Infektionsgeschehen nicht lösen.
Viele Grüße
Udo Beckmann
Bundesvorsitzender VBE
Norddeutscher Lehrertag 2020: Schule füreinander und miteinander gestalten
Gemeinsam mit den Nordverbänden des Verband Bildung und Erziehung (VBE) veranstaltet der Verband Bildungsmedien e. V. am Samstag, den 26. September 2020, den Kongress „Norddeutscher Lehrertag 2020“ in der Stadthalle Rostock unter dem Motto „Schule füreinander und miteinander gestalten – Werte erlebbar machen„.
Bettina Martin, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern, wird ein Grußwort sprechen. Das Impulsreferat unter dem Titel „Schule mit und nach Corona neu denken – Lernen und Lehren im digitalen Zeitalter“ hält Thomas Jackl, Abteilungsleiter Bildungsplanung und Schulentwicklung im Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern. Anschließend findet eine Podiumsdiskussion statt mit Karin Prien, Bildungsministerin Schleswig-Holstein, Bettina Martin, Bildungsministerin Mecklenburg-Vorpommern, Udo Beckmann, Bundesvorsitzender VBE, Dr. Ilas Körner-Wellershaus, Vorsitzender Verband Bildungsmedien e. V., und Michael Blanck, VBE-Landesvorsitzender Mecklenburg-Vorpommern.
Die Teilnehmer*innen können sich danach aus 29 Slots auf drei Zeitschienen à 45 Minuten ihr persönliches Programm zusammenstellen. In den Pausen kann die begleitende Bildungsmedienausstellung besucht werden.
Anmelden können Sie sich ab sofort online unter:
www.norddeutscher-lehrertag.de
Sie buchen ohne Risiko: Falls wir die Veranstaltung wider Erwarten absagen müssen, erhalten Sie selbstverständlich Ihre Teilnahmegebühr zurück.
Achtung Anerkennung des MBJS:
Ergänzungsangebot Lehrkräftefortbildung mit der Anerkennungs-Nr. 200926-35.11-46512-200827.1 B. Bitte nutzen Sie das entsprechende Formular:
Die Bildungsprämie: Beruflich auf dem neuesten Stand
Wer sich im Beruf weiterbildet, hält sich auf dem neuesten Stand, ist zufriedener im Job – und verbessert in einer sich stetig wandelnden Arbeitswelt seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Doch nicht immer passen die individuellen Weiterbildungswünsche von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit denen des Arbeitgebers zusammen. Auch gibt es für viele Erwerbstätige nicht die Möglichkeit, an betrieblicher Weiterbildung teilzunehmen. Hier setzt die Bildungsprämie an. Sie unterstützt Erwerbstätige mit niedrigem Einkommen mit bis zu 500 Euro – unabhängig vom Arbeitgeber. Die Bildungsprämie lässt sich für ganz persönliche Weiterbildungsziele nutzen und ist einfach zu beantragen.
Wer kann die Bildungsprämie bekommen?
Der Prämiengutschein der Bildungsprämie richtet sich an Menschen, die mindestens 15 Stunden pro Woche erwerbstätig sind oder sich in Eltern- oder Pflegezeit befinden und über ein zu versteuerndes Einkommen (zvE) von maximal 20.000 Euro (als gemeinsam Veranlagte 40.000 Euro) verfügen. Das zu versteuernde Einkommen steht im Steuerbescheid. Der Betrag kann deutlich niedriger sein als das jährliche Bruttoeinkommen.
Erfüllen Sie die Voraussetzungen für einen Prämiengutschein? Machen Sie den Vorab-Check: www.bildungspraemie.info/vorabcheck. Pro Kalenderjahr können Erwerbstätige einen Prämiengutschein erhalten. Eine Altersgrenze gibt es nicht. Den Prämiengutschein erhalten Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer von rund 500 Beratungsstellen in Deutschland: www.bildungspraemie.info/beratungsstellen.
Gute Beispiele: Hier finden Sie Geschichten von Menschen, die sich weitergebildet und die Bildungsprämie genutzt haben. Sie zeigen: Wer sich weiterbildet, kommt weiter.
Weitere Informationen unter www.bildungspraemie.info und unter der kostenfreien Hotline 0800 26 23 000.
