Zahl der Kinder mit attestiertem Förderbedarf hat sich seit 2005 fast verdoppelt
Expertise: Welchen Förderbedarf haben Kinder mit emotional-sozialen Entwicklungsstörungen?
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hat eine Expertise zum Thema “Welchen Förderbedarf haben Kinder mit emotional-sozialen Entwicklungsstörungen?“ in Auftrag gegeben. Die Studie von Professor Dr. Bernd Ahrbeck hat ergeben, dass sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt „Emotionale und soziale Entwicklung“ verdoppelt hat.
Hartmut Stäker, Präsident des Brandenburgischen Pädagogenverbandes macht auf verschiedene Faktoren dieser Entwicklung aufmerksam.
Die vom VBE in Auftrag gegebene wissenschaftliche Expertise belegt, worauf Lehrkräfte immer wieder hinweisen. Kinder mit emotional-sozialen Entwicklungsstörungen zeigen eine ausgeprägte Symptomatik, die nur durch sonderpädagogische Fördermaßnahmen aufgefangen werden kann. In der Regel können dies nur entsprechend ausgebildete Sonderpädagogen leisten. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Zahl der Kinder, die einen entsprechenden Förderbedarf attestiert bekommen, in den letzten Jahren drastisch gestiegen ist. Anhand der Zahlen vom Kultusministerium wird deutlich, dass im Jahre 2005 über 46000, 2010 schon 62500 und 2015 sogar 85500 Schülerinnen und Schüler attestierten Unterstützungsbedarf im Bereich der „Emotionalen und sozialen Entwicklung“ hatten. Das entspricht einer Steigerung von ca. 86% in 10 Jahren. Dabei liegt die Dunkelziffer noch deutlich höher, erklärt Prof.Dr. Ahrbeck: „Studien zeigen, dass bis zu 17% eines Jahrgangs psychisch erkrankt sind. Bis zu 10% der Kinder und Jugendlichen sind behandlungs- und beratungsbedürftig. Es haben zwar nicht alle diese Kinder einen Förderbedarf bei der emotional-sozialen Entwicklung, aber es kann von einer hohen Korrelation ausgegangen werden.“
Der BPV unterstützt die Meinung von Prof. Dr. Ahrbeck, dass die „Kinder mit dem Förderschwerpunkt „Emotionale und soziale Entwicklung“ stark individualisiert und personell gebunden unterstützt werden müssen, wenn die Förderung zum Erfolg führen soll.“ Jedoch stimmen die momentan von der Politik zur Verfügung gestellten Bedingungen nicht! Sowohl die personellen als auch die räumlichen Konzepte erlauben es derzeit nicht, individualisierten Unterricht und eine Förderung in Kleingruppen durchzuführen.
Die Expertise ist zu finden unter:
http://www.vbe.de/angebote/ese-kinder.html
Zahl der Kinder mit attestiertem Förderbedarf hat sich seit 2005 fast verdoppelt
Pressedienst VBE – VBE zufrieden …
VBE zufrieden: Mehr Geld für alle, Einführung der Erfahrungsstufe 6 und Entgeltordnung wird weiterentwickelt.
Mit dem Ergebnis können wir zufrieden sein. Es gibt eine lineare Erhöhung mit einer sozialen Komponente und die neue Erfahrungsstufe 6. Lehrkräfte in Deutschland erhalten damit ein klares Zeichen: „Ihr seid es wert!“, kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) die Ergebnisse der Tarifverhandlungen. Der stellvertretende Bundesvorsitzende des VBE für den Geschäftsbereich Tarifpolitik, Jens Weichelt, unterstreicht: „Die Erfahrungsstufe 6 zeigt insbesondere die Anerkennung der Arbeitsleistung langjährig Beschäftigter. Sie trägt damit dazu bei, diese mit all ihrem Wissen und ihrem Erfahrungsschatz an den Öffentlichen Dienst zu binden.“
Innerhalb der Tarifverhandlungen hat zudem die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft die vor zwei Jahren ausgehandelte Entgeltordnung Lehrkräfte nachgezeichnet. Beckmann freut sich über die Möglichkeit, von nun an für die Lehrkräfte an einem Strang zu ziehen: „Endlich ist Schluss mit der ‚Alles-oder-nichts‘-Taktik. Wir freuen uns, dass die GEW akzeptiert hat, dass es für ihre Lehrkräfte deutliche Vorteile hat, einen Tarifvertrag zu haben. Realistische Gehaltssteigerungen sind besser als Forderungen, die nicht bedient werden.“ Für die Weiterentwicklung der Entgeltordnung Lehrkräfte konnte eine Prozessvereinbarung in den Tarifverhandlungen erreicht werden. „Wir kämpfen weiter für die Paralleltabelle. Es braucht eine kluge Ausgestaltung des Tarifvertrags für die Lehrkräfte“ sagte Beckmann.