Über Fake News im Unterricht aufklären – Fortbildung und Materialien für Lehrende
Falschinformationen im Netz haben einen direkten Einfluss auf Meinungsbildungsprozesse und damit auch auf das politische Geschehen und die demokratische Gesellschaft. Insbesondere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind diesem Einfluss häufig ungefiltert ausgesetzt. Ihnen fällt es schwerer zu unterscheiden, was wahr und was unwahr ist. Um dies zu lernen, brauchen sie in den Schulen gut informierte kompetente Lehrende, die sie dabei unterstützen, Quellen kritisch zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Das neue Projekt weitklick bietet hierfür umfangreiche Hilfestellungen und Fortbildungsmöglichkeiten an.
weitklick richtet sich an Lehrenden in weiterführenden und beruflichen Schulen und bietet Onlinekurse, Unterrichtsmaterialien, Webinare und Vor-Ort-Veranstaltungen. Journalist*innen begleiten und unterstützen sie dabei mit ihrer Expertise bei Veranstaltungen, in lokalen Netzwerken oder mit Schulbesuchen. Ein Beirat mit Expert*innen aus Wissenschaft, Medienschaffenden, Politik und Bildungspraxis sichert die fachliche Qualität des Angebots. weitklick ist kostenfrei und für alle zugänglich.
Webseite: www.weitklick.de
Kontakt:
Judith Kunz, Projektmanagerin weitklick, FSM e.V.
E-Mail: info@weitklick.de
Telefon: 030 24 04 84 40

Foto: Thomas Jauk
„Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler beginnt mit dafür gut gerüsteten Lehrkräften. Deshalb freut es mich, als Teil des Beirats das Projekt weitklick zu unterstützen und die Perspektive aus dem Bildungssystem einzubringen. Diese Plattform ist ein gutes Angebot, das von Lehrkräften auf freiwilliger Basis genutzt werden kann. Hiermit wird eine dringend notwendige, zentrale Anlaufstelle geschaffen, auf der Informationen bereitgestellt, Kurse angeboten und das pädagogische Personal miteinander vernetzt wird.“
Udo Beckmann, Bundesvorsitzender, Verband Bildung und Erziehung
VBE Umfrage belegt: Gesundheitsschutz – Fehlanzeige!
VBE fordert Einhaltung von Arbeits- und Gesundheitsschutz und umfassende Information „Die Kultusministerien ordnen die Aufhebung des Abstandes an, während sich jede dritte Lehrkraft durch die bestehenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen jetzt schon nicht ausreichend geschützt fühlt. Es wird zu wenig getan, um den veränderten Bedingungen gerecht zu werden. So berichten 29 Prozent der Lehrkräfte, dass kaum oder keine Reinigungsmittel und dafür notwendige Handschuhe und Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt werden. Eine einfache und effektive Möglichkeit, wie sie auch in Supermärkten und Arztpraxen eingesetzt wird, ist das Aufstellen von Plexiglasscheiben. 78 Prozent
der Lehrkräfte berichten aber, dass es das nicht gibt. Zudem sagt jede dritte Lehrkraft, dass die Lehrerinnen und Lehrer selbst Räume putzen, um den höheren Rhythmus bei der Reinigung zu gewährleisten. Damit verprellen die Kultusministerien die Lehrkräfte noch zusätzlich: Anstatt ein angemessenes Arbeitsumfeld mit ausreichend Zeit für Bildung und Erziehung zu schaffen, bekommen Lehrkräfte
den Putzeimer in die Hand gedrückt“, kritisiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).
Er bezieht sich auf die aktuellen Zahlen einer vom VBE bei forsa beauftragten repräsentativen Umfrage unter 1.006 Lehrkräften allgemeinbildender Schulen. Diese beschäftigte sich mit der Situation an Schulen während der ersten Wochen der Schulöffnungen und wurde Ende Mai 2020 im Rahmen des Befragungspanels forsa.omninet durchgeführt.
Über 60 Prozent der Lehrkräfte geben an, dass sie momentan im Vergleich zum regulären Schulbetrieb eine höhere Belastung haben, weitere 20 Prozent eine ähnliche. Beckmann verweist auf das hohe Engagement der Lehrkräfte, die in der Phase der Schulöffnungen zwischen Präsenzunterricht, der Aufgabenerstellung für das selbstständige Lernen zuhause und der Begleitung dieser Schülerinnen und Schüler sowie dem Einsatz in der Notbetreuung pendeln. Nach den Ursachen für den Mehraufwand gefragt, gibt die Hälfte an, dass es einen höheren Organisationsaufwand gibt, zum Beispiel um Aufgaben zu versenden. Für je etwas über 40 Prozent der Lehrkräfte kommt der Mehraufwand
von der parallelen Betreuung der Lerngruppen zuhause und dem Unterricht vor Ort sowie von dem Bedarf an Kommunikation zu unterschiedlichen Zeiten. „Wir sehen eine deutliche Ausweitung der Zeiten, zu denen Lehrkräfte arbeiten. Eltern und Schülerinnen und Schüler lernen zuhause, wie es am besten in die dortigen Strukturen passt. Das ist auch vollkommen in Ordnung – nur entsteht so zu unterschiedlichsten Zeiten der Bedarf an Unterstützung durch die Lehrkraft. Das führt zu einer Streckung der Arbeitszeit. Die Kultusministerien sind aufgefordert, hier sehr genau hinzusehen, dass der Arbeitsschutz der Beschäftigten gesichert wird“, erklärt der VBE Bundesvorsitzende.
Nachdem die Lehrkräfte für die „Bildung in der digitalen Welt“ weder fortgebildet wurden, noch ausgestattet sind, mussten sie sich in den letzten Wochen in die Nutzung digitaler Anwendungen einarbeiten. Dies führte bei jeder dritten Lehrkraft zu Mehraufwänden. Die Durchführung von Telefon- und Videokonferenzen wurde von jeder vierten Lehrkraft als Ursache für Mehrarbeit angegeben.
Beckmann kommentiert dieses Engagement: „In kürzester Zeit und mit hoher Anstrengung wurde mit digitalen Anwendungen die Kommunikation zu den Schülerinnen und Schülern aufrechterhalten, um Aufgaben zu erklären, Fragen zu beantworten und einen Raum für den Austausch mit anderen zu schaffen. Das viel gepriesene ‚digitale Lernen‘ ist das aber noch nicht. Dafür brauchen die Lehrkräfte
quantitativ ausreichende und qualitativ hochwertige Fort- und Weiterbildungen innerhalb der Dienstzeit und Unterstützung bei der Erstellung und Umsetzung entsprechender pädagogischer Konzepte. Entlasten würde es die Hälfte der Lehrkräfte, wenn Schülerinnen und Schüler mit Endgeräten ausgestattet werden. Jede dritte Lehrkraft gibt auch die eigene Ausstattung mit einem Gerät als Entlastungsmöglichkeit an.“
Je die Hälfte der Befragten sagt, dass es sie entlasten würde, nicht gleichzeitig für Lerngruppen in der Schule und zuhause zuständig zu sein und wenn organisatorische Aufgaben reduziert würden. Ungefähr ein Drittel der Lehrkräfte setzt für eine Entlastung auf curriculare Veränderungen, wie Lerninhalte zu reduzieren oder sich auf die Kernfächer zu konzentrieren. Das passt auch gut zusammen mit
der Erkenntnis, dass 82 Prozent der befragten Lehrkräfte sagen, dass es in der Schulöffnungsphase die größte Herausforderung sei, Lernunterschiede auszugleichen. Beckmann warnt aber davor, in der aktuellen Lage zum Beispiel ganz auf musisch-künstlerische Fächer zu verzichten: „Wir wissen, dass es sehr positive Effekte haben kann, die erlebte Zeit auch kreativ verarbeiten zu können. Hier muss
eine angemessene Balance zwischen dem Aufholen von Lerninhalten und dem Raumgeben für die Persönlichkeitsentwicklung gegeben werden.“ Wichtig sei zudem das Zurückgeben der Struktur (56 Prozent).