Die Ergebnisse im Einzelnen:
- rückwirkend zum 01.01.2017 eine Gehaltssteigerung um 2 %, mindestens jedoch 75€
- zum 01.01.2018 weitere Steigerung um 2,35 %
- Einführung der Erfahrungsstufe 6 in zwei Schritten, 50 % zum 01.01.2018, vollständig zum 01.10.2018
- Prozessvereinbarung zur Weiterentwicklung der Entgeltordnung Lehrkräfte ab Sommer 2017
- Der Bundesvorsitzende Beckmann fordert: „Die Ergebnisse der Tarifverhandlungen müssen nun zeit- und inhaltsgleich auf den Beamtenbereich übertragen werden.“
Gewalt gegen Lehrkräfte – MBJS unterstützt die Forderungen des BPV Erstes Gespräch der Lehrerverbände im MBJS
Unsere Veröffentlichungen und die Pressekonferenz zum Thema „Gewalt gegen Lehrkräfte“ haben ersten Früchte getragen. Das MBJS hat auf der Basis der Ergebnisse der Forsa-Umfrage des VBE zu einem Gespräch am 06.01.17 geladen. Neben dem Brandenburgischen Pädagogen-Verband, vertreten durch Vizepräsidentin Christina Adler, nahmen weitere Lehrerverbände, Vertreter der Schulämter und des MBJS, insbesondere der Rechtsabteilungen, teil.
Zunächst dankte der Staatssekretär Dr. Drescher ausdrücklich dem VBE für die Forsa-Umfrage als fundierte Grundlage zum Thema „Gewalt gegen Lehrkräfte“. In der Diskussion zeigte sich, dass in allen Schulformen die Problemlage ähnlich gravierend ist.
Als Ergebnis der Gesprächsrunde befürworteten alle Teilnehmer ein Maßnahmenpaket, das durch das MBJS schrittweise umgesetzt werden soll. Zu dem Maßnahmenpaket gehören u.a.:
Gewalt gegen Lehrkräfte soll bereits in der Lehrerausbildung thematisiert werden.
Fortbildungsangebote für Lehrkräfte in Rechtsfragen sollen erweitert, die Unterstützung durch die Rechtsstellen der Schulämter verbessert werden.
Das Ministerium wird das Informationsmaterial für Schulen überarbeiten und in größerer Menge zur Verfügung stellen.
Die Zusammenarbeit von Jugendämtern, Schulämtern und Schulen muss vertieft werden.
In den Schulen sollen die Rollen der Schulpsychologen und Sozialarbeiter gestärkt werden.
Erforderlich ist es, die Zusammenarbeit mit der Polizei zu intensivieren.
Das Ministerium soll als Dienstleister für Schulen und Schulämter in Fragen der Gewaltprävention und Gewaltbekämpfung agieren.
Zudem sollen die Gesundheitsvorsorge sowie die psychologische Betreuung für Lehrkräfte verbessert werden.
Gleichzeitig wurde beschlossen sich künftig regelmäßig zu treffen, das nächste Mal im Juni 2017.
Der Brandenburgische Pädagogen-Verband wird diesen Prozess intensiv begleiten und die Erfahrungen seiner Mitglieder dem MBJS zur Verfügung stellen. Gemeinsam mit den anderen Lehrerverbänden werden wir alles für die Umsetzung dieser Maßnahmen tun.