Mehrheitlich antworteten die Lehrkräfte, dass sich eine Person mit Erkältungssymptomen nicht an der Schule aufhalten dürfe. Wenn diese Fieber und/oder Husten habe, gibt jeder dritte Befragte an, dass die Person auf das Corona-Virus getestet werde, 40 Prozent sagen, dass dies unterschiedlich ist und vom behandelnden Arzt abhängt. „Erschreckend ist aber auch, dass je ein Viertel der Lehrkräfte diese Fragen nicht beantworten konnte, weil es nicht eindeutig geregelt ist oder sie es nicht wissen. Zudem konnte über die Hälfte keine Angaben zu den Quarantäneregelungen machen. Hier ist ein Informationsdefizit entstanden, welches die Kultusministerien zu verantworten haben“, kritisiert Beckmann und fordert: „Es braucht einfache und klare Regelungen, die nachvollziehbar und eingängig sind. Zudem müssen die Gesundheitsministerien auch weitere Maßnahmen ergreifen, um den Gesundheitsschutz wieder glaubwürdig zu priorisieren. Dazu könnte auch das Angebot freiwilliger Testungen auf das Corona-Virus zählen. Zwar bieten diese keine Sicherheit, nicht zu einem späteren Zeitpunkt zu erkranken, erhöhen aber das subjektive Sicherheitsgefühl und könnten auch im Rahmen der Strategie zur Ausweitung der Testaktivitäten ihren Platz haben. 74 Prozent der Lehrkräfte befürworten freiwillige Tests.“
Den Bericht mit den Umfrageergebnissen finden Sie unter: https://www.vbe.de/fileadmin/user_upload/VBE/Service/Meinungsumfragen/2020-06-09_-_forsa-VBE_Corona_Schuloeffnungsphase.pdf .
Pressedienst BPV: Umfrage zeigt: Ausreichender Gesundheitsschutz Fehlanzeige
Pressedienst VBE: Hoher Klärungsbedarf bei Soforthilfe
„Die Soforthilfe ist richtig und wichtig – und auch die Ausgestaltung, dass das Geld direkt an die Schulen geht. Wir fordern aber weiterhin, dass nachhaltig gesichert werden muss, dass alle Schülerinnen und Schüler, und im Übrigen auch die Lehrkräfte, ein von der Schule bereitgestelltes Gerät erhalten müssen. Denn wir wissen aus den von uns beauftragten repräsentativen forsa-Umfragen, dass die Ausstattung an den Schulen miserabel ist. So sagten 2019 nur 34 Prozent der Schulleitungen und 2020 nicht viel mehr, nämlich erst 37 Prozent der Schulleitungen, dass es Klassensätze an digitalen Endgeräten an ihrer Schule gibt. Zudem sind noch viele Fragen ungeklärt. Wer sucht die Geräte aus und wer beschafft sie? Wer sorgt für die Inbetriebnahme, aber auch für die Wartung der Leihgeräte? Wer erhält nach welchen Indikatoren Geräte? Wie sind die Geräte versichert? Das Programm hat den Fokus, Schülerinnen und
Schüler zu fördern, die aus ökonomisch schlechter gestellten Elternhäusern kommen, schnell ein Gerät zur Verfügung zu stellen. Dass nun keine klaren Indikatoren genannt werden, ist Fluch und Segen zugleich: Es bleibt unklar, wer denn auf welcher Grundlage von der Ausleihe eines Gerätes ausgeschlossen werden würde. Diese Bürde darf nicht den Schulleitungen auferlegt werden“, fordert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).
VBE fordert Vertrauen in die politisch Verantwortlichen
Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, äußert sich zu den Spekulationen über Szenarien für Schulöffnungen und plädiert dafür, den politisch Verantwortlichen die Zeit bis nach Ostern zuzugestehen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Zugleich verweist er auf Grundforderungen des VBE, die wir bereits seit Beginn der aktuellen Lage stetig vorbringen.
VBE-Chef Udo Beckmann zieht Bilanz aus den Schulschließungen
Seit drei Wochen sind die Schulen in Deutschland geschlossen – heute beginnen in neun Bundesländern die Osterferien. Zeit für eine Zwischenbilanz. Wie hat der Fernunterricht aus Lehrersicht bislang geklappt? Und wie sind die Aussichten für die Zeit nach der Ferienpause? Können wir schon jetzt aus der Krise eine Lehre ziehen? Wir sprachen darüber mit dem Bundesvorsitzenden des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Der VBE vertritt die Interessen von 164.000 Pädagoginnen und Pädagogen in Deutschland.
News4teachers: Auf News4teachers wird intensiv die These des Hamburger Klinikdirektors Prof. Dr. Ansgar Lohse (60) diskutiert, die Schulen und Kitas schnell wieder zu öffnen, um in der Bevölkerung eine „Herdenimmunität“ gegen das Corona-Virus aufzubauen. Ist das für Sie als Bundesvorsitzender eines Lehrerverbands eine diskutable Position?
Beckmann: Wir sind keine Experten für Virologie. Zum jetzigen Zeitpunkt hat sich an der Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums, weiten Teilen der Wissenschaft und dem Robert-Koch-Institut keine Änderung ergeben. Schulschließungen entfalten demnach eine „Bremswirkung“ bei der Ausbreitung des Virus, da Kontakte vermieden werden und sich der Bewegungsradius deutlich eindämmt. Bei all den Unwägbarkeiten und Gedankenspielen, müssen wir darauf vertrauen, dass die Politik unter Einbezug der Wissenschaft Entscheidungen trifft, die am besten für das Wohl der Gemeinschaft sorgen – und gleichermaßen gesamtgesellschaftlich vertretbar sind. Das ist keine leichte Position.

„Unverhofft kommt oft“: VBE-Chef Udo Beckmann. Foto: VBE / Jean-Michel Lannier
„Schulleitungen und Lehrkräfte arbeiten am Limit“
News4teachers: Apropos „Gedankenspiele“: Sie haben in der vergangenen Woche für Wirbel gesorgt, weil Sie eine Verkürzung der Sommerferien ins Gespräch gebracht haben. Ist das eine realistische Möglichkeit?
Beckmann: Lassen Sie mich eines klarstellen: Ich habe zu keiner Zeit eine Verkürzung der Sommerferien gefordert. Bei dem Interview in der Frankfurter Rundschau lag der Fokus klar auf Kinder in verschiedenen Notlagen und es ging darum, wie verhindert werden kann, dass es zu zusätzlichen Bildungsungerechtigkeiten kommt. Als eine mögliche Option habe ich dann auf die Frage, was nach mehrmonatigen Schulschließungen helfen könnte, ins Spiel gebracht, über die Verkürzung der Sommerferien nachzudenken. Das wurde schnell aufgebauscht zu einer Grundsatzforderung, die es so von mir und vom VBE nie gab.
News4teachers: Würden Sie die „Kürzung der Sommerferien“ als Option bestehen lassen?
Beckmann: Ganz klar: Nein. Die ausgelöste Diskussion – sowohl innerverbandlich als auch mit Bildungsbeteiligten außerhalb des Verbandes – haben mir gezeigt, dass dies aus vielerlei Gründen keine Option ist.
Lehrkräfte und Schulleitungen arbeiten in normalen Zeiten schon am Limit und sind gerade besonders gefordert. Außerdem war auch die Rückmeldung der Eltern, dass Kinder die Ferien brauchen, um sich in diesem Freiraum von der Situation des „zu-Hause-Lernens“ freizumachen, sich zu erholen und sich ein Stück weit auch psychisch zu befreien.
Der Punkt bleibt, dass es nachhaltige Lösungen braucht, um die unterschiedlichen Entwicklungen, welche die Schülerinnen und Schüler gerade machen, wieder zusammenzuführen. Der Schlüssel ist die individuelle Förderung. Wir kritisieren seit langem, dass die Möglichkeiten hierfür noch nicht ausreichend sind. In der „Nach-Corona-Zeit“ muss die Politik deutlich Anstrengungen unternehmen, damit das gelingt.
Wir brauchen aber auch konkrete Verbesserung im Ist-Zustand. Hier sehen wir, dass die Bildungspolitik sich in einer großen Dynamik befindet und vor allem versucht, Strukturen aufzubrechen, die digitalen Angebote zu erweitern und Prüfungstermine zu verschieben. Das begrüßen wir natürlich, erinnern aber auch daran, dass zumindest bei Prüfungen ein möglichst bundeseinheitliches Vorgehen erreicht werden sollte.
„Hygienestandards für Lehrkräfte und Schüler stets einhalten“
News4teachers: Laut des Beschlusses der Kultusministerkonferenz sollten für Abiturprüfungen auch sonst geschlossene Schulen öffnen. Was sagen Sie dazu?
Beckmann: Auch hier gilt, es muss von den Gesundheitsexperten als verantwortbar eingestuft werden. Sollten für die Prüfungen die Schulen vorzeitig geöffnet werden, muss bei der Durchführung unbedingt sichergestellt sein, dass die Hygienestandards und der Sicherheitsabstand für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler stets eingehalten werden können. Um insbesondere den Abstand zu gewährleisten, bedarf es mehr Aufsichtspersonal als in den Vorjahren, da dann in unterschiedlichen Räumen geschrieben werden muss. Das führt dann aber gleich wieder zu unserer Kernforderung, älteren und chronisch vorerkrankten Lehrkräften die Möglichkeit zu geben, sich zu schützen und zu Hause zu bleiben. Zudem stehen wegen der Betreuung eigener Kinder auch ein Teil der Lehrkräfte nicht zur Verfügung. Jede Entscheidung löst gerade eine Kettenreaktion aus und muss daher sorgsam durchdacht werden.
News4teachers: Seit fast drei Wochen sind die Schulen und Kitas in Deutschland geschlossen. Unterricht läuft trotzdem – aus der Ferne. Wie ist Ihr Eindruck – klappt das Lernen zu Hause?
Beckmann: Insbesondere die Gespräche mit Lehrkräften haben mir nochmal Einblick in ihre tolle Arbeit gegeben – trotz oft schwierigster Rahmenbedingungen: Da draußen werden gerade sehr kreative Lösungen gefunden. Gleichzeitig sehen wir eine große Heterogenität, von Land zu Land, Ort zu Ort, aber auch von Schule zu Schule. Die Regelungen lassen große Interpretationsspielräume zu, was dazu führt, dass mancherorts sehr viele Aufgaben ausgegeben werden und anderswo eher wenige. Fakt ist: Die Lehrkräfte versuchen auch in dieser Situation für Schülerinnen und Schüler bestmögliche Unterstützung zu erreichen. Hilfreich ist, wenn das, was an Regelungen durch die Schulbehörden herausgegeben wird, möglichst konkret gefasst ist. Im Moment fahren wir auf Sicht. Das geht oft gar nicht anders. Trotzdem tut die Politik gut daran, nicht nur über ein „nach Corona“ nachzudenken, sondern den momentanen Zustand zu verbessern.
Wie schon gesagt, bricht sich eine große Kreativität Bahn: Das beginnt bei der Lehrerin, die auf einer Parkbank sitzend ihre Aufgaben an Eltern ausgibt bis hin zu den Lehrkräften, die sich jetzt auf den Weg machen, einzelne Unterrichtsstunden auch digital zu halten. Hier ist die Forderung ganz klar, dieses Engagement zu unterstützen, Serverkapazitäten der länderspezifischen Lernplattformen zu erweitern und dafür zu sorgen, dass auch wirklich alle Kinder, die solche Angebote wahrnehmen möchten, dafür ausgestattet sind.
News4teachers: …aber selbst viele Lehrkräfte sind noch nicht ausgestattet dafür.
Beckmann: Genau! Deshalb darf auch keineswegs von den Schulministerien erwartet werden, dass jetzt alle Lehrkräfte digital unterrichten. Das verkennt, dass es das Versäumnis der Politik war, die Digitalisierung im Bildungsbereich nicht rechtzeitig anzupacken. Der Digitalpakt wurde über 2,5 Jahre verschleppt. Ergebnis ist, dass unsere aktuelle forsa-Schulleiterbefragung ergab, dass es noch immer nur an jeder dritten Schule Klassensätze von digitalen Endgeräten gibt. Zudem haben bisher entsprechende Fortbildungsangebote gefehlt. Von daher haben Lehrkräfte zum Teil gar keine andere Möglichkeit als zum Telefon zu greifen und analoge Arbeitsmaterialien auszugeben.
„Gemeinsame Verantwortung von Lehrkräften und Eltern wird gestärkt“
News4teachers: Nur wird damit das Problem der Bildungsungerechtigkeit ja auch nicht gelöst, oder?
Beckmann: Nein, denn wir sehen, dass es Kinder gibt, die bei Problemen mit den Aufgaben allein sind und welche, die durch ihre Eltern unterstützt werden können oder bezahlten Nachhilfeunterricht bekommen. Hinzu kommen die Unterschiede bei der digitalen Infrastruktur mit Geräten und Internet. Sollten die Schulschließungen andauern, muss es im Fokus der Politik stehen, dies auszugleichen. Ein entscheidender Schritt wäre die Umsetzung der Überlegung des Hamburger Schulsenators Ties Rabe, Tablets aus dem Schulbestand auszugeben. Dort, wo es keine gibt, muss auch über die zeitnahe Anschaffung nachgedacht werden. Die Überlegung muss dann aber auch beinhalten, wo das Internet für eine Benutzung der Endgeräte herkommen soll und wer die Kosten dafür übernimmt. Positiv ist auch, wie sehr durch diese Krise die gemeinsame Verantwortung von Lehrkräften und Eltern für die Bildungsbiografie der Kinder gestärkt wird.
News4teachers: Wenn es mit dem Präsenzunterricht nach den Osterferien noch nicht wieder losgehen kann – was könnten Möglichkeiten sein, um das Schuljahr nicht vollends zu verlieren?
Beckmann: Dazu muss man feststellen, dass dreiviertel des Schuljahres in den meisten Bundesländern vollzogen sind. Deshalb denken ja erste Bundesländer, wie Niedersachsen, auch darüber nach, nur die bisher erbrachten Leistungen zu bewerten.
Klar ist auch: Mehr als momentan bei allen unterschiedlichen Bedingungen seitens der Lehrkräfte geleistet wird, ist kaum vorstellbar. Ich würde vor allem den Blick darauf richten, wie den Lehrkräften weitere Möglichkeiten der digitalen Unterstützung eröffnet werden können und dann darauf fokussieren, was von dem, was in diesem Schuljahr noch an Lerninhalten aussteht, verzichtbar ist. Vielleicht können einzelne Inhalte zu einem späteren Zeitpunkt in einen neuen Kontext eingebunden werden. Zudem begrüßen wir die Entscheidung der Kultusministerkonferenz (KMK) sehr, die externen Vergleichstests nicht verpflichtend durchzuführen. Der IQB-Bildungstrend wurde verschoben und für VERA 3 und 8 gilt keine Teilnahmeverpflichtung. Das entlastet.
News4teachers: Was denken Sie: Wie kann ein Wiedereinstiegsszenario für die Schulen und Kitas aussehen?
Beckmann: Die Ausarbeitung der verschiedenen Szenarien überlasse ich lieber den Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft. Der Vorschlag des Vorstandsvorsitzenden des Weltärzteverbands, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Schulen schrittweise zu öffnen, ist sicherlich ein möglicher Weg. Er bezieht das vor allem auf stark und eher schwach betroffene Gebiete. Die Kultusministerin aus Baden-Württemberg, Susanne Eisenmann, denkt gerade ebenfalls über eine schrittweise Öffnung nach, wobei ‚an den Grundschulen an einigen Tagen die Klassen eins und zwei kommen, an den anderen die Klassen drei und vier‘.
Aber wir lernen ja jeden Tag dazu. Nicht ohne Grund wird die Entscheidung, wie es mit den Schulen weitergeht, durch die Politik erst nach Ostern getroffen. Priorität hat die Gesundhaltung der Bevölkerung. Dem nachgeordnet kann mit Blick auf die positive Wirkung für das Gemeinwesen und der notwendigen wirtschaftlichen Aktivitäten unter Berücksichtigung des Schutzes der Beschäftigten der Kreis der anspruchsberechtigten Eltern bei der Betreuung ihrer Kinder in der Kita langsam ausgeweitet werden.
Für die Schulen gelten die gleichen Prämissen. Hier sollte man vor allem die Schülerinnen und Schüler im Blick haben, die noch Prüfungsleistungen zu erbringen haben (10. und 12./13. Klasse) und die vor dem Übergang in die weiterführenden Schulen stehen (4. bzw. 6 Klasse).
Gerade weil der Virus uns noch einige Zeit beschäftigen wird, auch wenn wieder Lockerungen im Bereich der Schulen vorgenommen werden könnten, bleibt der Aspekt der Sicherstellung der Hygienemaßnahmen ein ganz wesentlicher.
News4teachers: Gibt es für Sie eine Lehre, die wir aus der Situation ziehen können?
Beckmann: Ganz lapidar ist es die Bewahrheitung des Sprichwortes „Unverhofft kommt oft.“ So unvorhersehbar diese Situation kam, die in der neueren Geschichte Deutschlands einzigartig ist, sehen wir doch, dass es anderen Ländern in der Bildungspolitik besser gelingt, damit umzugehen, weil sie u.a. bei der Digitalisierung weiter sind und das Bildungssystem schon vor Corona besser auf die Vermeidung von Bildungsungerechtigkeiten eingestellt war. Nur nützt uns der Vergleich jetzt auch nichts.
Nun heißt es: Nach vorne schauen, mit und in der Situation leben. Die Pädagoginnen und Pädagogen nehmen diese Herausforderung gerade allerorten mit großem Engagement an.
Quelle: https://www.news4teachers.de/2020/04/wir-lernen-jeden-tag-dazu-vbe-chef-udo-beckmann-zieht-nach-drei-wochen-eine-erste-bilanz-aus-den-schulschliessungen/
Digitales Lehren und Lernen: Kostenlose Materialien und Webinare der Bildungsmedienverlage
Schulschließungen wegen des neuartigen Corona-Virus stellen Lehrkräfte, Schüler*innen und Eltern vor Herausforderungen. Viele Bildungsmedienverlage bieten kostenlose Materialien und Webinare für das digitale Lehren und Lernen zu Hause an.
Der Verband Bildungsmedien e. V., der die rund 80 Bildungsmedienverlage in Deutschland vertritt, hat die Angebote in einer kommentierten Link-Liste zusammengefasst:
www.bildungsmedien.de/service/digitales-lehren-und-lernen
Die Liste wird fortlaufend aktualisiert.
Die Bildungsmedienverlage in Deutschland sind Partner der Schulen und Lehrkräfte, auch wenn es um die Digitalisierung an Schulen geht. Sie setzen sich dafür ein, dass digitale Bildungsmedien leichter verfügbar sind und alle Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte die politischen, rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen haben, diese Medien gezielt und pädagogisch sinnvoll einzusetzen.
Der Verband Bildungsmedien e.V. hofft, dass die Lehrerinnen und Lehrern bei der Bewältigung der außergewöhnlichen Unterrichtsbedingungen mit dieser Zusammenstellung ein wenig unterstützt werden.
Plattform „School to go“ für Lernangebote
Als am 13. März 2020 die Brandenburger Landesregierung die Schließung der Schulen ab dem 18.03.2020 verkündete, stellten sich die Lehrerinnen und Lehrer und die Eltern die Frage, wie soll das gehen: Unterricht zuhause? Lehrerinnen und Lehrer und auch Eltern sind dabei sehr kreativ geworden.
So nutzen viele die im Haushalt vorhandenen digitalen Endgeräte, wie Computer, Tablet oder Smartphone. Doch mit welchen Inhalten sollten diese „gefüttert“ werden?Im Netz gibt es eine Vielzahl an Apps und Plattformen. Eine davon ist die Webseite „School to go“ für Schüler, Lehrer und Eltern, die ein Überblicksportal für verschiedene Lernangebote ist. Auf der im Stil eines Social-Media-Feeds aufbereiteten Seite finden sich Verweise auf diverse Lern-Angebote. Über einen Filter können User spezielle Angebote für verschiedene Klassen und Fächer wie Deutsch, Fremdsprachen oder MINT finden.
„School to go“ ist eine gemeinsame Initiative des Forschungsinstituts Bildung Digital (FoBiD) an der Universität des Saarlandes, geleitet von Prof. Dr. Julia Knopf, und der DFKI-Forschungsgruppe Smart Enterprise Engineering an der Universität Osnabrück (Niedersachsen), geleitet von Prof. Dr. Oliver Thomas.
Hier der Link zur Plattform: https://schooltogo.de/
